Adventskalender – Tag 14

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Tag 14

Ich wache auf. Wo bin ich? Dann bemerke ich, dass ich nackt bin. Verdammt, haben wir es getan? Aber wo ist Jakob? War die Sehnsucht zu Johannes so groß, dass ich mich auf Jakob eingelassen habe? Ich stehe auf. Es ist dunkel und ich erreiche den Lichtschalter. Ich drücke drauf und da sind meine Sachen. Schnell ziehe ich mich an. Dann rufe ich nach Jakob. Es kommt nichts zurück. Ich gehe ins Wohnzimmer und stolpere über etwas. Liegt da Jakob? Ich suche den Lichtschalter, aber das Licht funktioniert nicht. Als renne ich die Küche und hole mein Handy. Dann leuchte ich auf das, worüber ich gestolpert bin. Es ist Jakob. Dann sehe ich mich im Raum um. Was haben wir veranstaltet? Waren wir so wild? Verflixt und zugenäht. An gestern Abend kann ich mich nur bruchweise erinnern. Was haben wir nur gemacht? Ich beuge mich über ihn.

„Jakob?“

„Ja, wer sind sie?“

„Ich bin Florentine.“

„Entschuldige, ich bin ein bisschen benebelt“, gibt er mir als Antwort.

„Waren wir das?“

„Was?“

Ich leuchte im Zimmer rum.

„Nein, wir waren brav. Wir wollten es tun. Ich höre Geräusche und bin dann aufgestanden. An mehr kann ich mich nicht erinnern.“

„Okay“, lass mich mal sehen“, sage ich und will ihn einen Kuss geben. Er wendet sich ab.

„Wir sollten es nicht tun?“

„Wenn du wirklich Johannes bist, küsst mich. Wenn du Jakob bist, lass es. Eine totale verrückte Geschichte.“

Dann küsst Jakob mich.

„Nutzt du das jetzt aus?“

„Nein, du sagtest wörtlich, wenn ich Johannes bin, küsse mich. Dein Wort ist mir ein Befehl.“

„Mensch, Jakob. Du glaubst doch den Blödsinn nicht, den du mir erzählst, oder?“

„Doch!“

„Aber wie kommst das, dass du bei den Eltern einmal kalt und dann wieder total anders bin.“

„Keine Ahnung! Ich glaube, wir sind ein Puzzleteil vom Ganzen.“

Ich stehe auf und helfe ihn aufzustehen. Dann geht er zum Fenster, zieht die Jalousie hoch und ein bisschen Licht von draußen fällt ins Zimmer. Schwach, aber immerhin.

„Lass uns in die Küche gehen. Weißt du wie spät es ist?“

Mein Telefon zeigt kurz nach sieben an und teile ihn das mit.

„Geh du in die Küche. Kannst du uns ein Kaffee machen, Schatz.“

Verwirrt, dass er mir einen Kosenamen gibt, begebe ich mich in die Küche. Kurze Zeit später taucht Jakob voll angezogen hinter mir auf.

„Paulus kommt gleich. Wir sollen auf ihn warten. Hier stinkt es zum Himmel. Weshalb durchsucht jemand mein Wohnzimmer? Übrigens das Licht im Wohnzimmer geht wieder. Ich glaube nicht, dass die Sicherung so rausgesprungen ist. Als ich eben kurz noch mal im Wohnzimmer war, funktionierte es einwandfrei. Wenn müsste die Sicherung ja rausspringen, falls was kaputt ist. Aber es tut es nicht. Ich nehme an, jemand hat die Sicherung für das Wohnzimmer absichtlich rausgemacht.“

„Ist Paulus schon im Büro?“

„Ja, er wollte noch was erledigen. Paulus hatte sich nur gewundert, dass du noch nicht da warst. Sarah ist ja in meinen Auftrag unterwegs.“

Es klingelt an der Tür und Jakob geht hin.

„Moin Paulus!“

„Moin Jakob! Was ist passiert?“

„Keine Ahnung. Komm erstmal in die Küche. Florentine ist auch da.“

Ich höre Schritte und dann steht Paulus vor mir.

„Guten Morgen Florentine! Wolltest du nicht heute um sechs im Büro sein.“

„Schon, aber ich habe wohl verschlafen. Ist mir noch nie vorgekommen.“

„Kann ich nur bestätigen“, teilt uns Jakob mit.

„Hat Florentine bei dir übernachtet, Jakob?“

„Ja, wir hatten zu viel Wein getrunken. Sorry, wird nicht wieder vorkommen!“, entschuldigt er sich wie ein Schuljunge und ich muss kichern. Die Situation ist nicht zum Lachen, aber der dieser Satz hätte auch Johannes gesagt. Moment, lügt mich Jakob nicht an? Das ist totaler Irrsinn. So etwas gibt es nicht.

„Florentine! Frage an dich: Hast du was mitbekommen?“

Ich schüttle den Kopf, weil ich nicht weiß, was passiert war.

„Und du Jakob?“

„Florentine und ich wollten eine nette kleine Unterhaltung führen. Dann hörte ich Geräusche und bin dann im Wohnzimmer gegangen. Ich bin dann gestolpert und war erst mal ausgeknockt. Als ich zu mir sagen, roch ich etwas Eigenartiges und was dann passierte, weiß ich nicht. Auf einmal hörte ich die Stimme von Florentine und war total verwirrt. Nach und nach kam die Erinnerung wieder, warum Florentine da war. Jedenfalls habe ich dich dann angerufen und zeitgleich den Sicherungskasten gecheckt. Die Sicherung vom Wohnzimmer war  draußen. Jedenfalls habe ich sie ausprobiert und die Sicherung funktioniert noch einwandfrei. Es ist nichts kaputt von den technischen Dingen, aber das Wohnzimmer sieht aus wie ein Schlachtfeld.“

„Lass uns das mal ansehen“, teilt Paulus mit und zu mir wendet er sich zu, „Könntest du mir auch einen Kaffee machen. Am besten Extrastark.“

„Wird gemacht Boss.“

Dann verschwinden die Beiden und ich bereite ein Tasse für Paulus vor. Kurze Zeit später kommen die beiden wieder rein. Ich gebe Paulus die Tasse. Kopfschüttelnd setzt sich hin. Jakob sieht aus den Fenster.

„Paulus, ich möchte zu gerne wissen, was sie bei mir gesucht haben.“

„Ich auch, Jakob. Hat Johannes oder du Feinde?“

„Nicht das ich wüsste“, erwidert Jakob.

Plötzlich stürmt Jakob raus. Paulus sieht mich an und fragt verdattert: „Was war das denn?“

„Woher soll ich das wissen?“

Jetzt steht Jakob wieder in der Tür und gibt Paulus was in die Hand.

„Was soll ich mit den Stick?“

„Ich glaube, das hat mit den Stick zu tun. Leider bin ich nicht dazu gekommen ihn anzusehen. Mir fiel bloß eben ein, dass mir jemand gesagt hat, ich sollte es mir mal ansehen. Irgendwie hatte ich es immer zur Seite geschoben.“

„Du weißt nicht was darauf ist?“, fragt Paulus.

„Keinen blassen Schimmer. Möglich wäre es, dass sie danach gesucht haben.“

„War er denn im Wohnzimmer?“

„Nein, im Badezimmer.“

„Im Badezimmer?“, fragt Paulus ungläubig.

„Ja, ich hatte es ins Seifenfach gepackt. Frage mich nicht warum ich es gerade darein gelegt habe. Ich denke, ich hatte so eine Ahnung. Wer packt so etwas ins Badezimmer`“

„Du“, antworten Paulus und ich lachend.

„Florentine wartet hier und wir beide fahren ins Büro“, sagt Paulus und Jakob nickt.

„Ist dir das recht?“, hakt Jakob nach.

„Alles gut! Fahrt man. Ich halte die Stellung.“

„Eye, eye Chefin“, rufen beide im Chor und salutieren. Ich muss lachen.

„Ihr habt wohl einen Clown gefrühstückt“, gebe ich lachend bekannt.

Jakob blickt zu Paulus und erwidert dann: „Du hast es erfasst!“

Danach verschwinden die Beiden und lassen mich allein zurück. Kurze Zeit später kommt die Polizei und schildere den Fall. Die Polizei möchte unbedingt noch Jakob verhören. Ich sage ihnen, dass sie im Büro finden. Zu mir äußeren sie sich, dass ich noch nicht aufräumen sollte. Hätte ich eh nicht gemacht, oder vielleicht doch. Ach egal. Ich rufe mir ein Taxi und fahre ins Büro. Jakob und Paulus diskusstieren laut.

„Florentine hat nichts damit zu tun, glaubst doch nur du, Jakob.“

„Sie hat nichts damit zu tun. Die Beweise sind eindeutig. Momo.“

„Momo doch nicht.“

„Doch deine Ex-Freundin. Das ist nicht Florentine auf den Video.“

„Es ist auch nicht Momo.“

„Bist du dir da so sicher?“

„Jein.“

„Also hast du Zweifel.“

„Ja, die Frau auf den Video ist eine Mischung zwischen den Beiden.“

„Ich lege meine Hand ins Feuer.“

„Johannes, wenn man verliebt ist, glaubt man eh nicht die Wahrheit. Du hast eine rosarote Brille auf.“

Johannes ist auch da?

„Lieber Paulus, dann muss ich die jetzt sagen, du schwebst auf Wolke Nummer sieben.“

„Blödsinn! Sarah ist nur eine Affäre.“

„Eine Affäre? Weißt sie das auch?“

„Ich habe es ihr gesagt?“

„Wer es glaubt, wird selig“, kichert Jakob.

„Okay, ich gebe es zu. Eine Affäre ist es nicht mehr. Fuck, Johannes! Diese Frau geht mir nicht aus den Kopf.“

Jetzt klopfe ich an. Paulus ruft: „Herein.“

Ich trete ein. Johannes ist nicht da. Nur Jakob und Paulus. Bestimmt hatte ich mich verhört.

„Die Polizei möchte gerne noch mit Jakob reden. Sie melden sich bei Dir.“

„Okay“, sagt er.

Anschließend gehe ich an meinen Platz und gebe meine Projekte durch. Aus den Büro von Paulus höre ich nichts mehr. Den ganzen Tag sitzen die Beiden im Zimmer. Sarah ist heute nicht da. Was muss sie so dringend für Jakob erledigen. Gegen Abend verabschieden sich Paulus und Jakob. Dann ist es ruhig. Auf einmal höre ich Geräusche. Als ich aufblicke, steht Samuel vor mir.

„Hallo Fleur!“

„Sam was willst du?“

„Hat Jakob was gefunden?“

„Was soll er denn gefunden haben?“, hake ich nach.

„Einen Stick.“

„Ich weiß nicht, wovon du redest.“

Samuel kommt mir näher und sieht mich drohend an.

„Ich weiß, dass du es weißt.“

„Was?“

„Du weißt was auf den Stick ist.“

„Samuel, du sprichst in Rätseln. Ich weiß nur, dass auf den Stick wohl ein lustiges Video drauf ist, wenn du den Stick meinst.“

Ich verrate ihn garantiert nicht, dass meine beiden Chefs sich deswegen in der Wolle hatte.

„Okay, wir sehen uns.“

Dann verschwindet er. Ich packe meine Sachen und verdufte von hier so schnell wie ich kann. Noch so einen unheimliche Begegnung muss ich nicht haben.

 

Adventskalender – Tag 13

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Tag 13

Gestern Morgen hatte mich Paulus angerufen, ich sollte mit zu meinen Eltern fahren. Jonathan wollte sich auch bei mir melden. Wir sollten in meinen Unterlagen zu Hause wühlen. Irgendein Grund musste es doch haben, dass alles letztes Jahr so passiert war. Ich frage mich schon die ganze Zeit, was ist das mit Florentine und Samuel? Paulus hatte mich überzeugt und sind in mein Zimmer gegangen. Wir fanden eine Notiz über Samuel. Paulus fing an zu Rätseln. Plötzlich hörte ich eine Stimme, die sagte, schließe deine Augen. Also schloss ich meine Augen. Florentine nahm meine Hand und ich blickte in ihre Augen. Ich konsultiere sie mit den Brief und Samuel. Florentine gab mir meine Antworten. Was soll ich tun, dachte ich nur. Ja, das werde ich jetzt machen. Sie fängt gerade an sich über die Verfolgung von mir zu empören, aber das lasse ich nicht zu und küsse sie. Als ich mich von ihr löse, sage ich so etwas bescheuertes. Wenn eine Frau wütend ist, küsse sie. Jedenfalls nahm es ein Eigenleben. Wir küssten uns als ob es ein Morgen nicht mehr geben würde. Plötzlich wurden wir von Sarah gestört. Als sie dann einen Information preisgeben will, durchkreuzt Florentine ihre Wörter. Tja und dann höre ich Paulus Stimme.

„Johannes, hörst du mich?“

Verwirrt sehe ich ihn an?

„Sorry, ich habe nicht zugehört.“

„Wo warst du bloß mit deinen Gedanken? Ich erzähle dir was und du reagierst nicht. Warum warst du eben erstaunt, als ich dich heute Morgen angerufen habe. Jonathan wollte dich auch anrufen.“

Ich sehe auf mein Handy und sehe, dass mich mein Vater mehrmals versucht hatte anzurufen. Verdammt.

„Sorry, ich hatte es vorhin nicht gehört. Ich hatte mein Handy im Auto liegen gelassen. Als du angerufen hast, hatte ich erst kurz vorher mein Telefon aus meinen fahrbaren Untersatz herausgeholt.“

„Das ist typisch Johannes, der aus dir spricht. Also, wo warst du mit deinen Gedanken?“

„Wie kommst du auf den Trichter in meinen Unterlagen zu suchen?“

„Du weichst mir aus. Ich glaube, ich kann es mir denken. Bei Tine. Also, ich habe es gesagt, weil Jonathan meinte, wir sollten deine privaten Sachen mal durch wühlen. Wie du siehst, sind wir fündig geworden. Jetzt müssen wir nur…..“

„Was? Willst du mir was unterstellen?“

„Nichts! Jetzt machst du es dir leicht. Ich will nur helfen und dir nicht ans Bein pissen. Solche Worte muss ich mir aus meine Wörterbuch im Kopf streichen lassen. Ich wollte nur verkünden, dass wir herausfinden müssen, was du schon herausbekommen hast.“

„Ach so. Okay, ich sage es dir. Ich war eben in einen Traum. Meine Stimme im Kopf sagte, schließe deine Augen und plötzlich saß Florentine vor mir. Sie hielt meine Hand und unsere Blicke trafen sich. Wir haben einige Fragen geklärt und dann habe ich sie spontan geküsst. Es fühlte sich so real an. Ich musste es tun und auf einmal tauchte Sarah auf und zerstörte meinen Traum. Dann hörte ich eine Stimme, nämlich deine.“

„Okay, lass uns runtergehen. Jedenfalls als mein Onkel mich anrief, kam mir dieser Gedanke. An was wolltest du dich mit dieser Notiz erinnern. Samuel macht alles kaputt. Florentine muss jetzt alles wissen. Was muss sie wissen?“

„Ich weiß es nicht.“

Dann gehen wir runter und auf der Treppe bleiben wir stehen. Ich sehe nach unten und sehe die beiden Frauen. Sarah kommt zu Paulus, flüstert was. Verwirrt sie er mich an und beugt sich zu mir. Seine Mitteilung muss mich grinsen lassen. Ich habe wirklich Florentine geküsst. Mein Grinsen will einfach nicht weggehen. Es heitert mich auf. Das schönste kommt noch. Mein Vater lädt die beiden auch ein. Es wird so ein toller Tag. Gegen Abend verabschieden sich die beiden Frauen. Wir  unterhalten uns noch ein bisschen mit meinen Vater. Er steht auf und kommt mit Unterlagen wieder.

„Mir ist etwas eingefallen. An den Tag, wo du verschwunden bist, warst du hier. Es ist mir total entfallen. Du hast mir das hier gegeben und gemurmelt.“

„Weißt du was?“, will Paulus wissen.

„Johannes murmelte immer wieder. Samuel zerstört alles und Florentine muss endlich erfahren, was ich über sie denke. Es muss raus.“

„Ja, das passt genau, was du mir gesagt hast. Deine Gefühle hätten sich geändert. Das Einzige was zählt, wäre Florentine. Ich habe immer vermutet, dass du in sie verknallt wärst. Du hast es nie richtig kommentiert, wenn ich die Vermutung aufgestellt hatte.“

„Paulus, was soll ich sagen. Es mir wohl an den Morgen klar geworden. Ich wollte alles in die Wege leiten. Sogar in Büro alles in richtige Wege zu leiten. Du hast dich mit Sarah schwer getan. Lüge mich jetzt nicht an. Du mochtest deine Assistenten sein den Ball.“

„Ja, du hast recht. Es hat sich viel an den Tag verändert. Ihr Lachen steckte mich an. Sie war so unbeschwert. Langsam verstehe ich dich. Du hast dich gequält, als ich den ersten Antrag um Umsetzung abgelehnt hatte. Und dann war dieser Moment auf der Weihnachtsgala. Wie ein Weihnachtszauber, der sich über mich legte. Dann habe ich immer wieder neue Vermutungen angestellt. Samuel kreuzte deinen Weg. Deswegen wolltest du ihn nicht da haben.“

„Stopp!“, rief mein Vater jetzt dazwischen und ergänzt: „Es war nicht der Grund.“

„Und was war sonst der Grund?“, wollen wir beide wissen.

„Du hast spekuliert Jakob. Sorry, ich kann mich nicht daran gewöhnen, dass du in diesen Körper steckst. Du meintest, Samuel steckt in einer Sache drin und wenn deine Vermutung richtig wäre, dann würde es böse für uns aussehen. Mehr hast du nicht gesagt. Du wolltest dann zu Paulus, aber du kamst nicht an. Wir haben dich gesucht, aber keiner wusste, was passiert war.“

„Ich auch nicht. Paulus wollen wir ein Taxi bestellen?“

„Nein, ich fahre später.“

„Okay.“

Dann verabschiedete ich mich. Zuhause fiel ich dann in einen unruhigen Traum. Die Zusammenhänge verstehe ich bis jetzt immer noch nicht.  Es ist sieben Uhr auf einen Sonntag. Ich stehe auf und stolpere über etwas. Dann kommt eine Erinnerung in den Sinn. Als ich vor einen Jahr vor Paulus Tür stand, machte Momo auf. Sie sagte, dass ihr Freund unterwegs wäre. Plötzlich hörte ich eine Stimme und die gehörte nicht Paulus. Es war… . Fuck, wen gehörte die Stimme? Ich kannte sie, aber wen gehörte sie. Nach diesen Gedanken war mir klar, ich muss Paulus was fragen. Steckt er auch damit drin. Also rufe ich Paulus an.

„Moin Johannes“, flötet Sarah in den Hörer.

„Kann ich Paulus sprechen?“

„Ja, warte. Er kommt gerade aus der Dusche. Sam es ist Johannes. Verdammt, ich darf mich vor Florentine nicht verplappern.“

Dann höre ich die Stimme von meinen Cousin.

„Ja, was gibt es. Sarah und ich wollen gleich zu ihrer Schwester.“

„Es dauert nicht lange. Wo warst du an den Tag, wo ich verschwunden bin.“

„Wieso fragst du?“

„Beantworte meine Frage.“

„Warte, ich sehe in meinen Kalender.“

Kurze Zeit später höre ich ihn wieder.

„Jetzt nicht böse sein.“

„Warum sollte ich böse sein? Hast du deswegen Momo vorgeschickt?“

„Ich verstehe nicht was du meinst. Sarah und ich waren im Harz. Sie kann es bestätigen. Wir beiden wurden eingeladen und als wir da waren, wussten sie nichts davon, dass wir eingeladen waren. Jedenfalls haben wir den Tag genutzt und hatten geplant, einen Tag später nach Hause zu fahren.“

„Was heißt geplant?“

„Dein Vater rief an und fragte, wo du steckst. Jetzt meine Frage wegen Momo. Was meinst du?“

„Ich war bei dir und Momo öffnete die Tür. Sie sagte, du wärst unterwegs. Ich höre zwei männliche Stimmen. Deine war nicht dabei.“

„Moment mal! Momo war bei mir. Sie wollte den Schlüssel in den Briefkasten schmeißen, wenn sie alle Sachen aus der Wohnung geholt hätte. Ich muss meine Schlösser austauschen. Die blöde Pute hat ihn nicht zurück gegeben.“

„Du warst nicht mehr ihr zusammen?!“, stelle ich fragend fest.

„Nein. Kurz vor der Gala beendete ich die Sache.“

„Dann stellen sich mir die Fragen, wer war in deiner Wohnung und warum war Momo da?“

„Du hast recht.“

Es klingelt an meiner Haustür.

„Wir müssen aufhören, es klingelt jemand an der Tür. Wir reden morgen im Büro.“

Dann lege ich auf und schlendere zur Tür. Ich öffne sie und sehe in ihr Gesicht.

„Können wir reden?“

„Ja, komm rein.“

Florentine geht an mir vorbei und geht in die Küche. Stimmt Sie war ja schon mal hier als ich noch mit Judith liiert war. Ich folge ihr.

„Was ist los?“

„Sag du es mir?“

„Was soll sich dir sagen?“

Dann kommt mir Florentine näher und küsst mich. Verdammt, sie spielt mit unfairen Mitteln. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Florentine löst sich von mir und blickt mir in die Augen. Ich kann ihren Blick nicht widerstehen und küsse sie. Verdammt als Jakob. Als mir das bewusst wird, löse ich mich von ihr. Jetzt sie mich Florentine mit glasigen Augen an. Was habe ich getan?

„Glaubst du an Märchen und Weihnachtswunder?“

„Sind Weihnachtswunder denn keine Märchen?“

„Doch schon, aber die Geschichte hier, ist zum Scheitern verurteilt.“

„Erkläre es mir?“

„Kann ich nicht.“

„Okay, dann helfe ich nach?“

„Was hast du vor?“

Sie holt Wein aus Schrank.

„So, wenn wir drei Flaschen austrinken, verrätst du es mir.“

„Das schaffst du nicht.“

„Ich habe trainiert.“

„Okay, die Wette gilt.“

Wir trinken den Wein. Es wird lustig. Zwischendurch essen wir etwas. Ich versuche in besoffenen Zustand ihr die Lage zu erklären. Was nicht ganz einfach ist, wenn man sich ständig küsst. Irgendwann meint sie, wir sollten ins andere Zimmer verschwinden. Da wird mir klar, diesen Schritt kann ich nicht tun, wenn wir beide betrunken sind und ich nicht wieder ich bin. Jedenfalls überrede ich sie einen Film anzusehen. Mein Glück konnte nicht größer werden. Ein Liebesfilm passte jetzt gerade nicht in mein Konzept. Kurze Zeit später schlief sie ein. Ich sah mir den Film zu Ende ein. Kann es sein, dass wir durch Portale geschleudert werden und durch solche Portale auch zurück kommen könnte. Wäre auch eine Idee. Dann küsse ich sie. Florentine wacht auf. Ich frage sie, wollen wir durchs Portal gehen? Sie nickt und nimmt mich mit. Als wir im Schlafzimmer sind, wirft sie uns auf Bett. Wir küssen uns und dann dreht sich alles um mich herum. Die Küsse ziehen mir die Socken aus. Wir wollen nur noch eines tun. Aber plötzlich höre ich ein Geräusch und ich stehe auf.

„Ich komme gleich wieder. Nur nicht weglaufen.“

Dann gehe ich ins Wohnzimmer und stolpere über etwas. Ich merke noch wie ich stürze und plötzlich wird alles schwarz.

Adventskalender – Tag 12

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Tag 12

Heute bin ich zuhause. Es ist Wochenende. Ich wühle in meiner Tasche und finde den Brief. Ich habe mich schon zwei Tage davor gedrückt, ihn zu lesen. Gestern war ich so verwirrt als er mir die Frage stellte. Es war ein spontane Idee von mir gewesen ohne Sarah hinzufahren. Ich wollte sehen, wie er reagiert. Als ich gestern ankam, fragte mich Johannes gleich als erstes, ob ich den Brief erhalten hätte. Warum fragte er genau jetzt danach? Woher wusste Johannes, dass ich den Brief erhalten hatte? Hat er ihn mir schon vor einen Jahr gegeben und ich habe ihn unterbuttert? Weshalb findet Sarah ihn plötzlich? Ein Jahr lang hatte ich dieses Projekt am Wickel und da war kein Brief. Es ist alles sehr mysteriös.  Auf einmal tauchen und verschwinden Sachen. Ich habe das Gefühl in bin im Film Weihnachtswunder, wo immer wieder Überraschungen kommen. Wie oft habe ich Filme gesehen, wo Wunder zu Weihnachten passierten. Ich glaube, wenn jemand wüsste, dass ich es ein Jahr lang gemacht habe, würden sie mich als verrückt abstempeln. Wer sieht schon Weihnachtsfilme im Sommer an? Gibt es wirklich solche Wunder im wirklichen Leben oder nur im Film? Seit den Kuss vor zwei Jahren wünschte ich mir ein Weihnachtswunder. Es gab ein Problem und das hieß Judith. Letztes Jahr hatte ich sie nicht gesehen. Johannes hatte sogar den Weihnachtsgala ausgelassen und meine Freundin Sarah ist an seiner Stelle mitgegangen. Ich frage mich schon, was ist passiert, dass Sarah plötzlich eine andere Meinung von Paulus hatte. In der Firma war er auch sehr distanziert zu ihr, aber seit kurzen nicht mehr. Sie wirkten vertraut. Johannes war ja nach den Kuss auch sehr distanziert zu mir. Hatte er doch mehr Gefühle für mich, wie er vor einen Jahr zugab? Hatte er mich angelogen? Waren mehr Gefühle im Spiel als wie es schien?  Der Kuss von gestern sagte etwas anderes. Wie soll ich damit umgehen? Soll es wirklich wahr sein? Ich fasse es immer noch nicht, was gestern passiert war. Johannes küsste mich so, als ob er sich so sehr danach gesehnt hätte. Jetzt habe ich echt das Problem? Samuel war nie in die engere Wahl gekommen. Er hatte mich umworben. Ich war in Johannes verliebt, dann war er plötzlich weg und Jakob tauchte auf. Als er ins Büro trat, hatte ich das Gefühl, mein Seelenverwandter wäre gerade ins Zimmer getreten. Ich fühle das Gleiche wie ich für Johannes empfand. Verdammt, ich bin in einer Zwickmühle. Nach den Kuss war alles wieder so präsent. Ich dachte nicht an Jakob und wollte, dass der Traum nie aufhörte. Dann tauchte auf einmal Johannes Mutter auf und die Seifenblase meines Traumes zerplatzte. Kann es sein, dass ich zwei Männer liebe? Meine Gefühlswelt gerät ganz schön ins Wanken. Als ich den beiden Herren in die Augen sah, stellte ich fest, dass Jakob plötzlich die Augen von Johannes hatte, dir mir vorher bei Johannes auffielen. Als Jakob in den Raum trat, war etwas merkwürdig.  Fühle ich doch das Gleiche für ihn, was ich für Johannes empfinde? Spielt mein Gehirn Monopoly, wer gewinnt bekommt den Zuschlag? Oder Spiel des Lebens? Wo man an der Kirche plötzlich jemanden WILDFREMDES heiratet? Davor hatte es nie eine Begegnung mit einen  Partner stattgefunden.  Ein bisschen wie in der Hochzeitshow. Man kennt sich nicht, sondern heiratet jemanden, den man vorher noch nie gesehen hat. Ob das gut geht? Entweder schreibt man im Spiel eine Begegnung rein oder man lässt sich scheiden? Na gut, dann wäre der Schluss im Spiel auch blöd. Einsam im Haus zu leben. Irgendwie ist das Spiel auf die heile Welt ausgerichtet. Ich glaube, darüber hat sich nie einer Gedanken gemacht. Immer wenn wir es spielten, sagte ich, muss ich mit einen Partner zusammen leben, den ich gar nicht kenne? Jedes Mal erklärten mir meine Eltern, es ist nur ein Spiel. Mit Liebe spielt man nicht, oder doch? Verdammt! Gestern Nacht hat mein Kopfkino angefangen zu spinnen. War noch bis vor einen Tag Jakob die Hauptfigur in meinen Kopf, gesellt sich jetzt Johannes wieder dazu. Einmal liegt Jakob neben mir und in nächsten Moment Johannes. Als ob sie eine Person sind. Wie kann ich eine Entscheidung treffen, wenn ich für beide Männer Gefühle habe. Ob der Brief den ich der Hand halte, Licht in mein Gefühlschaos bringt. Vielleicht lebt Johannes auch in einer anderen Welt. Vielleicht denkt er, ich bin Judith. Oh shit, dann ist das alles ein Irrtum? Ich verrenne mich in etwas. Gestern nachdem ich bei Johannes war, traf ich Samuel. Der Hornochse verriet mir etwas. Eher er machte mir ein Geständnis. Ich fiel vom Glauben ab. Soll ich es Jakob oder Paulus verraten? Vertrauen sie mir dann noch etwas an? Denken sie womöglich wir haben gemeinsame Sache gemacht? Ich war ganz schön sauer und schrie ihn an. Dann spürte ich, dass mich jemand beobachtete. Als ich mich umdrehte, sah ich Jakob. Er war mir gefolgt. Also, hatte er kein Vertrauen zu mir. Typisch. Ich habe alles vergeigt. Die Vertrauensbasis ist von beiden Parteien gestört. Hat es mit unseren Gefühlen zu tun? Ist Jakob mir nur gefolgt, weil er dachte, ich würde Samuel lieben? Nahm er das an? Wenn ich recht bedenke, würde ich es auch annehmen. So oft wie er in letzter Zeit kommt. Jedenfalls fühle ich mich von Samuel benutzt, um seine  Ziele zu erreichen. Er rief mich den ganzen Tag an, aber ich drückte ihn weg. Meine Gedanken kreisten nur um Jakob und Johannes. Was erwartet  mich im Brief? Ich glaube ich lese ihn erstmal. Dann öffne ich den Umschlag und die Wörter tanzen. Verdammt, bin ich verrückt. Ich brauche mehrere Anläufe, um es genau zu entziffern. Ich überfliege die Zeilen.

Liebe Florentine,

bitte verzeihe mir. Ich möchte dir das letzte Jahr gerne erklären. Entschuldige, ich habe so etwas noch nie gemacht. Ich muss es einfach tun. Du erinnerst dich bestimmt noch an unseren ersten Kuss. Oder auch nicht? Dann war es wohl ein grottenschlechter Kuss. Ich kann mich ganz gut erinnern. Seit du in unseren Unternehmen bist, schwirren meine Gedanken nur noch um Dich.

Verdammt, Johannes denkt, er ist ein schlechter Küsser. Hat mich gestern deshalb so geküsst? Es sind nur ein paar Zeilen, die mich zum Nachdenken bringt. Warum denkt er das? Klar kann ich mich an den Kuss erinnern und gehe zu dieser einen Kuss- Situation. Ich sagte zum meinen Kopf, dass darfst du nicht. Er ist liiert, aber mein Bauch entschied was anderes. Ich ließ es geschehen. So weg mit den Gedanken und weiterlesen.

Ich wollte Judith nicht verletzen. Aber dann kam der Abend, wo sie mich mit Samuel betrogen hat. Ich war stinksauer und wollte sie nie wiedersehen. Aber weil du einen Freund hattest, dachte ich mir, es wäre das Beste, wenn ich mit Judith die Fassade aufrecht erhalte. Ich wollte mich schützen und sie bewusst von der Gala ausgeladen, weil ich wusste, wie sie tickte. Mir war es recht, dass du mit mir den Ball besuchen solltest und wolltest. Besser konnte es nicht laufen. Ich konnte Zeit mit dir verbringen ohne dass jemand auf falsche Gedanken kam. Du hattest einen Freund und du dachtest, ich hätte eine Verlobte.

Nach super! Ich mache mir einen Kopf, weil er eine Verlobte hatte, die gar nicht mehr sein Leben bestimmte und er, weil ich einen Freund hatte. Tja, wir hätten eindeutig vorher reden müssen. Also, lese ich weiter.

Es war eben eine Distanz da. Leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass dann der Abend so eine Wendung nehmen sollte. Ich brachte dich nach Hause und als wir uns gegenüber standen, war es vorbei mit meinen Vorsätzen. Dein Vanilleduft, den ich jeden Tag an dir rieche, setzte meinen Verstand aus. Ich musste dich einfach küssen. Verwirrt gingst du einen Schritt zurück und hast mich irritiert angestarrt. Dann entschuldigte ich mich bei dir und es gegenüber deinen Freund nicht fair wäre. Und dann teilst du mir mit, dass du gar keinen Freund hast.

Besser geht es nicht. Ich sage es ihn und Johannes nahm in den Moment auch noch das Telefon ab. Als ob es ihn recht wäre, gestört zu werden. Ich hoffe, es kommt jetzt die Erklärung, warum Johannes das Telefon entgegen nahm. Für mich war es unhöflich und lief ins Haus. Ich wollte nicht sein Liebesgeflüster mit anhören.

Ich wollte dir die Situation erklären und in dem Moment klingelte mein Handy. Verdammt, immer im falschen Moment und ich ging dran. Dabei wendete ich mich von dir ab. Judith war dran. Ich würgte sie ab und drehte mich wieder zu dir um. Du warst nicht mehr da.

Ich hätte auf seine Erklärung warten müssen. Verdammt, warum dachte ich etwas anderes?

Am nächsten Tag kam Judith ins Büro und tat so, als ob sie noch meine Verlobter wäre. Ich dachte nur, es kann doch nicht sein. Deine traurigen Augen sagten alles. Am liebsten hätte ich dich in den Arm genommen. Daran hat mich aber der Pakt mit Paulus gehindert. Wie gerne hätte ich dir die Wahrheit gesagt. Ein Jahr habe ich uns beide gequält. Ich bin so ein Sturkopf. Vielleicht habe ich mir auch die Gefühle nur zu dir eingebildet, aber jetzt muss es raus. Ich liebe dich schon lange, aber jetzt gebe ich es zu, weil ich einen Plan habe. Den kann ich nur umsetzen, wenn du mir vertraust. Paulus habe ich bereits darüber in Kenntnis gesetzt. Ich hoffe, Sarah und du spielt mit. Jedenfalls hoffe ich, dass ich mich nicht geirrt habe und du die gleichen Gefühle für mich hegst. Wenn nicht, dann vergisst diesen albernen Brief. Wirf ihn weg. Ich werde dann aus deinen Leben verschwinden. Florentine, wenn du mich auch liebst, werde ich an Weihnachten unsere Beziehung bekannt geben. Gib mir nur ein Zeichen, dann können wir in ein Neues Leben starten.

Dein Johannes

Verstehe ich das richtig? Johannes wollte mit mir darüber reden. Ich war traurig, weil ich mir was eingebildet hatte, was nicht durfte. Ja, ich kannte den Pakt. Hat Jakob deshalb den Pakt mit Paulus geändert? Liebt Paulus etwas Sarah? Es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Die beiden sind ein Liebespaar. Deswegen sind sie plötzlich so vertraut. Johannes und ich! Können wir auch ein Paar werden. Meinte er im Brief, dass er letztes Jahr den Plan hatte uns umzusetzen? Hatte er deswegen die Weihnachtsgala geschwänzt, damit Sarah mit konnte. Hat Johannes wirklich geschrieben, dass er Weihnachten öffentlich zu mir bekennt? Ich lese noch mal die letzten Zeilen. Ja, er wollte es tun. Und noch was. Johannes hat es sich nicht eingebildet, was wir für einander fühlten. Meine Gefühle waren genauso echt wie seine zu mir. Warum sage ich, fühlten? Bin jetzt so in Zweifel, dass ich meine Gefühle nicht mehr gerade auslaufen? Ich muss mir die Frage jetzt stellen? Wen liebe ich Johannes oder Jakob? Kann ich Johannes sein Verhalten verzeihen? Ist die Liebe so groß zu ihn oder wähle ich Jakob? Verdammt meine Gefühlswelt trägt einen neuen Namen? Liebeschaos pur! Ich muss kichern. Wenn Johannes mich wirklich liebt, warum war er wieder wie Eis nach dem Kuss? Durch das Telefonklingeln werde ich wieder in die Realität geschleudert. Ich nehme an und Sarah ist dran.

„Moin“, sagt sie.

„Guten Morgen! Wann wolltest du mir das mit Paulus verraten?“

„Häh? Woher weißt du?“

„Ich habe meine Quellen“

„Gegenfrage, was ist mit Samuel? Hast du dich mit ihn getröstet als Johannes weg war? Oder läuft da was zwischen Jakob und dir?“

„Mit Samuel war nie was! Er hat mir gestern was verraten, aber das muss ich erst verdauen. Ich werde es dir erzählen, wenn ich genau weiß, was er meinte. Jedenfalls habe ihn gestern eine neue Abfuhr gegeben. Jakob erinnert mich an Johannes, aber er ist nicht Johannes. Ich weiß gar nicht, ob ich Johannes noch liebe. Verdammt es ist kompliziert.“

„Wie noch liebe? Ich dachte…“

„Was dachtest du?“

„Du hasst ihn. Von Liebe war nie die Gerede. Moment mal. Nach der Weihnachtsgalavor zwei Jahren warst du erst so happy und erzähltest mir, dass ihr Euch geküsst habt. Die Ernüchterung folgte ja prompt. Judith tauchte auf. Sag mal, ehrlich, hast du trotzdem noch Gefühle für ihn gehabt, so wie er dich behandelt hatte?“

„Ich muss zu geben ja. Nach den Kuss konnte es doch keine Lüge gewesen sein, was ich vorher schon gespürt hatte. Es war als ob wir angekommen wären, wo wir sein sollten. Du hast recht, Judith warf mich aus der Bahn, aber immer wenn ich in Johannes Augen sah, war da etwas Mitfühlendes und Aufrichtiges drin. Judith war seit dem Tag nur noch selten da. Früher war sie jeden Tag da.“

„So, so. Hast du mich ein Jahr belogen!?, stellt sie fest.

„Nicht direkt, eher Selbstschutz wenn ich mich getäuscht hätte.“

„Hast du?“

„Jein.“

„Was ist das für eine Aussage?“

„Also, ich habe mir vorgemacht, dass ich mich in ihn getäuscht hätte. Das wäre nichts. Ich versuchte es nach seinen Verschwinden. Aber jetzt stellt sich alles auf den Kopf. Habe ich ihn damals wirklich geliebt oder habe ich es mir alles  eingebildet? Jetzt noch der Brief und Jakob? Meine Gefühle fahren zurzeit ….“, stocke ich, weil mir bewusst wird, ich habe meine Verliebtheit zu Jakob geoutet. Verdammt.

„Was meinst du? Liebst du etwa Jakob?“

„Das wollte ich nicht sagen. Meine Gefühlswelt fährt momentan ganz schön Achterbahn. Bei Jakob habe ich die gleiche Gefühlsregung wie ich sie zu Johannes mal hatte. Johannes ist verändert, aber der Kuss gestern ließ alles wieder ….“

„Wie du hast Jakob geküsst?“

„Nein, Johannes. Meine Emotionen waren außer Rand und Band. Seit dem Brief ist bei mir das reinste Chaos?“

„Du meinst, den Brief, den ich dir geben hatte. Was stand drin? Oder hast du einen von Jakob bekommen?“

Gute Frage, war der Brief von Johannes oder von Jakob. Vielleicht will Jakob mich wieder mit Johannes zusammen bringen und weiß viel über mich, weil Johannes viel von mir preisgegeben hat? Oder ist der Brief wirklich von ihn und er war verschollen? Verflixt und zugenäht. Ist das ein Spiel? Wie im Spiel des Lebens? Man kennt seinen Partner nicht wirklich? Oh! Mann!

„Bist du noch dran?“

„Der Brief wurde mit Johannes unterschrieben. Warte mal!“

Ich krame eine Notiz von Jakob heraus. Okay, die Schrift ist es nicht, aber manche Buchstaben, könnten doch von ihn sein. Stimmt, Sarah ist noch dran.  Also gehe ich wieder zum Telefon.

„Ganz ehrlich, ich weiß es nicht.“

„Okay, lass uns zu Johannes hinfahren. Es war unser Plan.“

„Und Paulus?“

„Keine Ahnung, er wollte erst kommen und hat dann abgesagt. Er sagte, wir würden uns erst am Montag wieder sehen. Erreichen kann ich ihn nicht. Ich will jetzt nichts Fehlinterpretieren. Du verstehst was ich meine, oder? Ablenkung ist die beste Möglichkeit. Also, wollen wir zu Johannes? Es wäre eine Möglichkeit etwas zu klären. Findest du nicht auch?“

„Ja, du hast recht.“

Eine Stunde später steht Sarah vor der Tür. Wir fahren zu Johannes Eltern. Granny macht auf. Die Oma von Johannes sagt, ich sollte alleine gehen. Sarah und sie hätten noch ein Gespräch. Also, gehe ich in den Wintergarten. Johannes sitzt da und schaut aus den Fenster. Er dreht sich nicht mal um. Worauf starrt er denn? Gestern war er genauso. Also, setzte ich mich neben ihn. Johannes sieht mich. Wo sind die Augen von gestern? So strahlend, wie er mich gesehen hat. Ich nehme meine Hand und flüstere: „Johannes, wir müssen reden?“

Plötzlich durchfährt ein Blitz zwischen uns.

„Oh, Florentine. Schön, dass du wieder da bist. Hast du meinen Brief gelesen? Ich wollte es dir schon so lange erklären, aber irgendwie stand ich zwischen zwei Stühlen. Wir verstanden uns gut. Es war eine tolle Freundschaft. Ich denke, ich habe alles zerstört“, teilt er mir traurig mit.

„Johannes, darf ich dir eine Frage stellen?“

„Ja?“

„Du hast geschrieben, als du mich das erste Mal gesehen hattest, warst du hin und weg. Stimmt das?“

„Ja! Erst dachte ich nur, Wow eine toller Kumpel. Aber es war mehr. Jede Nacht träumte ich von dir und Judith hat immer meine Träume zu Nichte gemacht. Ich und eine blöde Tippse, würde nie gut gehen.“

„Wie jetzt? Hat sie das zu dir gesagt?“

„Nein, nur im Traum. Ich will jetzt ehrlich zu dir sein. Früher habe ich dich und mich belogen. Immer wenn ich dich sah, fühlte ich mich besser. Ich wollte mir die Gefühle, die ich immer noch für dich empfinde, nicht eingestehen. Letztes Jahr wollte ich alles auf die Karte setzen. Aber es wurde verhindert. Ich spreche es jetzt laut aus.“

„Was willst laut herausposaunen?“

„Ich liebe dich ,seit dem ersten Moment, als sich unsere ersten Blicke trafen. Am besten nennst du mich Volltrottel vom Dienst.“

„Du liebst mich?“

„Ja, na klar. Liebst du mich auch?“

„Keine Ahnung. Ich dachte, ich liebe dich…“

„Oh, hast du einen Freund?“

„Nein.“

„Liebst du Samuel? Hast du ihn deswegen im Café angeschrien, weil er deine Liebe nicht erwidert hat?“

„Woher weißt du davon?“

„Von Jakob. Er sollte auf dich aufpassen, damit du dich nicht in etwas verrennst.“

„Du schickst mir jemanden….“

Den Satz kann ich nicht beenden, weil seine Lippen auf meinen Lieben.

„Eine wütende Frau soll man küssen, sagt mein Vater immer.“

Ich muss grinsen. Dann küssen wir uns erneut bis Sarah reinkommt.

„So, so! Du hast keine Gefühle für …“

Den Satz muss ich jetzt unterbrechen und löse mich von Johannes.

„Weißt du, ich versuche gerade das herauszufinden, wenn du verstehst.“

Danach will ich Johannes küssen und er ist plötzlich total kalt.

„Wir können gehen“, sage ich und stehe auf. Wende mich wieder zu Johannes und er starrt wieder aus den Fenster. Sarah nimmt mich an die Hand und murmelt, „Verrückte Welt.“ Dann kommt Jakob mit Paulus die Treppe runter. Guter Witz. Als sie uns sehen, erstarren sie. Jonathan kommt dazu.

„Habt ihr was gefunden, was Euch weiter helfen kann?“

Dann blickt er in unsere Richtung.

„OH, wir haben noch mehr Besuch. Wollt ihr mit uns brunchen? Paulus und Jakob hatte ich heute Morgen angerufen. Sie mussten Unterlagen von Johannes prüfen und habe sie auch spontan zum Brunchen eingeladen.“

Sarah nickt und geht zu Paulus rüber. Sie flüstert ihn was ins Ohr und er sieht seine Freundin irritiert an. Ist sie das überhaupt, stelle ich mir gerade die Frage. Oder ist nur eine kurze Phase. Ach Egal, aber der Gesichtsausdruck von Paulus gibt mir denken auf. Jakob sieht Paulus an. Dann beugt Paulus zu und teilt ihn leise etwas mit. Jetzt sieht Jakob mich an und grinst. Dann wendet er sich wieder zu Paulus und sagt etwas. Er nickt. Jetzt folgen wir Jonathan. Als wir im Esszimmer ankommen, setzen wir uns. Jakob grinst immer noch. Also doch, er hilft Johannes. Ich habe mich eindeutig verrannt. Gegen achtzehn Uhr muss ich feststellen, dass wir von Brunch über Kaffeetafel zum Abendessen gelangt sind. Es war richtig amüsant. Jakob sah mich die ganze Zeit an, als ob er mich was fragen wollte. Nach dem Abendessen verabschieden wir uns von allen.

Adventskalender – Tag 11

24 Tage

bis

zur Entscheidung

Tag 11

Auf den Weg zum Büro, lasse ich den gestrigen Tag Revue passieren lassen. Gestern hatte ich Florentine nicht mehr gesehen. Ich hoffe, sie hat den Brief gelesen. Ganz sicher bin ich mir nicht. Also was ist passiert? Paulus rief mich gestern Morgen an und meinte, wir sollten Samuel die Augen öffnen. Vielleicht wenn er Johannes sieht, wird er einknicken. Das Problem ist, das dort Jackolus drinsteckt und in Jackolus Jakob. Ganz schön verwirrend. Wie soll ich Florentine erklären, dass ich vor ihr stehe und anders aussehe. Verdammt! Komplizierter kann es nicht werden. Gesagt, getan. Jedenfalls verabredeten Paulus und ich uns im Büro, um nach Samuel zu fahren. Sarah sollte ihr meinen Brief geben und wir wollten es mit unseren Cousin klären. Aber meistens kommt es anders, wie geplant. Das Samuel gestern im Büro auftauchte, war eher Zufall. Als ich ihn mit Florentine sah, platze mir die Hutschnur. Jedenfalls dachte ich mir dann, nimm die Gelegenheit und pack sie am Schopfe. Mein Plan reifte. Paulus sollte im Büro bleiben und Sarah sollte mit mir mitkommen, um Samuel zu nerven. Die beiden konnten sich noch nie riechen. Jetzt bin ich froh, dass Paulus entschieden hat, mit uns zu kommen. Ich wäre ich unseren Cousin an die Gurgel gegangen. So wie die ganze Fahrt von Florentine geschwärmt hat. Auf den Boden der Sachen holten wir ihn dann, als er mich sah. Ich bin froh, das Jackolus ihn nur ansah und eine kleinen Moment hatte ich das Gefühl, ich würde ihn durch meine Augen sehen. Total Quatsch, man kann doch nicht von einen Körper zum anderen Körper springen. Jedenfalls bekam Samuel einen Schock als er mich sah. Dann blicke er zu uns rüber. Es ist für Paulus genauso verwirrend gewesen wie für alle im Raum. Zu wissen, dass meine Seele in diesen Körper steckt und Jackolus in meinen Körper. Samuel war platt und haute ab. Paulus lief hinterher. Sarah redete mit meinen Vater im Nebenraum. Ich setzte mich zu Jackolus.

Plötzlich flüsterte er zu mir: „Du bist auf den richtigen Weg.“

Im ersten Moment dachte ich, ich hätte es geträumt. Jackolus sah, dass ich wohl irritiert war.

„Nur du kannst mich in deinen Gedanken hören. Iva hat mir gesagt, es wäre der richtige Weg, wenn man mit etwas konfrontiert wird, was nicht sein kann. Wie du gemerkt hast, hattest du zwischenzeitlich einen anderen Blickwinkel. Du hast durch deine Augen Samuel gesehen und ich die Situation aus Jakobs Augen. Eine interessante Perspektive. Wie es scheint, sind wir mehr verbunden, wie du denkst.“

„Das heißt?“

„Wir können wohl die Plätze tauschen und unsere Gedanken verbinden sich. Ich bin nie aus der anderen Welt heraus gekommen. Es ist eine neue Erfahrung. Iva hatte die Erfahrung gemacht.“

„Okay.“

Sarah kommt rein.

„Paulus hat angerufen. Er hat Samuel verloren. Wir treffen uns bei ihn zuhause. Ins Büro sollten wir nicht. Dein Vater geht hin. Ist das gruselig. Dein Körper sitzt da und ich rede mit dir im anderen Körper. Die Vorstellung ist irre. Wen ich mir vorstelle, Florentine und ich würden das durch machen. Ich glaube, ihr würdet uns für verrückt erklären.“

„Da hast du recht.“

Wir verabschieden uns und fahren zu Paulus. Den ganzen Tag haben wir überlegt, wie was hinbekommen. Sarah wird heute mit Florentine zu mir nach Hause fahren. Ich werde im Hintergrund sein. Sie wird nicht wissen, dass ich sie beobachte. Jetzt bin ich angekommen und gehe ins Büro. Sarah sitzt da, aber Florentine ist nicht da.

„Guten Morgen, Sarah!“

„Guten Morgen, Jo… Jakob. Ich weiß gar nicht, wie ich dich ansprechen soll.“

„Sage einfach Jakob zu mir. Es ist einfacher, wenn du ihn später wieder begegnest.“

„Ja, das stimmt. Ich glaube nicht, dass ich ihn später begegnen werde. Aber man weiß ja nie.“

„Genau! Wo ist Florentine? Wolltet ihr heute morgen nicht gleich zu …“.

Sie unterbricht mich.

„Jip, aber sie hat angerufen, dass sie später kommt. Irgendwas ist mit ihren Bruder.“

„Florentine hat einen Bruder?!“

Sarah nickt.

„Wie heißt er?“

„Nicht lachen!

„Ehrenwort!“, schwöre ich.

„Hannibal Noah.“

Ich musst jetzt doch schmunzeln. Noch jemand der einen Namen aus den Buch der Bücher trägt. War er nicht der Typ, der die Welt rettete?

„Warum grinst du jetzt?“

„Merkwürdig.“

„Was meinst du?“

„Fällt dir nicht etwas auf?“

„Was soll mir auffallen?“

„Jakob, Johannes, Paulus, Samuel und Noah? Die sind alle in einen Buch vereint, eher sie sind alle in einen Buch verewigt.“

„Stimmt. Meinst du es hat damit was zu tun?“

„Keine Ahnung. So gläubig bin ich nicht.“

„Wer ist nicht gläubig?“, fragt eine Stimme im Hintergrund. Wir drehen uns um und sehen Florentine im Türrahmen stehen.

„Ich“, antworte ich ihr.

„In welchen Zusammenhang, wenn ich fragen darf?“

„Es gibt ein Buch.“

„Ja, es gibt viele Bücher!“

„Ein Buch, wo Jakob, Johannes, Paulus, Samuel und Noah in irgendeiner Geschichte mitspielen.“

Florentine überlegt. Sie blickt dann erst zu Sarah und dann zu mir.“

„Ja, ich kenne das Buch. Aber worauf beziehst du es?“

„Ich glaube, Paulus, Samuel und Johannes haben diese Namen bekommen, weil ihre Eltern christlich sind und immer schön in die Kirche gehen.“

„Da könnte was dran sein“, erwidert Florentine und ergänzt, „mein Bruder wurde auch danach genannt. Eigentlich sollte er Noel heißen, aber dann entschieden meinen Eltern sich für Noah. Irgendwie beißen sich seine Vornamen. Hannibal Noah ist eine ausgewöhnliche Kombination. Wird Jakob in den Buch nicht auch erwähnt?“

„Sage ich doch. Wie siehst du das Sarah?“, frage ich jetzt sie. Sarah hatte eben das ganze Wortgefecht mit bekommen.

„Ja, dass stimmt. Wollen wir los, Florentine?“

„Sarah, können wir es morgen machen? Ich bin heute noch mit Samuel verabredet. Er meinte…. . Ach nichts.“

„Was ist seine Meinung?“, fragen wir gleichzeitig Florentine.

„Samuel will mir was gestehen? Fuck, ich hoffe nicht, dass er sagt, ich liebe dich. Den Typ würde ich nicht mal mit Kneifzange anrühren.“

„Würdest du nicht?“, will ich von ihr wissen.

„Er ist nett und ich mag ihn, aber als Mann ist er nicht mein Kaliber.“

Zwei Stunden später fahre ich nach Johannes. Okay, nach Jackolus. Ich falle ins mein altes Ich. Mein Vater sagt mir, dass Jackolus unruhig ist. Für ihn ist es Chaos pur. Er sieht mich, aber er weiß, ich bin es nicht. Wir unterhalten uns. Plötzlich sagt meine Mutter aus den Flur: „Florentine, schön sie wieder zu sehen. Wollen sie zu Johannes?“

„Ja, gerne. Wo ist er?“

„Im Wintergarten, folgen sie mir.“

Mein Vater sagt: „Geh zu Tür und sehe was passiert. Ich gehe kurz in die Küche.“

Ich stehe auf und bleibe an der Durchgangstür stehen. Aber so, dass sie mich nicht sehen kann. Wie gerne würde ich sie küssen, aber ich kann nicht. Jackolus darf sie nicht küssen. Okay, sie weiß es ja nicht.

„Mensch Johannes“, sagt sie.

Dann nimmt Florentine ihn in im Arm und ich spüre ihre Nähe. Plötzlich blicke ich ihr in die Augen uns sage: „Tine, du bist gekommen. Hast du den Brief bekommen und gelesen?“

„Johannes, was ist passiert?“

„Das weiß ich nicht, Du hast meine Frage nicht beantwortet.“

„Johannes, ich war irritiert als Sarah mir gestern den Brief gegeben hatte. Er lag wohl zwischen irgendeiner Akte. Und zu deiner Frage. Ich bin noch nicht dazu gekommen. Was steht drin?“

Ich beuge mich zu ihr und mein Körper hat einen Plan. Sie kommt mir mit ihren Gesicht näher bis sich unsere Lippen berühren. Wie habe ich es vermisst. Ich war ein Volltrottel. Auf einmal erscheint meine Mutter im Raum und lösen uns.

„Johannes, warum hast du nie was gesagt, dass Florentine dein Herz gestohlen hat. Du warst erst wütend auf Samuel und Judith. Plötzlich warst du total anders. Als ich dich fragte, was los ist sagtest du nur, dir wurde dein Herz gebrochen und brichst gerade das andere Herz auch. War es Florentine?“

Plötzlich bin ich nur noch Zuschauer. Mein Vater grinst und lenkt mich in die Richtung.

„Oh, Florentine. Du bist hier? Wo ist Sarah? Hattest du nicht gesagt, du hättest heute keine Zeit?“, frage ich sie.

„Jakob, es geht dich nichts an. Ich wollte alleine rausfinden, ob Johannes mich erkennt. Was hast du mitbekommen?“

Eine ganze Menge, aber wie soll ich ihr das sagen. Also erwidere ich: „Nur was die Mutter von Johannes gesagt hat. Ist es wahr?“

„Nein, wir sind nur gute Freunde. Mehr nicht. Der Kuss hat nichts zu bedeuten“, lügt sie. Ich weiß, dass ihr der Kuss sehr viel bedeutet hat. Wen will sie betrügen? Sich selber? Ich habe es doch gespürt. Jackolus zwinkert mir zu. Fuck, er hat es gewusst und hat die Plätze getauscht. Dann blickt er uns beide an.

„Johannes, was ist passiert?“, fragt sie erneuert.

Jackolus sieht mich fragend an und ich hebe die Schultern. Dann blickt sie mich an.

„Was ist das für ein krankes Spiel ist das zwischen Euch?“

„Sag mal, tickst du nicht ganz richtig?“

Meine Eltern amüsieren sich und genießen das Schauspiel. Sie sagen nichts dazu. Jackolus grinst und ich bin Erklärungsnot. Florentine kommt auf mich zu und blickt mir in die Augen. Dann wendet sie ab und geht zu Jackolus. Sie sieht in die Augen.

„Merkwürdig!?“, äußert sie sich.

„Was meinst du?“, will ich wissen.

„Ich hätte schwören können, dass deine Augen eben da waren. Wer bist du?“

„Florentine, ich darf es dir nicht sagen. Du musst es selbst herausfinden?“

„Was muss ich erkunden? Das ihr mit mir eine Spaß erlaubt? Johannes und Du?“

„Wir spielen nicht mit dir. Nur es ist sehr kompliziert. Wie im Buch Jackolus und Piet.“

„Du kennst das Buch?“

„Nicht direkt?“

„Willst du es lesen?“

„Hast du es denn, Florentine?“

Sie wühlt in ihrer Handtasche und gibt es mir.

„Oh, danke. Es ist eine Sonderausgabe. Wo hast du sie her?“

„Ich habe sie irgendwann in der Post gehabt“, gibt sie als Antwort.

Dann schlage ich spontan eine Seite auf, die mir einen Hinweis gibt, was passiert ist. Verdammt, Samuel hat was damit zu tun. Er hat meine ….. . Darüber darf ich nicht nachdenken und Jakob hat mich gefunden. Aber wie konnte es sein, dass Jackolus in meine Rolle schlüpfte, ich in Jakobs und Jakob in Jackolus. Das Geheimnis muss ich noch rausfinden.

Florentine geht und ich folge ihr in gebührende Abstand. In einen Kaffee setzt sie sich und Samuel kommt. Die beiden reden einen Moment. Plötzlich springt sie auf, knallt ihn eine und rennt weg. Was ist bloß passiert? Warum rennt sie weg. Ich gehe nach Hause und diese ganze Situation des ganzen Tag begleitet mich den Rest des Tages.

Adventskalender Tag 10

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Gestern Abend war ganz schön verrückt. Ich hatte Jakob gefragt, ob wir einen Trinken gehen würden. Spontan hat er zugesagt. Jetzt muss ich erstmal den gestrigen Abend Revue passieren lassen. Wegen den, was passiert, konnte ich nicht richtig schlafen. Wir sitzen in der Bar und eine Frau kommt auf uns zu. Sie beschimpft sie und der Typ sieht irritiert an. Dann stampft sie wütend ab. Ich sehe Jakob in die Augen und habe das Gefühl, das ich in Johannes Augen sehe. So vertraut. Jedenfalls nach diesen Vorfall kommt die Bedienung und sagt uns, dass da hinten ein Tisch frei wird. Dann könnten wir ungestört sein. Jakob meinte, er sitzt hier ganz gut. Die Frau sieht Jakob böse an und meint: „Du weißt, dass sie wieder kommt. Seit du ihr gesagt, du liebst deine Frau.“ Jakob sieht die Frau irritiert an und grübelt. Dann kommt ihn wohl die Erleuchtung. Er nickt und wir gehen zu den Tisch und wir setzen uns.

„Was meinte sie damit deine Frau?“

„Tja, ich glaube, die Bedienung verwechselt mich wohl. Ich kenne diese Frau nicht. Frage mich nicht, warum sie mich so angemacht hat.“

„Warum hast du dann gegrübelt und zugestimmt, dass wir den Platz wechseln.“

„Ich sage dir, es ist nicht alles so, wie es scheint. Sie hat mich bestimmt verwechselt. Die Frau wäre ein Plage für mich.“

Die Bedienung kommt wieder.

„Jakob, was kann ich dir und deiner lieben Begleitung bringen?“

Habe ich das richtig verstanden, sie kennt Jakob. Lügt er mich an.

„Woher kennen sie meinen Namen?“

„Ich bin deiner Schwägerin. Schon vergessen?“

Mal sehen, wie er sich herauswindet.

„Du verwechselt mich. Ich kenne dich nicht.“

„Mensch Jakob, tue nicht so! Deine Frau bekommt ein Kind von dir und du muss auf Recherche gehen. Junge Frau sie wissen nicht, mit wen sie es zu tun haben. Er hat vor zehn Tagen zu seiner Frau gesagt, er muss was recherchieren. Ein alte Frau hat ihn eine verrückte Geschichte erzählt. Sind sie das? Jakob steht auf Frauen.“

„Momentmal! Ich stehe auf Frauen. Wenn ich mich an meine Frau nicht erinnern kann, dann hat es einen Grund.“, erwidert er und sieht ihr in die Augen.

„Oh! Wenn ich ihre Augen sehe, sind sie nicht der Jakob, den ich sie halte.“, rudert sie zurück.

„Wer sind sie? Sie sehen meine Schwager so ähnlich.“

„Ich kann es nicht sagen, weil ich auf geheimer Mission bin.“

„Okay, was möchten sie beide trinken?“

Jakob sieht mich an und sagt: „Ich würde sagen, bringen sie uns eine halbtrockenen Rotwein. Wenn ich mich dran erinnere, ist Dornfelder dein Geschmack, oder ?“

„Ja, woher weißt du das?“

„Ich habe Augen im Kopf. Bringen sie uns zwei Gläser davon.“

„Wird gemacht.“

Die Bedienung geht und wir schweigen uns an. Jetzt kommt sie wieder und setzt zwei Gläser auf unseren Tisch ab.

„Du kannst gar nicht Jakob sein, weil er nie Rotwein trinkt. Mein Schwager trinkt nur irisches Bier. Wein verabscheut er“, teilt sie uns mit.

Danach sind wir allein. Jakob und ich führen eine anregende Unterhaltung. Es wird leerer.

„Ich sollte dich nach Hause bringen.“

„Das brauchst du nicht.“

„Doch, ich tue es. Johannes würde mir den Kopf abreißen, wenn ich es nicht tun würde.“

„Johannes?“

„Ja.“

„Wenn du meinst.“

Dann stehen wir auf und bezahlen an der Theke.  Die Bedienung beugt sich zu Jakob vor und fragt ihn was. Ich höre nicht, was er antwortet, aber die Frau gibt sich mit der Erklärung zu frieden. Jakob ruft ein Taxi. Als das Taxi da ist,  steigen wir an. Schweigend fahren wir zu meiner Wohnung. Wir steigen aus und Jakob bezahlt den Fahrer. Will er etwa mit in meine Wohnung? Ich sage nichts und warte was kommt. Wir stehen an meiner Haustür und sehen uns an. Jakob beugt sich zu mir und mein Gedanke ist, oh man er will mich küssen. Plötzlich stockt er und nimmt Abstand. Er murmelt sich was in den Bart. Florentine liebt Johannes. Sie darf sich nicht in Jakob verlieben. Es ist alles nicht richtig. Warum spricht er von sich in der dritten Person. Anschließend gibt er mir ein Kuss auf die Wange und flüstert mir ins Ohr: „Das Finale kommt noch.“ Nach diesen Satz zieht Jakob von dannen. Die Situation hat mich nicht schlafen lassen, was meint er damit? Ich sehe auf die Uhr. Oh, ich muss los zur Arbeit. Schnell ziehe ich mich an und düse los. Ich bin total k.o., aber ich muss dahin. Im Büro sitzt Sarah auf ihren Platz.

„Guten Morgen Sarah“

„Guten Morgen Florentine. Hier! Diesen Brief habe ich in den Akten gefunden. Dein Name steht drauf. Hast du ihn versehentlich in der Ablage liegen lassen.“

„Welcher Brief?“

Ich nehme den Brief in die Hand. Die Handschrift ist von Johannes und diesen Umschlag habe ich noch nie gesehen. Er ist an mich adressiert. Soll ich ihn aufreißen? Nein, nicht vor Sarah. Also stecke ich ihn ein.

„Willst du nicht lesen?“

„Nein, ich kenne ich schon. Nichts Wichtiges. Danke, dass du ihn gefunden hast. Ich habe ihn lange schon gesucht“, lüge ich sie an.

Paulus komm um die Ecke.

„Moin.“

„Morgen“, erwidern wir beide.

Er geht in sein Büro. Jakob kommt.

„Einen wunderschönen Morgen, die Damen.“

Nur Sarah antwortet ihn. Er sieht mich an und fragt: „Schlecht gelaunt heute?“

„Nein, ich ….“

„Ach so, ich verstehe. Wie gesagt, es nicht alles so, es scheint. Oder wie Shakespeare sagt: Sein oder Nichtsein, ist hier die Frage.“

Sarah kichert und ich blicke tadelnd zu ihr. Sie hört auf. Jakob sieht zwischen meiner Kollegin hin und her. Dann sagt er zu Sarah: „Kannst du bitte in mein Büro kommen?“

Im gleichen Augenblick steht Paulus vor mir und gibt mir Unterlagen.

„Kannst du dir das mal durchlesen. Du hast bis morgen Zeit, um es zu verinnerlichen. Morgen reden wir darüber. Ich glaube, lieber Jakob, sie ist kann heute nicht mir dir einen Trinken gehen.“

„Ja, alles gut. Gestern hat mir schon gereicht.“

„Wie bitte?“, schreie  ich.

„Es hat nicht mit dir zu tun. Ich war gerne mit dir unterwegs. Aber dieses ständige Verwechseln geht mir auf den Puffer. Sarah könntest du mich zu meinen….. Termin begleiten?“

„Ja, sicher. Ich bin startklar. Wir werden den Mann schon schaukeln.“

Heißt es nicht, das Kind schaukeln. Die beiden verschwinden in sein Büro. Paulus folgt ihnen. Super, ich werde ausgeschlossen. Plötzlich taucht Samuel auf.

„Hey Florentine! Wollen wir heute auf Derby gehen?“

„Geht nicht, ich muss arbeiten. Aber vielleicht morgen“, gebe ich als Antwort. Ich habe gar keine Lust dazu. Bloß Jakob zwingt mich dazu. Er kommt um die Ecke und sieht Samuel.

„Du bist es nicht wert, hier zu sein“, sagt er und Paulus kommt um die Ecke.

„Da hat Jakob recht. Verschwinde.“

„Was habe ich gemacht?“

„Weißt du was, wir nehmen dich jetzt mit“, sagt Jakob.

„Ich glaube, ich komme auch mit. Sonst gehst du ihn noch an die Gurgel, Jakob“, argumentiert sein mitkommen.  Paulus wendet sich zu mir.

„Du hältst die Stellung. Es geht auch um deine Zukunft.“

„Paulus, du hast recht. Sie wird es noch früh genug erfahren“, teilt Jakob mit.

„Was?“

„Johannes lebt und  weiß nicht, wer er ist“, rutscht es Sarah raus.

„Wie, was?“

Jakob kommt zu mir und flüstert mir ins Ohr: „Paulus fährt morgen mit dir dahin. Mich kennt er nicht so gut, dafür meinen Kollegen. Vielleicht erinnert Johannes sich auch an dich. Was meinst du, ist das ein Deal? Paulus fährt heute mit uns hin und wollen wissen, wie er auf Samuel reagiert. Wir wollten ihn eh abholen, aber der Typ musste dich ja belästigen. Es kann sein, dass wir heute nicht mehr reinkommen. Aber du sollst wissen, wir bauen auf dich.“

Dann stellt er sich wieder hin. Ich nicke. Anschließend verschwinden die vier. Ich könnte den Brief lesen. Nein, lieber nicht. Wenn …. . Ach egal. Später.

Den ganzen Tag komme ich nicht dazu den Brief zu lesen. Ich nehme es mir am Abend vor.

Adventskalender Tag 10 

Adventskalender – Tag 9

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Tag 9

Es ist jetzt ein Uhr und ich bin immer noch wach. Mein Plan von gestern Abend war, dass ich mich ins Bett lege, um jemand was zu fragen. Aber dafür muss ich schlafen und träumen. Jede Stunde schaue ich auf die Uhr, aber ich muss feststellen, dass es nur Minuten sind. Wie komme ich jetzt bloß dahin? Es ist wichtig. Verdammt,  warum kann ich einfach nicht einschlafen? Wie soll ich eine Lösung finden, wenn ich nicht in meine Traumwelt kann. Jakob könnte dann die Geschichte zu Ende schreiben. Verdammt, nicht er, sondern ich muss es tun. Jakob ist ja gar nicht in der Lage, es zu schreiben. Also, muss ich wohl seinen Roman schreiben. Ich habe so etwas noch nie gemacht, aber es immer das erste Mal, wenn man was Neues beginnt. Ich schließe meine Augen und plötzlich steht Iva da.

„Hey, junger Mann? Mit wen spreche ich jetzt. Es ist langsam etwas verwirrend?“

„Wieso?“

„Johannes, Jakob und Jackolus kommen abwechselnd hier her. Du sieht wie Jakob aus, aber bis du es auch. Habt ihr eure Körper jetzt wieder getauscht?“

„Nein, dass haben wir noch nicht getan. Ich bin Johannes und ich kenne die Lösung, aber ich weiß nicht wie ich dahin komme.“

„Hhm? Was willst du dann von mir.“

„Einen Ratschlag!“

„Okay, erzähle mir erstmal, was die Lösung ist.“

„Also, ich bin Johannes. Jakob will zurück und Jackolus will dich bestimmt bald wieder in den Wahnsinn treiben. Also, fangen wir mal an. Bevor ich zu dir gekommen bin, ist mir ein Gedanke durch den Kopf gegangen.“

„Und der wäre?“

„Ich muss für Jakob das Manuskript schreiben, damit jemand es liest.“

„Okay, das wäre ein Anfang und was willst du von mir?“

„Iva, wie kann ich Florentine sagen, dass ich sie liebe ohne dass sie es auf Jakob bezieht.“

„Ich hätte eine Idee. Soll ich dir den Plan verraten?“

„Ja, sicher.“

„Du muss mir aber erst eine Frage beantworten.“

„Die wäre?“, will ich wissen.

„Liebst du Florentine oder liebt Jakob sie?“

„Du stellst komische Fragen. Okay, ganz unberechtigt ist die Frage nicht. Als ich dachte, ich wäre Jakob, fühlte ich auch was. Stärker wurde es aber……“, teile ich ihr mit und höre mitten im Satz auf. Ich grüble. Ist es wirklich so?

„Johannes, du zögerst mit deiner Antwort. Hat das einen Grund?“

„Ja, Iva. Ich muss gerade überlegen, ob es wirklich so ist oder ob ich es mir nur einbilde.“

„Okay, also beende deinen Satz spontan, dann …. .“

Ich unterbreche sie und sage: „Die Gefühle sind stärker geworden.“

„Weil?“

„Als mir bewusst wurde, dass ich Johannes bin, betrachtete ich Florentine mit anderen Augen. Jakob musterte sie sehr stark. Er versuchte sich vorzustellen, wie ihre Küsse wohl wären. Ich brauche keine Kostprobe, wie ein Kuss von ihr schmeckt…. .“

„Du hörst schon wieder auf. Ich möchte deine Liebeserklärung hören.“

„Ich weiß wie schmeckt und wie riecht. Ihr Vanilleduft liegt mir immer in der Nase. Am Liebsten würde ich sie immer küssen und ich stelle mir sonst noch einiges vor, was wir machen könnten. Ein Jahr lang habe ich versucht, den Kuss von ihr zu vergessen. Wenn der Presse habe ich nach außen die Fassade halten. An den Abend des Kusses erzählte sie mir noch, dass ihr Freund ein Kumpel ist und mehr nicht. Ich war hin und her gerissen. Judith hat mich verletzt, aber hatte ich sie nicht all die Jahre betrogen, weil ich immer an Florentine dachte. Mein Gefühlschaos war perfekt und ich habe es Florentine ausbaden lassen. Nur weil ich meine Gefühle nicht zulassen konnte.“

„Du hast es begriffen! Ein Weg in die richtige Richtung“, gibt sie als Kommentar ab.

„Und jetzt?“

Dann beugt sie ich Iva zu mir und erzählt mir ihren Plan. Sie hat recht, wenn Florentine sich in Jakob, also mein neues Ich, verliebt, dann hat Johannes nie wieder eine Chance. Wir würden unsere Plätze tauschen und ich müsste zusehen, wie Jakob ihr immer wieder weh tut. Die Idee sie mir offenbart, finde ich gut. Ich habe es noch nie gemacht und sollte schleunigst damit anfangen.

Nach diesen Worten öffnen sich meine Augen. Es ist jetzt fünf Uhr morgens. Ich setzte mich an meinen Küchentisch und fange an zu schreiben.

 

Liebe Florentine,

ich habe noch nie einen Liebesbrief geschrieben. Im vorletzten Jahr sind….

Blödsinn! So darf ich nicht anfangen. Ich muss den Brief schreiben, als ob ich vor meinen Verschwinden den Brief geschrieben habe. Dann knülle ich den Brief und werfe ihn in den Papierkorb. Ich fange wieder an und mache es wieder. Ab in den Papierkorb. Diese Vorgehensweise mache ich noch einige Male. Es ist jetzt der zehnte Versuch und es muss klappen.

Liebe Florentine,

bitte verzeihe mir. Ich möchte dir das letzte Jahr gerne erklären. Entschuldige, ich habe so etwas noch nie gemacht. Ich muss es einfach tun. Du erinnerst dich bestimmt noch an unseren ersten Kuss. Oder auch nicht? Dann war es wohl ein grottenschlechter Kuss. Ich kann mich ganz gut erinnern. Seit du in unseren Unternehmen bist, schwirren meine Gedanken nur noch um Dich. Ich wollte Judith nicht verletzen. Aber dann kam der Abend, wo sie mich mit Samuel betrogen hat. Ich war stinksauer und wollte sie nie wiedersehen. Aber weil du einen Freund hattest, dachte ich mir, es wäre das Beste, wenn ich mit Judith die Fassade aufrecht erhalte. Ich wollte mich schützen und sie bewusst von der Gala ausgeladen, weil ich wusste, wie sie tickte. Mir war es recht, dass du mit mir den Ball besuchen solltest und wolltest. Besser konnte es nicht laufen. Ich konnte Zeit mit dir verbringen ohne das jemand auf falsche Gedanken kam. Du hattes einen Freund und du dachtest, ich hätte eine Verlobte. Es war eben eine Distanz da. Leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass dann der Abend so eine Wendung nehmen sollte. Ich brachte dich nach Hause und als wir uns gegenüber standen, war es vorbei mit meinen Vorsätzen. Dein Vanilleduft, den ich jeden Tag an dir rieche, setzte meinen Verstand aus. Ich musste dich einfach küssen. Verwirrt gingst du einen Schritt zurück und hast mich irritiert angestarrt. Dann entschuldigte ich mich bei dir und es gegenüber deinen Freund nicht fair wäre. Und dann teilst du mir mit, dass du gar keinen Freund hast. Ich wollte dir die Situation erklären und in dem Moment klingelte mein Handy. Verdammt, immer im falschen Moment und ich ging dran. Dabei wendete ich mich von dir ab. Judith war dran. Ich würgte sie ab und drehte mich wieder zu dir um. Du warst nicht mehr da. Am nächsten Tag kam Judith ins Büro und tat so, als ob sie noch meine Verlobter wäre. Ich dachte nur, es kann doch nicht sein. Deine traurigen Augen sagten alles. Am liebsten hätte ich dich in den Arm genommen. Daran hat mich aber der Pakt mit Paulus gehindert. Wie gerne hätte ich dir die Wahrheit gesagt. Ein Jahr habe ich uns beide gequält. Ich bin so ein Sturkopf. Vielleicht habe ich mir auch die Gefühle nur zu dir eingebildet, aber jetzt muss es raus. Ich liebe dich schon lange, aber jetzt gebe ich es zu, weil ich einen Plan habe. Den kann ich nur umsetzen, wenn du mir vertraust. Paulus habe ich bereits darüber in Kenntnis gesetzt. Ich hoffe, Sarah und du spielt mit. Jedenfalls hoffe ich, dass ich mich nicht geirrt habe und du die gleichen Gefühle für mich hegst. Wenn nicht, dann vergisst diesen albernen Brief. Wirf ihn weg. Ich werde dann aus deinen Leben verschwinden. Florentine, wenn du mich auch liebst, werde ich an Weihnachten unsere Beziehung bekannt geben. Gib mir nur ein Zeichen, dann können wir in ein Neues Leben starten.

Dein Johannes

Ich lese den Brief nochmal durch. Beim Verschwinden muss ich schmunzeln. Ja, ich wollte damals mich von Acker machen, wenn sie mich nicht wollte.  Irgendwie passt es ja. Ich sehe auf den Uhr. Oh, schon zehn Uhr. Jetzt aber hurtig. Schnell ziehe ich mich an und stecke den Brief ein. Heute bekommt sie den Brief nicht. Alles langsam angehen.

Eine halbe Stunde später komme ich im Büro an. Sarah und Florentine sitzen an ihren Tischen. Paulus kommt um die Ecke und grinst.

„Könnt ihr bitte mal ins Büro kommen?“, sage ich.

 Die beiden nicken und folgen uns. Wir teilen den beiden mit, dass wir unsere Assistentinnen tauschen müssen. Sie bekommen beide einen Schreck. Wir klären Florentine und Sarah auf. Paulus und ich setzen nur den Plan fort, den wir letztes Jahr begonnen haben.

„Wir sollen wirklich die Plätze tauschen?“, fragt Sarah erstaunt.

„Ja, war schon längst überfällig“, teilt Paulus Sarah zwinkernd mit. Sie lacht. Florentine sieht verwirrt aus und sagt: „Jetzt geht es komischerweise. Paulus, letztes Jahr wolltest du nicht. Aber schon gut. Ihr seid die Chefs. Wir sind ja nur die blöden Tippsen.“

„Sarah! Paulus! Lass uns mal kurz allein“, sage ich,

„Okay, dann kann Sarah noch etwas aufschreiben“, gibt Paulus als Antwort und geht mit ihr raus.

„So, jetzt zu Dir, liebe Florentine.“

„Was willst du?“

„Ich erkläre es dir. Paulus und ich haben uns überlegt, mehr mit Euch zusammen zu arbeiten. Es geht aber nur, wenn Sarah nicht für Paulus die Assistentin ist und du nicht meine. Wir wollen euch in Projekte einbinden und du hast die bessere Klassifizierung für Paulus Projekte. Also, bilde dir bloß jetzt nichts drauf ein. Johannes hätte genauso wie Paulus entschieden. Ein Paar kann nie wirklich am gleichen Projekt arbeiten, aber es gibt Ausnahmen.“

„Welche?“

„Ja, liebe Florentine. Das muss du auch noch rausfinden.“

„Aber bitte tue Sarah und Paulus den Gefallen“, sage ich und ergänze in Gedanken auch mir zu liebe. Du darfst dich nicht in Jakob verlieben. So einfach ist das. Leider darf ich es dir nicht verraten. Morgen ist Plan Liebesbrief dran.

„Okay, ich mache es. Wenn es dir so wichtig ist.“

„Nicht nur mir, sondern auch Paulus.“

Nach diesen Satz verlässt sie das Büro und verschwindet in ihr Büro. Dann rufe ich Sarah an.

„Kannst du mal ins Büro kommen?“

„Ja, ich eile“, erwidert sie kichernd.

Kurze Zeit später steht sie vor meinen Schreibtisch.

„Sie haben geläutet, Mister?“, sagt sie scherzhaft.

„Das könnten sie diesmal ausnahmsweise recht haben. Jetzt Spaß bei Seite. Mache bitte die Tür zu.“

Sarah schließt die Tür und kommt wieder zu mir.

„Setz dich.“

„Ihr Wort ist mir Befehl.“

„Sarah, es ist ernst.“

„Du bist Johannes nicht Jakob, oder?“

„Wie kommst du darauf?“

„Wenn du wirklich Jakob Prinz wärst, würdest du anders handeln. Johannes würde so handeln, wegen Florentine. Genauso wie Paulus es für mich tut. Ich hatte mal eine Geschichte gelesen, da wurden die Körper vertauscht. Irgendwie habe ich das Gefühl bei dir auch.“

„Okay, du hast recht. Aber sag es Florentine nicht. Ich habe sie genug verletzt.“

„Echt? Das war eben nur Scherz.“

„Nein, ich muss herausfinden, warum wir die Körper getauscht haben. Dafür brauche ich dich. Florentine können wir es nicht zumuten. Könntest du dich unter der Nummer erkundigen, ob sie einen Jakob Prinz haben oder jemand, der keinen Namen hat.“

„Häh?“

„Ich glaube, wenn es so ist, müsste du hinfahren. Schau genau hin, wer da liegt. Sag mir dann Bescheid. Ich hätte noch eine Bitte.“

„Deshalb habt ihr getauscht?“, sagt sie enttäuscht.

„Nicht nur deshalb. Wir hatten es schon vor einen Jahr geplant, aber dann ist was passiert, was ich nicht beeinflussen konnte. Wir müssen die Körper wieder tauschen und das spätestens am Heiligabend.“

„Okay, war das alles?“

„Nein, könntest du den Brief so platzieren, dass sie ihn morgen Mittag findet.“

„Was steht darin?“

„Eine Erklärung für sie.“

Sarah steht auf und wendet sich zu mir.

„Du liebst sie, oder?“

„Es gibt ein Sprichwort: Ein Genießer genießt und schweigt. Jetzt Klartext. Es geht dich nichts an.“

„Dein Ding.“

„Eben, mein Ding.“

Sie öffnet die Tür und sagt zu mir: „Du liebst sie immer noch.“

„Sarah, es ist meine Sache.“

Dann geht sie raus. Schauen wir mal was passiert.

 

Zwei Stunden spät ruft mich Sarah an. Sie ist außer Haus.

„Hey!

„Was rausbekommen?“

„Ja, da liegt Johannes. Eher verweilt da und starrt Löcher in die Luft. Angeblich redet er nicht viel, aber hört zu und nickt. Mehr habe ich nicht rausbekommen. Wie sein Name lautet,  wissen sie nicht. Er murmelt immer Jackolus. Was soll ich tun?“

„Okay, ich organisiere was. Du bewegst dich nach Hause. Für heute hast du Feierabend.“

Dann lege ich auf und rufe meinen Vater an. Ich erkläre ihn alles. Jonathan will alles weitere in die Wege leiten. Er fährt dort hin und versucht ihn daraus zu holen. Alles weitere würden wir dann besprechen. Auch wie wir Florentine in ein paar Tagen dahin bekommen. Am besten spannen wir Paulus ein. Der hat bestimmt eine Idee, wie wir es hinbekommen, dass die beiden sich sehen. Nach den Telefonat informiere ich Paulus über die Sachlage und teile ihn mit, dass ich Sarah frei gegeben hat. Er sollte zu ihr fahren, damit sie den Schock erstmal verarbeiten kann, besonders weil ich ihr unser Geheimnis verraten habe.

„Du hast was?“

„Ja, sie hat mich in Jakob erkannt. Erst machte sie Scherze, aber ich glaube langsam begreift sie es.“

„Okay. Warte mal“, sagt Paulus und legt den Hörer an die Seite.

„Florentine, du kannst Feierabend machen. Ich gehe gleich und Jakob macht noch ein bisschen.“

„Okay, schönen Feierabend.“

Dann höre ich wie ein Tür geht.

„So, Florentine ist weg. Nur du bist hier. Schönen Feierabend.“

Er legt auf und ich höre seine Tür wie sie geht. Jetzt bin ich allein hier. Also weitere Nachforschung. Plötzlich geht die Tür auf und Florentine steht da.

„Ich dachte, du hast Feierabend.“

„Ja, habe ich auch. Ich wollte dich überreden mit mir einen Trinken zu gehen, wenn es okay ist.“

„Okay, ich mache den Laptop aus und komme.“

Anschließend gehen wir noch in einer Bar.

Adventskalender – Tag 8

24 Tage

bis

zur Entscheidung

Tag 8

Ich sitze mit Paulus im Restaurant. Er gesteht mir gerade, dass er und Sarah sich etwas näher gekommen ist. Wie nah möchte ich nicht wissen. Jetzt fragt er mich gerade, ob wir nicht unsere Assistentin tauschen können und ich erstarre, als ich Florentine sehe. Sie sitzt da mit Samuel. Also doch. Florentine hatte sich gestern und heute Urlaub genommen, weil sie unbedingt etwas klären wollte. Ich schlage meine Hände vor das Gesicht.

„Jakob! Was ist los?“

„Da schau!“, sage ich und zeige in eine Richtung.

„Samuel und Florentine? Das gibt es nicht. Es nicht ihr Ernst, oder? Glaubst du sie hat doch etwas zu verbergen?“

„Nein, ich sagte doch, dass ich weiß, dass sie damit nichts zu tun hat. Aber jetzt kommen mir Zweifel. Langsam glaube ich, Samuel spielt mir sehr übel mit. Ich nehme an, Florentine steckt da auch mit drin. Mein Gefühl sagt, sie hat nichts damit zu tun, aber der der Verstand sagt es anderes. Ich muss mir kurz mal, Wasser ins Gesicht werfen. Bist du so gut und bestellst mir die 88 mit.“

„Jip, mache ich.“

Ich stehe auf und gehe in die Toiletten. Als ich dort ankomme, schmeiße ich mir Wasser ins Gesicht, um meine dummen Gedanken zu vertreiben. Anschließend gehe ich raus und höre plötzlich Stimmen. Ich stocke, die eine Stimme kenne ich und lausche dem Gespräch zu.

„Glaube mir doch Sarah. Zwischen mir und Samuel läufst nichts. Eine Frage spionierst du mir etwa nach.“

„Nein, das tue ich nicht. Ich wollte nur Unterlagen Paulus bringen und dann sehe ich dich mit Samuel. Sei froh, dass es Jakob nicht sieht.“

„Wie ist er auch da?“

„Ich habe ihn eben nicht gesehen. Vielleicht kommt er ja noch. Vorhin hatte Paulus zu mir gesagt, er würde sich mit Jakob treffen. Ich könnte die Unterlagen hier her bringen.“

„Okay“, erwidert Florentine.

„Also, was ist das für eine Sache mit Samuel?“

„Wie soll ich anfangen? Ich hoffe, du glaubst mir. Wie du weißt, stand ich auf Johannes. Der Abend war sehr speziell und darauf hat er mich links liegen gelassen. Du kannst dich doch bestimmt daran erinnern, dass er mir immer unterstellt hat, ich würde alles falsch machen. Und jetzt beschuldigt mich Jakob für etwas, was Samuel mir in die Schuhe schieben will. Ich muss Vertrauen zu Samuel aufbauen, damit er mir nicht auf die Schliche kommt. Jakob vertraut mir ja nicht. Also muss ich Beweise für meine Unschuld suchen.“

„Stopp“, unterbricht Sarah sie.

„Was?“

„Jakob vertraut dir total. Er wollte nur eine Bestätigung, dass er sich nicht in dir getäuscht hat. Und was machst du? Du flüchtest. Sieht das nicht wie ein Geständnis aus?“

„Hhm? Vielleicht hast du recht. Ich war so wütend.“

„Klar wäre ich auch. Aber so wie Jakob dich angesehen hat, vertraut er dir total. Vielleicht solltest du ihn in deinen Plan einweihen. Oder vielleicht mich, wenn du Jakob aus den Weg gehen willst.“

„Ich will Jakob gar nicht aus den Weg gehen. Er gibt mir das Gefühl, was ich bei Johannes vermisst habe. Immer wenn ich ihn in die Augen sehe, denke ich …..“

„Was meinst du damit?“

„Die Augen von Jakob erinnern mich an Johannes. So blickte er mich den Abend an. Dann erfahre ich am nächsten Tag von dir, dass er eine Verlobte hat und dann hat er mich wie Luft behandelt. Es war einfach Schikane.“

„Jetzt höre mir zu. Du willst es mir ja nicht glauben. An den Abend war plötzlich Magie ins Spiel. Er wollte dich bestimmt nicht verletzten. Ich denke, er kam mit der Situation nicht klar. Paulus meinte zu mir, dass ein Tag vor den Ball, er seine Verlobte mit einen Kerl im Bett erwischt hat und dann kamen noch die Gefühle, die er schon eine Weile für dich empfand. Ein Jahr hat er sich damit gequält und dann will er dir es gestehen….“

„Ich verstehe Bahnhof.“

„Verdammt, er war verrückt nach dir. Deswegen war er so scheiße zu dir. Er wollte vorerst keine Beziehung und hat dich quasi weggestoßen, aber eigentlich war es anders. Solche Gefühle hatte er wohl nie gehabt. Paulus wollten dann Assistentin Tausch machen, aber bevor sie es machen konnten, war plötzlich verschwunden.“

„Wie lange weißt du das?“

„Seit der Kutschfahrt. Wir haben uns noch ein bisschen unterhalten. Jakob weiß auch das du Johannes gemocht hat. Er will nicht, dass du dich in ihn verliebt. Sein Leben ist kompliziert. Paulus und er wollen rausfinden, was mit Johannes passiert ist. Sie müssen alles prüfen. Auch mich. Die Richtung geht richtig Samuel. Die beiden wissen nicht, wie weit er in die Sache mit verstrickt ist.“

„Sarah, ich muss dir was sagen. Als Johannes weg war, ging es mir schlecht. Dann tauchte Samuel auf. Nach kurzer Zeit erkannte ich, dass ich ihn nicht vertrauen konnte. Ich will einfach nur alles richtig machen.“

„Ja, ich verstehe dich schon. Du willst ihn eine Falle stellen.“

„Jip, weil ich auch das Gefühle habe, dass er mit den Verschwinden von Johannes zu tun hat.“

Jetzt fange ich mich an zur räuspern. Die beiden drehen sich zu mir um und erstarren.

„Bist du schon länger hier?“

„Nein“, lüge ich und ergänze, „ich will nur vorbei.“

Die beiden lassen mich vorbei und ich berühre Florentine leicht am Arm. Sie zuckt zusammen. Ich blicke in ihren Augen und dann beuge ich mich zu ihr. Leise flüstere ich ihr ins Ohr: „Glaube an das was du tust. Johannes ist ein toller Kerl, kann bloß schlecht aus seiner Haut. War er schon immer. Wenn er irgendwo noch ist, dann finde ihn und kläre es mit ihn.“

Plötzlich wendet sie sich zu mir und küsst mich. Ich bin irritiert und gehe einen Schritt zurück. Sarah sieht verwirrt aus.

„Du küsst wie…“, sagt sie und stockt.

„Wie wer?“

„Ach, schon gut. Ich wollte es nur testen. Es bleibt unter uns dreien“, teilt Florentine mit und geht.

„Was war das?“, will ich wissen.

„Ich glaube, dass wir doch alle. Paulus sagt immer, Johannes ist näher wie wir denken. Du siehst ihn verdammt ähnlich. Florentine hat es wohl jetzt auch endlich geschnallt.“

„Weiber“, sage ich und verschwinde. Als ich wieder am Platz bin, sind die beiden verschwunden.

„Wo sind Samuel und Florentine?“

„Keine Ahnung? Als sie eben an den Tisch kam, sagte sie etwas zu ihn. Und dann sind aufgestanden und gegangen.“

Dann kommt Sarah an den Tisch. Ich sehe zwischen den Beiden hin und her.

„Also, mein Segen habt ihr. Sarah du arbeitest jetzt für mich und Florentine für Paulus. Wir beiden werden Johannes finden. Meinst du nicht auch Sarah. Wir lassen Florentine außen vor. Ich wünsche euch einen schönen Abend.“

„Okay und dein Essen?“, will Paulus wissen.

„Wenn sie die 88 mag, dann ist es gut. Ich muss etwas im Netz suchen.“

Sarah sieht in die Speisekarte und meint : „Ja, esse ich. Dir noch einen schönen Abend.“

Nach den Worten verschwinde ich winkend. Ich muss unbedingt jemanden eine Frage stellen. Hoffentlich kann sie mir helfen.

Adventskalender – Tag 7

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Tag 7

Als ich ins Büro eintrete, ist Sarah an ihren Platz. Die Türen von unseren Chefs sind zu. Ich sehe zu meiner Kollegin rüber. Ihr Blick haftet am Bildschirm.

„Guten Morgen Sarah!“

Sie blickt hoch und sieht zu mir.

„Guten Morgen Florentine Sophie Tinka!“

„Warum heute so förmlich?“, frage ich sie irritiert. Tinka ist eigentlich nur ein Spitzname, weil ich gerne Peter Pan als Kind gelesen hatte. Aber das ist lange her. Mein Bruder sagte, ich würde wie Tinka sein. Als Kind regte mich der Name auf und dass nahm mein Bruder als Anlass, mich mit den Namen zu ärgern. Sarah hatte ich die Geschichte anvertraut, weil ich mein Bruder bei mir auf ein Kaffee war. Meine Kollegin war auch mit dabei und bekam es mit als mein Bruder mich Tinka nannte. Ich habe ihr später den Hintergrund erklärt.

„Ach, nur so. Ich grübele über eine Sache, die mir Paulus gegeben hat.“

„Sind sie schon da?“, will ich wissen.

„Ja, beide. Paulus und ich sind….“, unterbricht sie sich und überlegt. Dann setzt sie ihre Aussage fort: „Gleichzeitig erschienen. Jakob kam etwas später. Er hatte heute Morgen gleich ein Gespräch mit Jonathan. Unser Senior Chef ist noch drin.“

„Okay, das heißt für mich….“

„Keine Ahnung. Wir könne ja von sechs bis acht anfangen zu arbeiten. Ich hatte dich ja gestern angeschrieben, dass ich heute früh anfange. Du kannst ruhig später kommen. Wenn du meinst, sie fahren dir an den Karren, dann sagt, wir hätten es abgesprochen. Aber das wäre total Blödsinn.“

Mein Telefon klingelt und ich gehe ran.

„Könntest du mal ins Büro kommen, bitte“, kommt aus den Hörer.

„Ja, ich komme.“

Ich gehe in Jakobs Büro.

„Guten Morgen, Florentine“, sagen die Beiden.

„Guten Morgen!“

„Setz dich bitte.“

Die beiden sehen ernst aus. Habe ich etwas falsch gemacht?

„Alles gut. Es geht dich nicht um dich, aber vielleicht könntest du uns helfen.“

„Wobei?“

Jetzt kommt noch Paulus rein.

„Moin zusammen. Ich habe nichts gefunden.“

„Was sucht ihr denn?“

„Wir haben letztes Jahr einen Vertrag mit einer Firma abgeschlossen. Du hast ihn bearbeitet, aber wir finden es nicht. Sogar Sarah sucht nach den Vertrag.“

„Ich verstehe nicht.“

„Eine Frage, hast du den Vertrag von der Firma Beer abgelegt?“

„Ja, der ist im System.“

„Und wo?“, fragt Jakob und ergänzt, „kannst du es an meinen Computer zeigen.“

„Natürlich“, sage ich und stehe auf. Ich gehe um den Schreibtisch rum und suche den Ordner. Verdammt, wo ist er?

„Der Ordner ist weg? Einfach verschwunden“, sage ich und plötzlich fällt mir etwas ein.

„Wartet mal“, gebe ich noch schnell bekannt und flitze an meinen Arbeitsplatz. Johannes wollte immer alles separat auf einer Festplatte haben, vielleicht habe ich es da noch drauf. Es wäre meine Rettung. Ich hole sie aus der abgeschossene Schublade meines Schreibtisches und renne zurück. Als ich den Raum betrete, sehen mich alle neugierig an.

„So, wenn es im System gelöscht ist, könnte es vielleicht hier noch drauf sein. Johannes wollte es immer separat auf einer anderen Festplatte gespeichert haben. Paulus ist es ja egal. Vielleicht ist das die Lösung.“

Jakob schließt das Speichermedium ein und sieht mich an.

„Ist sie da nicht drauf?“

„Doch, aber warum ist sie im System nicht mehr. Hast du sie gelöscht?“, fragt Paulus.

Jonathan beobachtest das Schauspiel und Jakob stellt mir eine Frage.

„Wer hatte noch Zugriff auf diese Daten?“

„Paulus, Johannes, Sarah und ich.“

„Sonst noch wer? Überlege genau“, teilt mir Paulus mit.

Ich grüble noch das. Es war kurz vor den Verschwinden von Johannes. Hatte Samuel darauf Zugriff? Verdammt, er war den einen Tag an meinen Computer.

„Mir fällt noch etwas sein. Normalerweise hätte er nicht darauf zugreifen können, aber Samuel war einmal an meinen Computer und wollte etwas ausdrucken. Ich habe nicht darauf geachtet, ob der Ordner noch da war. Da ich immer einen Extra Ordner mit Unterordner für unsere Projekte angelegt hatte, ist mir wohl nicht aufgefallen, dass einige Unterordner gelöscht wurde. Ich hätte nie gedacht, dass Samuel so drauf ist.“

„Eine Frage noch“, sagt Johannes und blickt mir direkt in die Augen.

„Welche?“

„Machst du gemeine Sachen mit Samuel?“

Ich stoße ihn entrüstet weg und schreie ihn an. Eigentlich bin ich loyal. Aber wenn mir jemand so etwas unterstellt, den ich mag, dann muss es raus.

„Sag mal, hast du Farn in Arsch? Du glaubst doch nicht, dass ich….“, teile ich mit und breche im Satz ab. Das ist total crazy. Anschließend mache ich eine Kehrtwende und schieße zu Tür raus. Ich höre noch eine paar Worte.

„Sag mal, glaubst du wirklich daran, dass sie was damit zu tun hat?“

„Paulus, ich glaube es nicht. Ich weiß, dass sie es … .“

Ich packe meine Sachen. Genug gehört.

Jakob steht plötzlich vor meinen Tisch.

„Was willst?“

„Wohin willst du?“

Okay, er ist mein Chef.

„Kann ich heute und morgen Urlaub haben? Es ist kurzfristig, ich weiß. Aber ich muss was Dringendes klären. Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich habe mir der Sache nichts zu tun und das beweise ich.“

„Wer sagt, dass du damit etwas zu tun hast?“, fragt er mich allen Ernstes. Ich habe gehört, was er gesagt hat.

„Du, vielleicht?“

Perplex sieht er mich an und flüstert leise: „Es ist ein Missverständnis.“

„Was kann man daran falsch verstehen, wenn du sagst ich weiß…“

„Und was kam danach?“, will er wissen.

„Was wohl?“, sage ich wütend zu ihn.

„Darf ich den Satz beenden, bevor du mich verurteilst oder erklären.“

„Nein.“

„Okay, man kann mit dir nicht reden. Nimm dir zwei Tage frei und wenn du es unbedingt beweisen willst, dann tue es. Tue was du nicht lassen kannst. Beweisen brauchst du es mir nicht.“

Verdattert sehe ich ihn an. Was soll das denn heißen?

„Doch ich muss es tun. Ich lege dir Beweisstücke vor. Auch wenn ich mich mit einen A…. treffen muss. Für mich ist wichtig, dass du weißt, mir kann man mehr Vertrauen“, teile ich mit.

„Ich vertraue dir.“

„Sieht momentan anderes aus. Bis dann.“

Anschließend gehe ich auf den Flur, drehe mich um und Jakob sieht mich traurig an. Habe ich wirklich unrecht getan? Jetzt auch egal. Wenn er auch mir vertraut, ich muss die Wahrheit wissen. Was hat der Typ gemacht, dass ich jetzt in dieser Situation bin. Ich möchte Antworten von ihn. Dann nehme ich mein Handy in die Hand, wähle seine Nummer und gehe die Treppe runter. Das brauche ich jetzt, um mich abzureagieren, um mich abzureagieren. Den Kopf frei zu bekommen und nicht den Fahrstuhl zu nehmen.

 

  

Adventskalender – Tag 6

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Tag 6

Ich öffne meine Augen und Paulus liegt auf den anderen Sofa. Was ist gestern noch passiert? Irgendwann sind mir meine Augen zugefallen. Plötzlich kommt Sarah um die Ecke. Bin ich in der falschen Wohnung? Seit wann ist sie denn hier? Habe ich etwas verpasst? War die Adresse falsch. Paulus schläft noch. Ich blicke zu ihr.

„Guten Morgen Jakob! Ihr beide habt ganz schön gepichelt. Paulus meinte, wir würden jetzt alle hier pennen und starten mit einen Nikolausfrühstück. Du hast ja eh schon gepennt und immer gelächelt.“

Es klingelt. Auf einmal ruft Florentine: „Ich gehe schon.“

Doch in der richtigen Wohnung? Oder träume ich das nur? Dann kommt sie um die Ecke und öffnet die Tür. Ich reibe meine Augen und frage mich gerade, was macht der hier? Der Typ sieht erst mich und dann Paulus an.

„Was machen die denn hier, Fleur?“

Samuel nennt sie Blume? Wie lange kennen sie sich? Ach ja, jetzt fällt es mir wieder ein. Mein Stiefcousin war letztes Jahr in Dezember im Unternehmen. Langsam kommt meine Erinnerung wieder. Ich sehe nicht wie Johannes aus, aber meine Gedanken sind meine. Jakobs Gedanken verdränge ich. Nur ich kann alle retten.

„Wer ist das?“, fragt er sie und zeigt auf mich.

Paulus wacht auf und gibt statt dessen die Antwort.

„Das ist Jakob. Ein Freund von Johannes. Unser Cousin wollte, dass er den Platz ein nimmt.“

„Ein zweiklassiger Autor? Das ist nicht euer Ernst. Die Bücher sind total irre. Der gehört in einer Irrenanstalt.“

„Moment“, unterbreche ich ihn.

„Was?“

„Du kennst mich nicht“, erwidere ich.

Samuel hebt die Augenbrauen und wendet sich dann zu Florentine.

„Kann ich dir beim Frühstück helfen? Die drei bleiben doch nicht hier, oder?“

Paulus schreitet jetzt ein und gibt seine Meinung bekannt.

„Wenn hier einer fehl am Platz ist, dann du!“

„Paulus, wir verstehen und doch gut. Du weiß wie ich, dass Johannes nur mit Florentine gespielt hat. Judith will ihn wieder zurück.“

Ärgerlich springe ich auf und meine Wut bricht in Worten aus.

„Du bist so ein Arsch. Wer war denn mit Judith in Bett? Johannes war ganz schön angepisst, es so zu erfahren. Ganz ehrlich? Dein Cousin hat mehr Respekt vor Beziehungen als du. Er liebte jemand anders und hat nur nach außen die Fassade aufrecht erhalten, weil sie vergeben war. Dann kam raus, dass diese Frau gar kein Freund hat. Johannes wollte alles regeln, aber leider kam etwas unerwartetes dazwischen.“

„Und was, wenn ich fragen darf?“

„Tja lieber Samuel, kannst du es mir nicht sagen?“

„Wieso ich?“

Alle starren uns an? Sie beobachten unser Wortgefecht.

„Was hat Samuel damit zu?“, will Florentine wissen.

„Es ist nur so ein eigenartiges Gefühl. Johannes deutete mir vor seinen Verschwinden so etwas an!“

Jetzt sieht mich Paulus irritiert an und kommt zu mir. Er flüstert zu mir: „Was heißt das? Hat …?“

Ich unterbreche ihn und in Flüsterton geht unsere Unterhaltung weiter.

„Das weiß ich nicht. Frage mich nicht, es nur so ein komisches Gefühl. Du kennst das bestimmt auch. Ein ungutes Gefühl.“

„Du hast mir nie gesagt, wen du mit Judith erwischt hast. Sag mir nicht, es war Samuel?“

„Doch! Ich hatte ihn vertraut. Wir alle hatten ihn vertraut. Er wusste, dass ich den Tag länger unterwegs bin. Aber dann gibt das Gespräch doch schneller von statten, wie ich dachte. Ich kam in die Wohnung und erwischte die beiden in unserer Wohnung in unseren Bett. Mir war total schlecht. Es war schon lange nicht mehr so. Ich wunderte mich, warum Judith mich immer so kontrollierte. Sie wusste über alles Bescheid. Meine Finanzen waren ihr wohl das wichtigste. Dieser Tag brachte mir eine Erkenntnis. Ich wollte es nie wirklich realisieren und verschloss mich vor der Wahrheit.“

„Wie meinst du das?“

„Ich muss etwas zugeben.“

„Was?“

„Den einen Ball, wo deine Freundin und Judith nicht konnten. Erinnerst du dich?“

„Ja klar?“

„An den Abend fühlte ich etwas, was ich nie vorher kannte. Ich hatte es schon eine Weile gespürt, aber da traf es mich mit Wucht. Es war eine Leichtigkeit es zu ändern, aber ich hätte….“

„Ich weiß, du hättest gegen etwas verstoßen.“

„Paulus, ich bin eine ganze Zeit vor meinen wahren Gefühlen weggelaufen. Wir hatten später noch einen Gespräch, als du es mir mit Sarah anvertrautest. Deswegen bat ich dich um dieses Gespräch. Ich wollte dir und mir helfen.“

„Du hast recht. Ich fand es erst merkwürdig, aber jetzt klingt es total logisch. Kommen deine Erinnerung wieder?“

„Ja, seit Iva gesagt hat. ich soll nicht mehr so oft zu ihr zurückkommen. Ich soll wieder meine Gedanken beherrschen und nicht sie um Rat fragen, sondern meine eigenen Entscheidungen treffen.“

Paulus blickt zu mir und fragt leise: „Wer ist Iva?“

„Iva ist eine Beraterin. Sie hat mir gesagt, wer ich bin. Und meine Gedanken sind nicht die von Jakob. Bloß Jakobs Überlegungen wollen mir einen Streich spielen. Es gibt einen Trick, die Meinungen von Jakob und Jackolus, nicht die Oberhand zu geben.“

„Die wäre, wenn ich fragen kann.“

„Ich muss immer mehr in meinen Schubladen im Kopf kramen, um das Wesentliche zu begreifen und nicht träumen von Jackolus Welt.“

„Okay ich verstehe.“,

Dann sieht er mich an und kommentiert sehr leise: „Wenn ich dich so ansehe, hat Jakob Ähnlichkeit mit dir. Es fällt mir jetzt erst auf. Die Statur passt leider nicht dazu. Die roten Haare und der Bart auch nicht. Den Johannes, den ich kenne, trägt kein Haare im Gesicht, sondern nur auf den Kopf. Wenn du dich rasiert und die Kopfhaare auf die eine andere Farbe änderst, würde ich sagen, du bist im Endeffekt nur fülliger geworden. Ich denke, das hat dein Vater auch gesehen. Warum habe ich das nur nicht gesehen? Vielleicht liegt es daran, dass du ein gutes Verhältnis zu deinen Vater damals hattest. Ich glaube, es ist immer noch so.“

„Was tuschelt ihr beiden da? Dürfen wir auch an unseren Gespräch dran teilnehmen?“, ruft Samuel jetzt dazwischen.

„Nichts und Nein. Ihr dürft nicht daran teilnehmen. Es geht um etwas sehr brisantes“, erwidert Paulus.

„Um was?“, hakt Samuel nach und kommt uns näher.

„Geschäftliches“, erwidert Paulus.

Die Mädels sehen uns drei irritiert an. Plötzlich ruft Florentine: „Lass uns frühstücken. Paulus hat gestern Abend noch einen Tisch bestellt. Ihr beide habt gesagt, es wäre okay, wenn Samuel kommt. Aber es ist schön, dass wir euch nicht wecken mussten, sondern von selbst aufgewacht seid.“

„Haben wir das?“, frage ich Paulus.

„Anscheinend. Ich kann mich nicht erinnern.“

„Ja, dann lass uns los“, teilt uns Sarah mit.

„Können wir uns ein bisschen frisch machen?“, frage ich und zeige auf uns beide.

Samuel gibt einen Spruch ab: „Noch eine Verzögerung? Ist ja bei Paulus immer so.“

Sarah und Florentine nicken. Wir gehen nach einander ins Badezimmer und machen Katzenwäsche. Als wir fertig sind und im Flur stehen, öffnet Sarah die Tür. Dann starten wir.

Zehn Minuten später kommen wir im Café an. Die Bedienung zeigt uns unseren Tisch. Wir setzen uns und bestellen. Da heute Brunch ist, können wir warm und kalt essen. Paulus, Sarah, Florentine und Samuel gehen los. Ich bleibe sitzen und beobachte die Situation. Als die vier wieder sind, gehe ich los. Kurze Zeit später höre ich eine Stimme, die ich nicht zu ordnen kann. Ich drehe mich um und Judith steht da. Sie sieht mich an.

„Kennen wir uns?“

„Nein, warum?“

„Sie starren mich an.“

„Ich war in Gedanken und hörte auf einmal eine Stimme direkt hinter mir. Deswegen schaute ich um. Es hat nichts zu bedeuten.“

„Mein Ex-Freund hat genau das Gleiche gesagt, als wir uns das erste Mal trafen. Verrückte Welt.“

Plötzlich steht Florentine neben mir und hält meine Hand fest.

„Oh, du hast dich getröstet. Wurde auch Zeit. Wenn Johannes wieder kommt, hat dich garantiert vergessen.“

„So ein Scheiß. Zwischen mir und Johannes war nichts. Du siehst weiße Mäuse.“

„Ich will euch echt nicht stören“, sage ich und ergänze noch, damit ich nicht auffliege: „Wenn ihr meine Meinung hören wollt.“

„Wollen wir nicht“, erwidern beide gleichzeitig.

„Mir egal, ich vertrete nur den Standpunkt von Johannes. Wie heißt die Frau überhaupt?“

„Judith“, gibt Florentine als Antwort.

„Also Johannes hat mir gesagt, Judith kann bleiben, wo der Pfeffer wächst. Mache dir keine große Hoffnung und jetzt zu dir Florentine. Du hast recht, die Frau sieht wirklich viele Mäuse. Darauf fährt sie total ab.“

„Du hast eine Macke“, sagt Judith und geht zu einen Tisch. Oh, ich sehe ihre Freundin Wanja ist auch da. Passt. Jetzt bin ich der ungehobelte Kerl, der Judith die schreckliche Wahrheit ins Gesicht gesagt hat.

Florentine sieht mich an und stellt mir eine Frage: „Wer bist du?“

„Jakob, warum fragst du?“

„Weil du so viel von Johannes weiß und ihn nie im Büro besucht hast.“

„Weißt du was?“

„Nein?“

„Privates sollte zuhause bleiben. Bis vor kurzen wohnte ich ja auch weiter weg. Wir sahen uns nicht oft, sondern riefen uns an.“

Mit dieser Erklärung gibt Florentine sich zufrieden und lässt meine Hand los. Es tat gut, ihre Hand in meiner zu spüren. Vielleicht hat sie es auch bemerkt. Sie geht zum Tisch, bleibt stehen und sucht meinen Blick. Unsere Augen verschmelzen und plötzlich wendet sie sich ab. Ich sehe den Grund. Samuel. Was sie an den Typen findet? Kann sie sich so schnell trösten? Dann nehme mir noch ein Hörnchen und gehe wieder zu denen an Tisch. Sarah, Paulus, Samuel und Florentine unterhalten sich. Ich beteilige mich nicht am Gespräch und höre den vieren zu. Immer wieder schaut mich Samuel grimmig an und fragt sich wohl, was ich vorhabe. Eigentlich nichts. Nur mein Leben wieder zurück.

Nach dem Frühstück hat Paulus eine Überraschung für uns. Vor dem Café steht eine Kutsche.

„Leute, rein mit euch“, teilt er fröhlich mit.

„Fahrt man. Ich bleibe hier. Für fünf Leute etwas zu viel“, sage ich.

„Ach, Quatsch“, argumentiert Sarah und flüstert etwas Florentine etwas ins Ohr. Dann wendet sie sich zu uns.

„Also wir haben beschlossen. Du, lieber Paulus setzt dich mit Florentine auf die eine Seite. Ich setze mich mit den beiden übrig  gebliebenen Männer auf die andere Seite.“

„Mit den Beiden geht es nie gut“, wirft Paulus ein.

„Doch, ich sitze in der Mitte.“

Total verrückter Plan, aber was bezweckt sie damit. Wir steigen ein. Jetzt kapiere ich es. Sarah kann so Paulus in die Augen sehen damit es keiner bemerken kann. Geniale Idee. Und Florentine Samuel, schießt es mir in den Kopf. Na, super. Kurze Zeit später sehe ich zu den beiden rüber und sie unterhalten sich leise. Mein Blick wandert zu Samuel. Er sieht wütend aus und ruft auf einmal: „Stopp! Ich will aussteigen.“ Die Kutsche hält und er steigt aus.

„Viel Spaß beim Schmierentheater“, wirft er uns noch zu.

Als die Pferdekutsche wieder in Bewegung und Samuel aus der Hörweite ist, sagt Sarah: „Plan funktioniert!“

„Was? Welcher Plan?“

„Samuel loszuwerden“, gibt sie als Antwort und sieht zu Florentine rüber.

„Sorry, Sarah. Es war eine blöde Idee von mir, Samuel zum Frühstück einzuladen. Ich weiß ja, was du von den Typ hältst. Nächstes Mal treffe ich ihn allein“, teilt sie mit und sieht mir dabei in die Augen. Anschließend ergänzt sie noch: „Oder auch nicht, weil …..“

„Ja, ich weiß“, kommentiert Sarah.

„Weil was?“, hakt Paulus nach.

„Samuel ist ja ganz nett, aber überhaupt nicht meine Wellenlänge. Ich habe mich nur mit ihn getroffen, weil ich dachte, ich könnte jemand dadurch näher sein. Heute ist mir klar geworden, das ist totaler Irrsinn. Den anderen Mann kann er nie ersetzen,  aber jemand anderes könnte es“, teilt sie uns mit und blickt wieder zu mir.

„Ich? Schminkt dir das ab. Ich bin dein Boss“, gebe ich schnell als Antwort. Eher viel zu schnell, um es glaubwürdig zu wirken. Paulus sieht mich irritiert an und sein Kommentar folgt jetzt: „Stimmt. Das geht gar nicht, aber es gäbe eine Lösung.“ Paulus hört auf zu reden und sieht Sarah in die Augen. Jetzt er ergänzt noch und wendet sich zu mir: „Wenn alle mitspielen.“

Sarah grinst und Florentine sieht mich verwirrt an.

Ich höre gar nicht mehr zu und sehe in ihre Augen. Sie wendet den Blick nicht ab. Paulus weiß nicht, wenn Florentine sich in Jakob verliebt, dann kommt Johannes nicht wieder. Ich muss es unbedingt mit ihn klären. Wir können gerne das Thema anschneiden, wenn ich wieder komplett da bin. Plötzlich senkt Florentine ihre Augen. Ich sehe zu Paulus und dann zu Sarah, die sich angeregt unterhalten und ihre Blicke sind ineinander verschmolzen.

Die Kutschfahrt dauert eine Stunde. Wir sehen die Weihnachtsbeleuchtung, den mit kugelbehängten Tannenbaum, den winterlichen geschmückten Park und die Häuser die in Licht erstrahlen. Florentine sieht, nachdem sie den Blick gesenkt hat, nicht mehr zu mir rüber. Wir kommen wieder am Café an. Wir steigen aus.

Sarah und Paulus verabschieden sich von uns. Florentine und ich bleiben dort stehen. Jetzt fängt Florentine an zu sprechen.

„Jakob! Was sollte das heißen? Spürst du es nicht auch?“

„Doch, Florentine. Aber ich bin nicht der, den du für mich hältst.“

„Ich frage dich nochmal, wer bist du?“

„Tine, ich kann es dir nicht sagen. Es sind viele Ungereimtheiten, aber glaube mir, Judith spielt in Johannes und mein Leben keine Rolle. Sie hat mich nie gekannt, aber ich umso besser. Mein Freund war schon lange nicht mehr glücklich, aber er hat alles viel zu spät erkannt.“

„Ich verstehe es nicht. Was soll das heißen?“, gibt sie mir als Antwort.

„Florentine, du kennst mich nicht lange. Ich vertraue mir. Vertraust du mir?“

Sie blickt zu mir und nickt. Dann trete ich zu ihr und nehme sie in den Arm.

„Es wird alles gut, wenn jeder weiß, was richtig ist. Dann kommt Johannes wieder. Ich glaube, ihr beide habt viel zu klären. Du siehst mich nicht, sondern du siehst ihn in mir. Das ist nicht richtig.“

Verdammt was fasele ich da.

Florentine blickt in meine Augen. Stopp. Hier läuft was schief. Unsere Lippen kommen immer näher. Wir dürfen es nicht. Noch nicht.  Im letzten Moment kommt mir die Lösung.

„Samuel und du?“

„Fuck, Jakob! Du zerstörst die Stimmung.“

Das war mein Plan, aber das verrate ich ihr nicht. Ich kann ihr nicht sagen, dass ich vor ihr im falschen Körper stecke.

„Wie gesagt, ich dachte, ich sehe jemand anderes in ihn. Ich habe mich geirrt.“

„Also lass uns Zeit. Ich muss vieles herausfinden und Paulus hilft mir dabei. Vielleicht brauche ich auch deine Hilfe. Wir werden sehen.“

Danach trennen sich unsere Wege. Wie gerne hätte ich gesagt, dass ich, Johannes, im einen anderen Körper stecke. Ich glaube, Iva würde sagen, es wäre nicht gut. Nicht ich habe die drei Geister, die ich rief herausgefordert, sondern Jakob.

Und das ist meine neue Erkenntnis.

 

 

 

Adventskalender – Tag 5

24 Tage
bis
zur Entscheidung

Tag 5
Die beiden Bücher haben mich gestern und heute den ganzen Tag beschäftigt. Irgendwie fehlt mir der ganze Tag vier im Gedächtnis. Ich erinnere mich nur noch Bruchstücke an diesen Tag. Jetzt bin ich in meiner Wohnung und grübele wieder nach. Gestern war ganz schön crazy für mich. Ich habe heute Nacht kaum ein Auge zugemacht, weil ich die ganze Zeit das Buch Peter Pan gelesen hatte. Anschließend nahm ich das Buch, die Geister die ich rief in die Hand. Warum stand es da? Es war nie mein Buch gewesen. Ich sah dann auf meine Uhr. Tag vier war schon total verrückt und heute Morgen ging der Wahnsinn weiter. Erst wusste ich nicht, wo ich war. Das Zimmer kam mir sehr bekannt vor. Plötzlich klopfte es an die Tür und Paulus kam heute Morgen rein.
„Gut geschlafen?“, fragt er mich.
„Nein, ich habe gelesen.“
„Oh, das Buch was du in der Hand hast?“
„Nein, ich wollte es lesen. Ich hatte vorher Peter Pan gelesen.“
„Merkwürdig.“
„Was meinst du Paulus?“
„Peter Pan hat Johannes auch sehr gern gelesen und das Buch“, er zeigt auf das Buch und spricht dann weiter, „die Lektüre hat er nie gemocht. Johannes meinte, es wäre gruselig, wenn man mit der Vergangenheit konfrontiert wird.“
„Echt? Das war wirklich Johannes Meinung über das Buch? Vielleicht habt er ja recht. Darf ich es trotzdem lesen?“
„Meinetwegen. Ich soll dich zum Frühstück abholen.“
Ich setze mich auf und folge Paulus. Alle sind am Tisch versammelt. Alle starren auf meine Hand. Erst bemerkte ich das ich das Buch in der Hand hielt. Ich erklärte kurz, dass ich dort die Lösung finden wollte. Grammy nickte oder hieß sie jetzt Granny. Ach egal. Wir plauderten eine Weile und nach den Frühstückbrunch gehe in meine Wohnung. In meinen Wohnzimmer setze ich mich auf die Couch und fange an zu lesen. Ich kann das Buch nicht weglegen. Grübelnd schaue ich immer wieder aus den Fenster. Habe ich in meiner Vergangenheit so viel falsch gemacht? Judith zu Vertrauen war ein Fehler. Sie betrog mich mit meinen Freund. Jedenfalls dachte ich, er wäre mein Kumpel. Ich konnte Paulus nie sagen, mit wem meine Verlobte mich betrogen hatte. Geglaubt hätte mir eh niemand. Und jetzt? Ich sitze immer noch auf den Sofa und denke über alles nach. Vielleicht wollte das Schicksal mir einen Weg aufzeigen, damit ich meinen Weg ändere. Nicht nur ich hatte ein Problem sondern Jakob auch. Aber warum bin ich in den Körper von Jakob und er in meinen Körper? Jetzt fallen mir die Augen zu und träume.
„Hey Jackolus! Du bist wieder da?“, fragt mich Piet neugierig.
„Bin ich das?“
Iva kommt um die Ecke und erstarrt. Fragend sieht sie mich an.
„Ja, ich weiß Iva. Es ist nicht richtig, dass ich dich jede Nacht besuche. Jeden Tag tauchen neue Fragen auf. Wer bin ich? Bin ich Jakob oder Johannes?“
„Du bist Johannes.“
„Was hat Jakob damit zu tun?“
„Er ist Autor und schreibt deine Geschichte?“
„Wieso schreib er meine Geschichte?“
„Jakob hat genau die gleichen Probleme, wie du sie hast. Er verarbeitet sie als Jakob, Jackolus und Johannes.“
„Also dann gibt es keinen Johannes?“
„Doch, ich sagte doch, du bist Johannes.“
„Ich verstehe es nicht. Erkläre es mir.“
Iva setzt sich neben mich und erklärt mir die Situation. Ich höre ihr genau zu. Als sie ihre Erzählung beendet hat, blickt sie zu mir.
„Also, heißt das…. .“
„Nein, nicht wirklich. Du musst noch deine Hausaufgaben erledigen und am vierundzwanzigsten entscheidet es sich, welchen Weg du gehen wirst. Hole dir Paulus, Sarah und Tine ins Boot. Die drei können dir eine Hilfestellung geben. Vertraue ihnen. Man muss auch mal Hilfe annehmen. Es ist keine Schwäche, sondern der Weg in die richtige Richtung. Einer wird dir bestimmt helfen, den richtigen Pfad zu finden. Je weniger du mich besuchst, um so einfacher wird die Entscheidung sein. Jedes Mal wenn du mich besucht, verschwindet Johannes und du wirst immer mehr zu Jakob. Und das mein Lieber willst du nicht. Jakob hat echt arge Probleme. Wenn die Entscheidung richtig ist, wird sich Jakob an nichts mehr erinnern. Sein Buch gibt er einer Person, die ihn wichtig ist. Dieser Mensch entscheidet, ob Jakob hier bleibt oder ob er sein altes Leben kitten kann. Ihr beide habt so viel gemeinsam.“
„Wieso gerade jetzt?“, will ich wissen.
„Johannes seit einen Jahr bist du hier. Piet hat es von Anfang gewusst, dass du nicht der echte Jackolus bist. Jakob hat ihn erfunden und schrieb eine Geschichte, die er von einer Frau gehört hatte. Diese Person sagte zu ihn, wenn er sie aufschreibt, dann passieren Dinge, die er nicht verhindern kann. Es kann dann nur noch ein Weihnachtswunder helfen, die Dinge in die richtige Reihenfolge zu bringen. Du darfst niemanden sagen, wer du bist. Ein Problem ist, deine Familie kennt dich und sie wissen, welche Last du trägst. Das mit Judith war vorbestimmt. Die Weissagung zu Weihnachten lautet dieses Jahr: Nur die Menschen, um die es sich dreht, können den Weg finden. Ich nehme an, Jakob hat sich in die Geschichte mit hineingeschrieben, um seine Fehler zu korrigieren. Er hat das erste Buch dieser Frau gegeben und ich konnte es nicht anders, es auch zu lesen. Jakob will sein Leben zurück. Verstehst du? Ob du aus der Sache herauskommst, weiß ich nicht. Warte ich zeige dir ein Bild.“
Ein Spiegel öffnet sich und ich sehe einen Menschen an Schläuchen gefesselt. Das bin ich ja, stelle ich fest. Dann verschwindet das Bild.
„Wer ist das?“, will ich wissen.
„Jackolus!“
„Er sieht wie …..“
„Ja, er sieht wie du aus. Da hast du richtig erkannt. Jackolus kann nichts sagen. Er kommt auch jede Nacht zu mir und bittet mich um Hilfe.“
„Wo ist Jakob?“
„Ich nehme an im Körper von…..“
Plötzlich ein Aufschrei. Wir sehen in eine Richtung. Ein Mann steht dort und dann starrt er mich an.
„Ich bin Cosminus. Hey, du kommst mir bekannt vor.“
Leise flüstert mir Iva ins Ohr: „Das ist Jakob.“
„Okay“, gebe ich leise zurück und ergänze, „Was macht er hier?“
„Du bist in Jakobs Körper. Ich sagte schon, er musste sich in die Geschichte hineinschreiben. Das Problem ist, je mehr du Jakob wirst, umso länger bleibt er hier. Du kannst dir bestimmt denken, was dann mit dir passiert, oder?“
Ich nicke.
„Du musst gehen Johannes. Ich habe schon zu viel verraten.“
„Darf ich dich nochmal besuchen?“
„Ja, aber bitte nicht jede Nacht oder wenn du träumst. Du bringst alles durch einander. Jakob will auch wieder zurück, das weiß ich. Jackolus muss wieder zu uns kommen. Sonst kann die Geschichte kein gutes Ende nehmen.“
„Was kann ich tun?“
„Träume nicht oder träume von etwas anderen“, gibt sie mir als Antwort und ich wache auf.
Merkwürdiger Traum. Ich sehe auf die Uhr. Es ist sechs Uhr und dunkel. Habe ich den Tag fünf jetzt total verpennt und bin schon am sechsten Tag? Bin ich wirklich über das Buch eingepennt und habe so ein Mist geträumt? Wenn es war wäre, dann muss ich jetzt spurten. Es sind nur noch achtzehn Tage, um alles zu ändern. Ich sehe auf mein Smartphone. Verdammt, es ist schon achtzehn Uhr, aber dann stelle ich noch fest, wie sind noch am fünften Tag. Jetzt erkenne ich etwas. Es sind noch neunzehn Tage. Mir wird klar was ich machen muss. Noch einen Tag verplempern darf ich nicht. Jede Stunde, die nicht sinnvoll genutzt wird, sind sechzig Minuten verlorene Zeit. Also setze ich mich ins Auto und fahre zu ihr. Ich klingele und die Frau macht auf.
„Du?“
„Ja, ich! Wir müssen reden.“
„Komm rein.“
„Ich setze mich hin und sie macht einen heißen Kakao. Dann stelle ich ihr sehr viele Fragen. Die Frau antwortet auf alle meine Fragen. Im Gegenzug erzähle ich mein Wissen über mich. Als ich auf die Uhr sehe, sage ich: „Ich muss gehen.“
„Nein, bleib Jakob. Du hast so vieles von Johannes gefragt und ich habe geduldig zugehört. Ich hätte nie gedacht, dass du mir so von Johannes erzählen kannst. Hat er dir wirklich alles erzählt?“
Ich beuge mich zu ihr und hauche ihr ins Ohr: „Ja, da ist das Problem. Ich darf dir nicht alles verraten. Hilfst du mir?“
Dann blicken wir uns in die Augen und unsere Köpfe kommen sich näher. Plötzlich klingelt es an der Tür. Sie geht hin und öffnet. Paulus steht vor der Tür. Als er mich sieht, kommentiert er die Situation grinsend: „Ich störe wohl.“
„Nein, komm rein“, sagt sie.
Anschließend holt die Frau eine Flasche Wein und wir unterhalten uns über mich. Sie weiß nicht, dass ich direkt hier sitze. Paulus behält es für sich. Irgendwann fallen mir die Augen zu. Bloß nicht träumen oder etwas anderes. Ja, dass könnte funktionieren. Die Frau küsst mich. Sie ist die schönste Versuchung, die ich kenne. Verdammt, ich muss mich befreien, damit ich ihr alles gestehen und erklären kann. Moment, was sagte mir Iva. Ich muss erst meine Probleme in den Griff bekommen. Aber welche Probleme? Meine oder Jakobs?