Adventskalender – Tag 9

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Tag 9

Es ist jetzt ein Uhr und ich bin immer noch wach. Mein Plan von gestern Abend war, dass ich mich ins Bett lege, um jemand was zu fragen. Aber dafür muss ich schlafen und träumen. Jede Stunde schaue ich auf die Uhr, aber ich muss feststellen, dass es nur Minuten sind. Wie komme ich jetzt bloß dahin? Es ist wichtig. Verdammt,  warum kann ich einfach nicht einschlafen? Wie soll ich eine Lösung finden, wenn ich nicht in meine Traumwelt kann. Jakob könnte dann die Geschichte zu Ende schreiben. Verdammt, nicht er, sondern ich muss es tun. Jakob ist ja gar nicht in der Lage, es zu schreiben. Also, muss ich wohl seinen Roman schreiben. Ich habe so etwas noch nie gemacht, aber es immer das erste Mal, wenn man was Neues beginnt. Ich schließe meine Augen und plötzlich steht Iva da.

„Hey, junger Mann? Mit wen spreche ich jetzt. Es ist langsam etwas verwirrend?“

„Wieso?“

„Johannes, Jakob und Jackolus kommen abwechselnd hier her. Du sieht wie Jakob aus, aber bis du es auch. Habt ihr eure Körper jetzt wieder getauscht?“

„Nein, dass haben wir noch nicht getan. Ich bin Johannes und ich kenne die Lösung, aber ich weiß nicht wie ich dahin komme.“

„Hhm? Was willst du dann von mir.“

„Einen Ratschlag!“

„Okay, erzähle mir erstmal, was die Lösung ist.“

„Also, ich bin Johannes. Jakob will zurück und Jackolus will dich bestimmt bald wieder in den Wahnsinn treiben. Also, fangen wir mal an. Bevor ich zu dir gekommen bin, ist mir ein Gedanke durch den Kopf gegangen.“

„Und der wäre?“

„Ich muss für Jakob das Manuskript schreiben, damit jemand es liest.“

„Okay, das wäre ein Anfang und was willst du von mir?“

„Iva, wie kann ich Florentine sagen, dass ich sie liebe ohne dass sie es auf Jakob bezieht.“

„Ich hätte eine Idee. Soll ich dir den Plan verraten?“

„Ja, sicher.“

„Du muss mir aber erst eine Frage beantworten.“

„Die wäre?“, will ich wissen.

„Liebst du Florentine oder liebt Jakob sie?“

„Du stellst komische Fragen. Okay, ganz unberechtigt ist die Frage nicht. Als ich dachte, ich wäre Jakob, fühlte ich auch was. Stärker wurde es aber……“, teile ich ihr mit und höre mitten im Satz auf. Ich grüble. Ist es wirklich so?

„Johannes, du zögerst mit deiner Antwort. Hat das einen Grund?“

„Ja, Iva. Ich muss gerade überlegen, ob es wirklich so ist oder ob ich es mir nur einbilde.“

„Okay, also beende deinen Satz spontan, dann …. .“

Ich unterbreche sie und sage: „Die Gefühle sind stärker geworden.“

„Weil?“

„Als mir bewusst wurde, dass ich Johannes bin, betrachtete ich Florentine mit anderen Augen. Jakob musterte sie sehr stark. Er versuchte sich vorzustellen, wie ihre Küsse wohl wären. Ich brauche keine Kostprobe, wie ein Kuss von ihr schmeckt…. .“

„Du hörst schon wieder auf. Ich möchte deine Liebeserklärung hören.“

„Ich weiß wie schmeckt und wie riecht. Ihr Vanilleduft liegt mir immer in der Nase. Am Liebsten würde ich sie immer küssen und ich stelle mir sonst noch einiges vor, was wir machen könnten. Ein Jahr lang habe ich versucht, den Kuss von ihr zu vergessen. Wenn der Presse habe ich nach außen die Fassade halten. An den Abend des Kusses erzählte sie mir noch, dass ihr Freund ein Kumpel ist und mehr nicht. Ich war hin und her gerissen. Judith hat mich verletzt, aber hatte ich sie nicht all die Jahre betrogen, weil ich immer an Florentine dachte. Mein Gefühlschaos war perfekt und ich habe es Florentine ausbaden lassen. Nur weil ich meine Gefühle nicht zulassen konnte.“

„Du hast es begriffen! Ein Weg in die richtige Richtung“, gibt sie als Kommentar ab.

„Und jetzt?“

Dann beugt sie ich Iva zu mir und erzählt mir ihren Plan. Sie hat recht, wenn Florentine sich in Jakob, also mein neues Ich, verliebt, dann hat Johannes nie wieder eine Chance. Wir würden unsere Plätze tauschen und ich müsste zusehen, wie Jakob ihr immer wieder weh tut. Die Idee sie mir offenbart, finde ich gut. Ich habe es noch nie gemacht und sollte schleunigst damit anfangen.

Nach diesen Worten öffnen sich meine Augen. Es ist jetzt fünf Uhr morgens. Ich setzte mich an meinen Küchentisch und fange an zu schreiben.

 

Liebe Florentine,

ich habe noch nie einen Liebesbrief geschrieben. Im vorletzten Jahr sind….

Blödsinn! So darf ich nicht anfangen. Ich muss den Brief schreiben, als ob ich vor meinen Verschwinden den Brief geschrieben habe. Dann knülle ich den Brief und werfe ihn in den Papierkorb. Ich fange wieder an und mache es wieder. Ab in den Papierkorb. Diese Vorgehensweise mache ich noch einige Male. Es ist jetzt der zehnte Versuch und es muss klappen.

Liebe Florentine,

bitte verzeihe mir. Ich möchte dir das letzte Jahr gerne erklären. Entschuldige, ich habe so etwas noch nie gemacht. Ich muss es einfach tun. Du erinnerst dich bestimmt noch an unseren ersten Kuss. Oder auch nicht? Dann war es wohl ein grottenschlechter Kuss. Ich kann mich ganz gut erinnern. Seit du in unseren Unternehmen bist, schwirren meine Gedanken nur noch um Dich. Ich wollte Judith nicht verletzen. Aber dann kam der Abend, wo sie mich mit Samuel betrogen hat. Ich war stinksauer und wollte sie nie wiedersehen. Aber weil du einen Freund hattest, dachte ich mir, es wäre das Beste, wenn ich mit Judith die Fassade aufrecht erhalte. Ich wollte mich schützen und sie bewusst von der Gala ausgeladen, weil ich wusste, wie sie tickte. Mir war es recht, dass du mit mir den Ball besuchen solltest und wolltest. Besser konnte es nicht laufen. Ich konnte Zeit mit dir verbringen ohne das jemand auf falsche Gedanken kam. Du hattes einen Freund und du dachtest, ich hätte eine Verlobte. Es war eben eine Distanz da. Leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass dann der Abend so eine Wendung nehmen sollte. Ich brachte dich nach Hause und als wir uns gegenüber standen, war es vorbei mit meinen Vorsätzen. Dein Vanilleduft, den ich jeden Tag an dir rieche, setzte meinen Verstand aus. Ich musste dich einfach küssen. Verwirrt gingst du einen Schritt zurück und hast mich irritiert angestarrt. Dann entschuldigte ich mich bei dir und es gegenüber deinen Freund nicht fair wäre. Und dann teilst du mir mit, dass du gar keinen Freund hast. Ich wollte dir die Situation erklären und in dem Moment klingelte mein Handy. Verdammt, immer im falschen Moment und ich ging dran. Dabei wendete ich mich von dir ab. Judith war dran. Ich würgte sie ab und drehte mich wieder zu dir um. Du warst nicht mehr da. Am nächsten Tag kam Judith ins Büro und tat so, als ob sie noch meine Verlobter wäre. Ich dachte nur, es kann doch nicht sein. Deine traurigen Augen sagten alles. Am liebsten hätte ich dich in den Arm genommen. Daran hat mich aber der Pakt mit Paulus gehindert. Wie gerne hätte ich dir die Wahrheit gesagt. Ein Jahr habe ich uns beide gequält. Ich bin so ein Sturkopf. Vielleicht habe ich mir auch die Gefühle nur zu dir eingebildet, aber jetzt muss es raus. Ich liebe dich schon lange, aber jetzt gebe ich es zu, weil ich einen Plan habe. Den kann ich nur umsetzen, wenn du mir vertraust. Paulus habe ich bereits darüber in Kenntnis gesetzt. Ich hoffe, Sarah und du spielt mit. Jedenfalls hoffe ich, dass ich mich nicht geirrt habe und du die gleichen Gefühle für mich hegst. Wenn nicht, dann vergisst diesen albernen Brief. Wirf ihn weg. Ich werde dann aus deinen Leben verschwinden. Florentine, wenn du mich auch liebst, werde ich an Weihnachten unsere Beziehung bekannt geben. Gib mir nur ein Zeichen, dann können wir in ein Neues Leben starten.

Dein Johannes

Ich lese den Brief nochmal durch. Beim Verschwinden muss ich schmunzeln. Ja, ich wollte damals mich von Acker machen, wenn sie mich nicht wollte.  Irgendwie passt es ja. Ich sehe auf den Uhr. Oh, schon zehn Uhr. Jetzt aber hurtig. Schnell ziehe ich mich an und stecke den Brief ein. Heute bekommt sie den Brief nicht. Alles langsam angehen.

Eine halbe Stunde später komme ich im Büro an. Sarah und Florentine sitzen an ihren Tischen. Paulus kommt um die Ecke und grinst.

„Könnt ihr bitte mal ins Büro kommen?“, sage ich.

 Die beiden nicken und folgen uns. Wir teilen den beiden mit, dass wir unsere Assistentinnen tauschen müssen. Sie bekommen beide einen Schreck. Wir klären Florentine und Sarah auf. Paulus und ich setzen nur den Plan fort, den wir letztes Jahr begonnen haben.

„Wir sollen wirklich die Plätze tauschen?“, fragt Sarah erstaunt.

„Ja, war schon längst überfällig“, teilt Paulus Sarah zwinkernd mit. Sie lacht. Florentine sieht verwirrt aus und sagt: „Jetzt geht es komischerweise. Paulus, letztes Jahr wolltest du nicht. Aber schon gut. Ihr seid die Chefs. Wir sind ja nur die blöden Tippsen.“

„Sarah! Paulus! Lass uns mal kurz allein“, sage ich,

„Okay, dann kann Sarah noch etwas aufschreiben“, gibt Paulus als Antwort und geht mit ihr raus.

„So, jetzt zu Dir, liebe Florentine.“

„Was willst du?“

„Ich erkläre es dir. Paulus und ich haben uns überlegt, mehr mit Euch zusammen zu arbeiten. Es geht aber nur, wenn Sarah nicht für Paulus die Assistentin ist und du nicht meine. Wir wollen euch in Projekte einbinden und du hast die bessere Klassifizierung für Paulus Projekte. Also, bilde dir bloß jetzt nichts drauf ein. Johannes hätte genauso wie Paulus entschieden. Ein Paar kann nie wirklich am gleichen Projekt arbeiten, aber es gibt Ausnahmen.“

„Welche?“

„Ja, liebe Florentine. Das muss du auch noch rausfinden.“

„Aber bitte tue Sarah und Paulus den Gefallen“, sage ich und ergänze in Gedanken auch mir zu liebe. Du darfst dich nicht in Jakob verlieben. So einfach ist das. Leider darf ich es dir nicht verraten. Morgen ist Plan Liebesbrief dran.

„Okay, ich mache es. Wenn es dir so wichtig ist.“

„Nicht nur mir, sondern auch Paulus.“

Nach diesen Satz verlässt sie das Büro und verschwindet in ihr Büro. Dann rufe ich Sarah an.

„Kannst du mal ins Büro kommen?“

„Ja, ich eile“, erwidert sie kichernd.

Kurze Zeit später steht sie vor meinen Schreibtisch.

„Sie haben geläutet, Mister?“, sagt sie scherzhaft.

„Das könnten sie diesmal ausnahmsweise recht haben. Jetzt Spaß bei Seite. Mache bitte die Tür zu.“

Sarah schließt die Tür und kommt wieder zu mir.

„Setz dich.“

„Ihr Wort ist mir Befehl.“

„Sarah, es ist ernst.“

„Du bist Johannes nicht Jakob, oder?“

„Wie kommst du darauf?“

„Wenn du wirklich Jakob Prinz wärst, würdest du anders handeln. Johannes würde so handeln, wegen Florentine. Genauso wie Paulus es für mich tut. Ich hatte mal eine Geschichte gelesen, da wurden die Körper vertauscht. Irgendwie habe ich das Gefühl bei dir auch.“

„Okay, du hast recht. Aber sag es Florentine nicht. Ich habe sie genug verletzt.“

„Echt? Das war eben nur Scherz.“

„Nein, ich muss herausfinden, warum wir die Körper getauscht haben. Dafür brauche ich dich. Florentine können wir es nicht zumuten. Könntest du dich unter der Nummer erkundigen, ob sie einen Jakob Prinz haben oder jemand, der keinen Namen hat.“

„Häh?“

„Ich glaube, wenn es so ist, müsste du hinfahren. Schau genau hin, wer da liegt. Sag mir dann Bescheid. Ich hätte noch eine Bitte.“

„Deshalb habt ihr getauscht?“, sagt sie enttäuscht.

„Nicht nur deshalb. Wir hatten es schon vor einen Jahr geplant, aber dann ist was passiert, was ich nicht beeinflussen konnte. Wir müssen die Körper wieder tauschen und das spätestens am Heiligabend.“

„Okay, war das alles?“

„Nein, könntest du den Brief so platzieren, dass sie ihn morgen Mittag findet.“

„Was steht darin?“

„Eine Erklärung für sie.“

Sarah steht auf und wendet sich zu mir.

„Du liebst sie, oder?“

„Es gibt ein Sprichwort: Ein Genießer genießt und schweigt. Jetzt Klartext. Es geht dich nichts an.“

„Dein Ding.“

„Eben, mein Ding.“

Sie öffnet die Tür und sagt zu mir: „Du liebst sie immer noch.“

„Sarah, es ist meine Sache.“

Dann geht sie raus. Schauen wir mal was passiert.

 

Zwei Stunden spät ruft mich Sarah an. Sie ist außer Haus.

„Hey!

„Was rausbekommen?“

„Ja, da liegt Johannes. Eher verweilt da und starrt Löcher in die Luft. Angeblich redet er nicht viel, aber hört zu und nickt. Mehr habe ich nicht rausbekommen. Wie sein Name lautet,  wissen sie nicht. Er murmelt immer Jackolus. Was soll ich tun?“

„Okay, ich organisiere was. Du bewegst dich nach Hause. Für heute hast du Feierabend.“

Dann lege ich auf und rufe meinen Vater an. Ich erkläre ihn alles. Jonathan will alles weitere in die Wege leiten. Er fährt dort hin und versucht ihn daraus zu holen. Alles weitere würden wir dann besprechen. Auch wie wir Florentine in ein paar Tagen dahin bekommen. Am besten spannen wir Paulus ein. Der hat bestimmt eine Idee, wie wir es hinbekommen, dass die beiden sich sehen. Nach den Telefonat informiere ich Paulus über die Sachlage und teile ihn mit, dass ich Sarah frei gegeben hat. Er sollte zu ihr fahren, damit sie den Schock erstmal verarbeiten kann, besonders weil ich ihr unser Geheimnis verraten habe.

„Du hast was?“

„Ja, sie hat mich in Jakob erkannt. Erst machte sie Scherze, aber ich glaube langsam begreift sie es.“

„Okay. Warte mal“, sagt Paulus und legt den Hörer an die Seite.

„Florentine, du kannst Feierabend machen. Ich gehe gleich und Jakob macht noch ein bisschen.“

„Okay, schönen Feierabend.“

Dann höre ich wie ein Tür geht.

„So, Florentine ist weg. Nur du bist hier. Schönen Feierabend.“

Er legt auf und ich höre seine Tür wie sie geht. Jetzt bin ich allein hier. Also weitere Nachforschung. Plötzlich geht die Tür auf und Florentine steht da.

„Ich dachte, du hast Feierabend.“

„Ja, habe ich auch. Ich wollte dich überreden mit mir einen Trinken zu gehen, wenn es okay ist.“

„Okay, ich mache den Laptop aus und komme.“

Anschließend gehen wir noch in einer Bar.

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