Adventskalender – Tag 7

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Tag 7

Als ich ins Büro eintrete, ist Sarah an ihren Platz. Die Türen von unseren Chefs sind zu. Ich sehe zu meiner Kollegin rüber. Ihr Blick haftet am Bildschirm.

„Guten Morgen Sarah!“

Sie blickt hoch und sieht zu mir.

„Guten Morgen Florentine Sophie Tinka!“

„Warum heute so förmlich?“, frage ich sie irritiert. Tinka ist eigentlich nur ein Spitzname, weil ich gerne Peter Pan als Kind gelesen hatte. Aber das ist lange her. Mein Bruder sagte, ich würde wie Tinka sein. Als Kind regte mich der Name auf und dass nahm mein Bruder als Anlass, mich mit den Namen zu ärgern. Sarah hatte ich die Geschichte anvertraut, weil ich mein Bruder bei mir auf ein Kaffee war. Meine Kollegin war auch mit dabei und bekam es mit als mein Bruder mich Tinka nannte. Ich habe ihr später den Hintergrund erklärt.

„Ach, nur so. Ich grübele über eine Sache, die mir Paulus gegeben hat.“

„Sind sie schon da?“, will ich wissen.

„Ja, beide. Paulus und ich sind….“, unterbricht sie sich und überlegt. Dann setzt sie ihre Aussage fort: „Gleichzeitig erschienen. Jakob kam etwas später. Er hatte heute Morgen gleich ein Gespräch mit Jonathan. Unser Senior Chef ist noch drin.“

„Okay, das heißt für mich….“

„Keine Ahnung. Wir könne ja von sechs bis acht anfangen zu arbeiten. Ich hatte dich ja gestern angeschrieben, dass ich heute früh anfange. Du kannst ruhig später kommen. Wenn du meinst, sie fahren dir an den Karren, dann sagt, wir hätten es abgesprochen. Aber das wäre total Blödsinn.“

Mein Telefon klingelt und ich gehe ran.

„Könntest du mal ins Büro kommen, bitte“, kommt aus den Hörer.

„Ja, ich komme.“

Ich gehe in Jakobs Büro.

„Guten Morgen, Florentine“, sagen die Beiden.

„Guten Morgen!“

„Setz dich bitte.“

Die beiden sehen ernst aus. Habe ich etwas falsch gemacht?

„Alles gut. Es geht dich nicht um dich, aber vielleicht könntest du uns helfen.“

„Wobei?“

Jetzt kommt noch Paulus rein.

„Moin zusammen. Ich habe nichts gefunden.“

„Was sucht ihr denn?“

„Wir haben letztes Jahr einen Vertrag mit einer Firma abgeschlossen. Du hast ihn bearbeitet, aber wir finden es nicht. Sogar Sarah sucht nach den Vertrag.“

„Ich verstehe nicht.“

„Eine Frage, hast du den Vertrag von der Firma Beer abgelegt?“

„Ja, der ist im System.“

„Und wo?“, fragt Jakob und ergänzt, „kannst du es an meinen Computer zeigen.“

„Natürlich“, sage ich und stehe auf. Ich gehe um den Schreibtisch rum und suche den Ordner. Verdammt, wo ist er?

„Der Ordner ist weg? Einfach verschwunden“, sage ich und plötzlich fällt mir etwas ein.

„Wartet mal“, gebe ich noch schnell bekannt und flitze an meinen Arbeitsplatz. Johannes wollte immer alles separat auf einer Festplatte haben, vielleicht habe ich es da noch drauf. Es wäre meine Rettung. Ich hole sie aus der abgeschossene Schublade meines Schreibtisches und renne zurück. Als ich den Raum betrete, sehen mich alle neugierig an.

„So, wenn es im System gelöscht ist, könnte es vielleicht hier noch drauf sein. Johannes wollte es immer separat auf einer anderen Festplatte gespeichert haben. Paulus ist es ja egal. Vielleicht ist das die Lösung.“

Jakob schließt das Speichermedium ein und sieht mich an.

„Ist sie da nicht drauf?“

„Doch, aber warum ist sie im System nicht mehr. Hast du sie gelöscht?“, fragt Paulus.

Jonathan beobachtest das Schauspiel und Jakob stellt mir eine Frage.

„Wer hatte noch Zugriff auf diese Daten?“

„Paulus, Johannes, Sarah und ich.“

„Sonst noch wer? Überlege genau“, teilt mir Paulus mit.

Ich grüble noch das. Es war kurz vor den Verschwinden von Johannes. Hatte Samuel darauf Zugriff? Verdammt, er war den einen Tag an meinen Computer.

„Mir fällt noch etwas sein. Normalerweise hätte er nicht darauf zugreifen können, aber Samuel war einmal an meinen Computer und wollte etwas ausdrucken. Ich habe nicht darauf geachtet, ob der Ordner noch da war. Da ich immer einen Extra Ordner mit Unterordner für unsere Projekte angelegt hatte, ist mir wohl nicht aufgefallen, dass einige Unterordner gelöscht wurde. Ich hätte nie gedacht, dass Samuel so drauf ist.“

„Eine Frage noch“, sagt Johannes und blickt mir direkt in die Augen.

„Welche?“

„Machst du gemeine Sachen mit Samuel?“

Ich stoße ihn entrüstet weg und schreie ihn an. Eigentlich bin ich loyal. Aber wenn mir jemand so etwas unterstellt, den ich mag, dann muss es raus.

„Sag mal, hast du Farn in Arsch? Du glaubst doch nicht, dass ich….“, teile ich mit und breche im Satz ab. Das ist total crazy. Anschließend mache ich eine Kehrtwende und schieße zu Tür raus. Ich höre noch eine paar Worte.

„Sag mal, glaubst du wirklich daran, dass sie was damit zu tun hat?“

„Paulus, ich glaube es nicht. Ich weiß, dass sie es … .“

Ich packe meine Sachen. Genug gehört.

Jakob steht plötzlich vor meinen Tisch.

„Was willst?“

„Wohin willst du?“

Okay, er ist mein Chef.

„Kann ich heute und morgen Urlaub haben? Es ist kurzfristig, ich weiß. Aber ich muss was Dringendes klären. Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich habe mir der Sache nichts zu tun und das beweise ich.“

„Wer sagt, dass du damit etwas zu tun hast?“, fragt er mich allen Ernstes. Ich habe gehört, was er gesagt hat.

„Du, vielleicht?“

Perplex sieht er mich an und flüstert leise: „Es ist ein Missverständnis.“

„Was kann man daran falsch verstehen, wenn du sagst ich weiß…“

„Und was kam danach?“, will er wissen.

„Was wohl?“, sage ich wütend zu ihn.

„Darf ich den Satz beenden, bevor du mich verurteilst oder erklären.“

„Nein.“

„Okay, man kann mit dir nicht reden. Nimm dir zwei Tage frei und wenn du es unbedingt beweisen willst, dann tue es. Tue was du nicht lassen kannst. Beweisen brauchst du es mir nicht.“

Verdattert sehe ich ihn an. Was soll das denn heißen?

„Doch ich muss es tun. Ich lege dir Beweisstücke vor. Auch wenn ich mich mit einen A…. treffen muss. Für mich ist wichtig, dass du weißt, mir kann man mehr Vertrauen“, teile ich mit.

„Ich vertraue dir.“

„Sieht momentan anderes aus. Bis dann.“

Anschließend gehe ich auf den Flur, drehe mich um und Jakob sieht mich traurig an. Habe ich wirklich unrecht getan? Jetzt auch egal. Wenn er auch mir vertraut, ich muss die Wahrheit wissen. Was hat der Typ gemacht, dass ich jetzt in dieser Situation bin. Ich möchte Antworten von ihn. Dann nehme ich mein Handy in die Hand, wähle seine Nummer und gehe die Treppe runter. Das brauche ich jetzt, um mich abzureagieren, um mich abzureagieren. Den Kopf frei zu bekommen und nicht den Fahrstuhl zu nehmen.

 

  

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