Adventskalender – Tag 21

24 Tage

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Tag 21

Nach den Gespräch mit Paulus bin ich losgefahren. Ihn hatte ich gesagt, dass ich nach meinen Eltern fahren wollte. Bin ich aber nicht, sondern erst wollte ich zu der Unfallstelle, wo sie mich gefunden hatten. Was mir nicht in den Kopf will, wo waren meine Papiere und wieso hatte ich in einen gestohlenen Auto den Unfall. Fragen über Fragen, die ich mir nicht beantworten konnte. Ich stand an der Stelle, wo ich den Crash mit den Baum hatte. Was sagten sie, ich kam aus der anderen Richtung. Verdammt, was wollte ich dort? Also fuhr ich weiter und kam auch eine breite Straße. Instinktiv bog ich in die eine Richtung ab und hielt beim Parkplatz an. Ich stieg aus und sah auf das Meer, was kein Meer war. Es war ein See, den sie so nannten. Von hier aus hatte ich einen genialen Blick darüber. Ich war lange schon nicht mehr hier. Normalerweise war ich öfters hier, wenn ich über etwas nachdenken wollte. War ich etwa an den Tag auch hier, als der Unfall geschah? Aber es erklärt immer noch nicht, warum ich in einen gestohlenen Auto ohne Papiere saß. Ich kann mich nicht erinnern und schließe meine Augen. Kleine Erinnerungsbilder schossen mir durch meine Gedanken. Dann öffne ich meine Lider wieder und sah wieder auf den See. Im Sommer funkelte der See, man sah Boote drauf. Es war als machte man Urlaub. Ich genoss immer diesen Anblick und er war nicht weg von meinen Zuhause. Wie die Boote über diesen See fuhren. Man darf dort nur segeln oder mit den Elektroboot drauf. Vielleicht sollte ich mal wieder auf die Badeinsel. Aber nicht im Winter. Es war schön, wenn man um den See fuhr. Teilweise fuhr man durchs Moor. Die Polizei identifizierte mich als Jochen Kloß, der ich nicht war. Jedenfalls soll er mir ähnlich sehen und deshalb kam wohl keiner drauf, dass ich Johannes bin. Ich selber konnte mich ja nicht erinnern, wer ich war und meinen richtigen Namen nennen. Kurz bevor alles so verrückt wurde, fasste man Jochen Kloß. Da stellten sie raus, dass ich nicht der war, für den sie mich hielten. Sie fanden keine Vermisstenanzeige, aber mein Vater sagte, dass sie eine gemacht hätten. Ein netter Polizist wäre bei Ihnen gewesen. Wie sich herausstellte, war der nicht echt? Langsam frage ich mich, in welchen Kriminalfilm ich mitspielte. Iva erzählte mir, als sie den Typ gefasst hatten, veränderte sich Jackolus immer mehr in jemand anders. Habe ich gespürt, dass ich nicht Jackolus war, sondern jemand anders? Meine Erinnerungen kamen wieder und sie musste mich aus ihrer Welt gehen lassen. Es kehrte nicht Jackolus zurück, sondern Jakob. Jackolus war die ganze Zeit in meinen Körper gefangen, was er ja immer noch ist. Als ich diese Gedankengänge immer wieder durch ging, klingelte mein Telefon. Die Nummer kannte ich nicht und eine Frieda meldete sich. Sie fragte mich, warum ich nach Ina und Jan suchen würde. Stimmt, ich hatte rausgefunden, dass sie vor fünf Jahren mit ihren Freund Peter verschwunden waren. Es passte irgendwie. Also verabredeten wir uns. Ich überlegte, wie lange ich brauchen würde von hier und rechnete noch. Grob geschätzt höchstens eine Stunde. Das sagte ich sie ihr. Da meinte Frieda, dann sollte ich jetzt kommen. Also fuhr ich zu ihr. Eine junge Frau öffnete mir und stellte sich als Tina Kaufmann  vor. Sie bat mich rein. Ihre Mutter Frieda saß am Tisch.

„Setzen sie sich junger Mann.“

„Ja, gerne. Ich bin Johannes. Sie meinten ja, wir können uns mit Vornamen nennen.“

Tina sieht von mir zu ihr und verschwindet.

„Sie ist meine Tochter. Es hat sie hat getroffen, als ihr Bruder Jan vor fünf Jahren plötzlich verschwand.“

„Okay, wann genau und wo ist er verschwunden?“

Dann erzählte mir Frieda, was passiert war. Ich wurde nachdenklich. Irgendwie klingt die Geschichte ähnlich. Er liebte Ina und als er ihr seine Liebe gesteht, verschwindet er. Sie liebte ihn auch und wollten zusammen sein. Dann rief sein Freund Peter an und war von ihn enttäuscht, weil er nichts erzählt hatten. Die beiden wollten sich treffen und seit dem Tage waren beide verschwunden.

„Wie verschwunden?“

„Peter, Ina und Jan sind seit fünf Jahren von Erdboden verschwunden. Keiner kann sagen, wo sie sind. Von Peter und Jan hatten sie die Autos gefunden. Sie waren leer. Keine Spur von ihnen.“

„War denn Ina dabei und wo hatten sie denn die Autos gefunden?“

Frieda erzählte mir, wo sie die Autos gefunden hatten. Ich erschrak. Genau an der Stelle, wo mich Jakob aus den gestohlenen Auto gezogen hat. Wo wollten sie hin und was ist passiert.

Jetzt kommt ihre Tochter rein.

„Sind sie Journalist oder warum forschen sie nach?“

„Nein, ich bin nicht von der Presse. Aber ihre Geschichte könnte mir weiterhelfen. Ein Freund ist auch vor einen Jahr verschwunden und tauchte vor einigen Tagen wieder auf. Ich versuche irgendwie Parabeln zu ziehen. Kennt einer von euch ein Buch, wo ein Jackolus mitspielt.“

„Ja, mein Bruder hat mich für verrückt erklärt. Kurze Zeit später war er plötzlich nicht mehr das. Ina war damals mit einen Gideon zusammen. Er hat mir auch das Buch gegeben. Ich sollte die Geschichte zu Ende schreiben. Gideon bestand darauf. Erst fand ich es witzig und wollte es nicht. Aber irgendwie hatte mich das gereizt. Folglich fing ich an und schrieb ein Paar Seiten. Es machte einfach Spaß.  Ich tat  gut und schrieb Ina und Peter ins Buch.“

„Wieso die beiden?“

„Es war eine Schreibtherapie, weil Peter mich nicht bemerkte. Peter stand auf Ina. Ich wollte Klarheit haben. Was fand er bloß an ihr? Mein Bruder war auch verrückt nach ihr.  Jedenfalls schwirrte mir der Roman Peter Pan im Kopf rum. Also musste es auch einen bösen Jack geben. Der auf das Verhältnis von den beiden wütend war und sein. Ich nannte ihn Jacko, Ina nannte ich Eva und Peter Pitt. Vor einen Jahr kam ein Samuel vorbei. Er wollte das Buch, weil sein Freund Jakob Prinz eine Vorlage brauchte.“

Ich sah sie irritiert an. Jetzt langsam begriff ich. Tina hatte sie in  das Buch hineingeschrieben. Jakob hatte die Namen verändert und so können sie nicht mehr raus. Tina und Frieda sahen mich an. Ein älterer Mann kam in den Raum und stellte sich als Frederik Kaufmann vor. Der Vater von Tina und Jan.

„Wer sind sie? Wieder ein Reporter?“

„Nein, bin ich nicht. Es hört sich jetzt verrückt an. Ich glaube, ihre Tochter hat Jan, Ina und Peter in einen Roman verewigt. Wollen sie das die drei wieder zurückkommen?“

„Sie sind verrückt.“

„Ich erkläre es ihnen.“

Dann erzähle ich ihnen was es damit auf sich hat. Herr Kaufmann erklärte mich für einen Spinner.

„Wissen sie was, ich gebe ihnen ein Buch. Lesen sie es bitte. Wenn sie immer noch der Meinung sind, dass ich ein Spinner bin, dann ist es halt so.“

Ich stand auf das Buch und gab es Tina.

„Sind sie sicher, dass sie im Buch sind?“

„Glauben sie mir, meine Granny sagt, es ist so. Ich bin im Körper von Jakob Prinz. Das Einzige was für mich wichtig ist, dass ich wieder in meinen Körper komme, weil ich jemand wahnsinnig liebe. Verstehen sie jetzt, warum es mir wichtig ist.“

Tina sieht auf das Buch und meint leise : „Es sieht wie das Buch aus. Wo ist Peter jetzt oder Jan?“

„Gehen sie zu mir nach Hause und reden sie mit Jackolus. Erinnern sie ihn an etwas, was sie beide verbindet.“

Ich schreibe die Adresse von meinen Eltern auf und gebe sie ihr. Tina nimmt sie und teile ihr noch mit: „Erschrecke nicht. Er ist in meinen Körper. Aber versuche alles, dass er auch Piet und Iva zu den Gespräch bittet. Tina sie würden uns helfen. Ich glaube, sie wissen nicht mehr wer sie sind. Und das am besten vor den dreiundzwanzigsten Dezember. Am vierundzwanzigsten ist der Tag, wo sich etwas ändern kann. Es hört sich irrsinnig an, aber es wäre ein Möglichkeit, die Welt wieder recht zu rücken.“

Sie nickte und sagt: „Ja, es ist wie ein Alptraum. Also wenn es war ist, dann will ich es versuchen. Haben sie auch eine Telefonnummer?“

„Ja, ich schreibe sie mit auf den Zettel. Und verlangen sie unbedingt mit Johannes zu sprechen.“

Dann gibt sie mir den Zettel zurück und notiere es noch darauf. Anschließend gebe ich ihn zurück. Danach bin ich gestern in mein Auto gestiegen und bin zu meinen Eltern gefahren. Ich habe ihnen den aktuellen Stand mitgeteilt. Ich bin im Anschluss nach Hause gefahren.

Diese Erkenntnis hat mich gestern aufgerüttelt. Es steckt so viel dahinter. Ich stehe in meiner Küche und trinke meinen Kaffee. Wie spät ist es überhaupt? Mein Blick wandert zu meiner Armbanduhr. Sechs Uhr morgens. Es klingelt an der Tür. Wer will so früh was von mir? Also beschließe ich die Tür zu öffnen. Sophie steht davor.

„Was machst du hier?“

„Ich wollte nach dir sehen. Warum bist du gestern ohne ein Wort abgehauen?“

„Wieso? Hast du den Zettel nicht gefunden?“

„Doch! Ich hätte aber selber entschieden, was ich wollte.“

„Okay, komm rein.“

Wir gehen in die Küche.

„Möchtest du einen Kaffee?“

„Ja, gerne.“

Ich mache einen Kaffee und wir unterhalten uns. Eine Stunde später taucht Paulus auf. Die beiden beschließen zur Arbeit zu fahren. Ich verabschiede mich von ihnen. Kurze Zeit später ruft mich mein Vater an und ich fahre hin.

„Moin.“

„Guten Morgen, komm bitte mit.“

Als ich den Raum betrete, stehen da Jackolus, Iva, Piet und Tina zusammen. Sie sehen zu mir.

„Hallo Johannes! Schön, dass du es einrichten konntest.“, teilt mir Jackolus mit und sagt noch: „Wieso hast du diese Frau mit hinein gezogen.“

Plötzlich geht Piet zu Tina rüber und küsst sie auf den Mund. Alle schauen auf die beiden und Piet verwandelt sich. Tina geht ein Schritt zurück und scheuert ihn eine. Jackolus schreit ihn plötzlich an: „Lass die Finger von ihr.“

Iva starrt Jackolus entsetzt an und flüstert: „Das ist deine Liebe, Jackolus.“

„Nein“, erwidert er.

„Sie ist meine Schwester. Verdammt wie heißt sie noch mal. Stimmt sie heißt Tinka.“

Jetzt sehe ich verwirrt an. Dann erklärt mir Jackolus Tinka setzt sich aus den Vor- und Nachnamen zusammen. Stimmt sie heißt Kaufmann mit Nachnamen.

„Ich dachte, Piet würde Iva lieben?“

„Hast du Sockenschuss?“, fragt Piet entsetzt.

„Ich kann mich erinnern, dass Iva mit Gideon ein Paar war. „

„Wohlgemerkt, waren….“, teilt jetzt Tina mit. „Aber wenn Peter nichts von Ina wollte, warum …. .“

„Du warst eifersüchtig und hast die falschen Schlüsse gezogen“, stelle ich fest.

Iva geht auf Jackolus zu und küsst ihn. Plötzlich verändert sich auch er für einen kurzen Moment. In diesen Moment taucht Herr Kaufmann auf und erstarrt. Als er sich langsam berappelt, sagt er zu mir: „Ich wollte Tina holen, weil ich sie für Verrückt hielt.“

Mein Vater erscheint auf der Bildfläche und sieht Herrn Kaufmann an.

„Fred, bist du das?“

„Johnny, du hier?“

Sie fallen sich in die Arme. Also, gibt es noch eine Verbindung. Dann erzählen uns die beiden, woher sie sich kennen. Mein Onkel Frederik, wurde Freder genannt und er Fred von Jupiter, damit man sie auseinander halten konnte. Sie kannten sich von der Schule. Jonathan bittet Frederik mit zu seiner Mutter zu kommen. Er drehte sich um und sah mir in die Augen. „Ich fand, Granny war verrückt, aber dass es mir selbst so verrücktes passiert, hätte ich nicht für nötig gehalten.“

Darauf verschwindet er mit meinen Vater.

Tina fängt an zu sprechen.

„Sehe ich das richtig, es gibt noch eine Verbindung zu unseren Familien?“

„Ich glaube schon“, erwidere ich.

Iva und Piet verabschieden sich. Jackolus, Tina und ich beratschlagen, was wir als nächstes tun. Ich werde nicht mehr zur Arbeit fahren. Eins ist klar. Es liegt in Tina und meiner Hand es zu ändern.

Adventskalender – Tag 20

24 Tage

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Tag 20

Johannes war gestern noch hereingeschneit und jetzt sitzen wir hier immer noch in Dunkeln. Er sitzt an meinen Rücken. Wir sehen uns nicht an und sitzen auf den Boden. Es hört sich für ausstehende vielleicht verrückt hat, aber es war die beste Idee von allen. Als er das vorgeschlagen hatte, dachte ich, Johannes wäre verrückt. Ich muss gestehen, es hat funktioniert. Wenn ich ihn sehe, hätte ich immer gedacht, Jakob steht vor mir. Jetzt im Dunkeln lausche ich seiner Stimme und ich habe das Gefühl Johannes sitzt mir am Rücken, dass er wirklich hier ist. Erst führten wir eine Unterhaltung und dann hatten wir beschlossen, uns mit den Händen festzuhalten. Jeder sollte sich den anderen vorstellen. Johannes sagt auch nicht Florentine zu mir, sondern Sophie. Er meinte, so könnte er sich an den Namen besser gewöhnen.

„Johannes?“

„Ja?“

„Hast du geschlafen?“

„Nein, du?“

„Nein, ich konnte nicht schlafen?“

„Ging mir genauso. Zu wissen dass du da bist, reicht mir aus. Dich zu berühren, gibt mir die Gewissheit, es ist real!“

„Warum bist du eigentlich wirklich gekommen?“

„Ich wollte mit dir reden und dann…“

„Was dann?“, will ich wissen.

„Sophie, der Hauptgrund war, dass ich bei dir sein wollte. Die anderen Gründe sind gar nicht so wichtig. Unsere Unterhaltung hat mir nur bestätigt, was ich schon immer wusste.“

„Und was? Höchstwahrscheinlich, dass wir nicht zusammen passen.“

Seine Körperhaltung ändert sich und seine Wärme verlässt meinen Rücken.

„Johannes, was ist los?“

„Weshalb denkst du das?“

„So wie du mich ein Jahr vor deinen Verschwinden behandelt hast. Und der Brief war doch nur Fake.“

Jetzt sagt er nichts mehr. Es liegt Stille vor mir. Ich muss alles wohl alles verderben. Plötzlich hält mir Johannes die Hand hin. Ich nehme sie und er zieht mich hoch. Dann gibt mir Johannes zu verstehen:  „Nein, ich denke was ganz anderes. Es hat mir nur bewiesen, dass ich recht hatte. Wir sind Seelenverwandte auf ganzer Linie. Unser Gespräch war eine Bestätigung meiner Gefühle für dich.“

„Wie soll ich das verstehen? Du siehst mich als Freund und nicht mehr?“

„Meine Gefühlschaos hat einen Namen und wenn ich richtig liege, ist dein Gefühlszustand derselbe. Bis heute Nacht, war mir nicht wirklich klar, was du für mich fühlst. Ich kann nicht ohne dich sein, weil ich dich liebe. Wenn ich darüber nachdenke,  können deine Gefühle ähnlich sein oder täusche ich mich etwa? Bilde ich mir etwas ein, was es nicht gibt?“

„Nein, ich liebe dich auch. Meine Gefühlswelt ist plötzlich im Einklang mit der Liebe?“

„Häh?“

„Ich dachte, du hast mich nur geküsst, weil ich unter den Mistelzweig stand.“

„Nein, nicht deshalb. Nur eine Gelegenheit um dich zu küssen. Wie hätte ich mich sonst vor der Presse rechtfertigen können. Offiziell war ich ja für die Presse noch mit Judith zusammen, aber mein Herz gehörte schon seit den ersten Tag dir. Und der Kuss vor deiner Haustür? Da war keine Presse und kein Mistelzweig. Wenn ich daran erinnern kann. Ich wollte dich immer wieder küssen. Erst musste ich den Weg freiräumen für dich und mich. Falsche Hoffnungen wollte ich dir nicht machen. Immer diese Regeln, dass man mit seiner Assistentin nichts anfängt, war sehr präsent. Unsere gemeinsame Zeit an Silvester ist mir nur wage in Erinnerung. Ich hatte mich wegen dir betrunken. Egal was ich tat, ich kam nicht auf den grünen Nenner. Moritz war relativ nüchtern und drehte diese Videos. Er wollte mir und Paulus zeigen, wie vernarrt wir in unsere Assistentinnen waren. Jedenfalls als er mir sie zeigte, war ein Jahr vorbei. Ein Jahr, wo ich dich merkwürdig behandelt hatte. Du musstest denken, ich hätte dir nur was vorgespielt und anschließend abserviert. Immer wieder hatte ich den Gedanken weggewischt, dass aus uns noch was werden kann. Ich darf es nicht tun. Florentine hatte einen Freund. Ich darf die Beziehung nicht zerstören. Es war Selbstschutz. Was falsch war. Meine Gedanken gingen nur um dich. Dann bekam ich  mit, dass du gar keinen Freund hattest. Er nur ein guter Kumpel war. Ich war in der Zwickmühle, weil ich versucht hatte, meine Gefühle zu ignorieren und man kann auch sagen, sie nicht zu zulassen. Als ich das Video sah, war es ein Schock. Ich erkannte, du hast dich an den Abend offenbart. Es war ein halbes Jahr vorher, als ich das eine Video von Moritz bekam als ich ihn am Neujahr getroffen hatte. Kurz nachdem ich dich zuhause abgeliefert hatte. Er hatte es aufgenommen, als er mich abholte. Paulus schlief im Auto. Ich sagte nur, sie hat gar keinen Freund und muss eine Lösung finden. Moritz sagte, er hätte alles dokumentiert. Das Video zieht er auf einen USB-Stick und schickt es mir. Leider bekam dann merkwürdigerweise einen Auftrag, den er in Mailand hatte. Wir konnten uns nicht sehen. Jedenfalls wollte er diese Videos nicht per Post schicken. Es war wie verhext. Hätte ich es eher gewusst, hätte ich dich nie ignoriert oder sonst der gleichen?“

„Nein?“

„Nein! Weißt du was ich jetzt möchte?“

„Keine Ahnung.“

„Ich würde dich gerne küssen. Darf ich es?“

„Tue dir keinen Zwang an.“

Dann beugt er sich zu mir und küsst mich. Es ist nicht Johannes und löse mich von ihn. Ich entscheide jetzt, dass ich es nochmal probiere. Also küsse ich ihn nochmal. Plötzlich fühlt sich es wie Johannes an. Ich greife in seine Haare. Fuck, es ist Johannes. Nach dieser Feststellung gehe ich einen Schritt zurück.

„Wir sollten wo anders weitermachen?“

„Ich verstehe nicht?“, erwidert er.

„Du wirst es sehen. Nimm meine Hand.“

Johannes nimmt meine Hand und ich ziehe ihn ins Schlafzimmer.“

„Wir dürfen es nicht.“

„Warum nicht Johannes?“

„Ich bin im Körper von Jakob.“

„Warte hier. Ich mache das Licht an.“

„Tue es nicht, du verdirbst alles.“

„I wo.“

Ich lasse mich nicht beirren und bewege mich Richtung Lichtschalter. Er will mich daran hindern, aber er schafft es nicht. Wenn Johannes denkt, er kommt so durch. Pustekuchen. Ich zeige es ihn. Als ich am Lichtschalter bin, drücke ich drauf. Jetzt drehe ich mich um und sehe Johannes vor mir.

„Schau in den Spiegel.“

Er wendet sich zum Spiegel und ist verwirrt.

„Wie kann das sein? Iva hat gesagt, ich würde nur einmal gehen. Warum hat sie mich angelogen?“

„Vielleicht weißt sie es nicht besser oder wir haben einen Weg gefunden, den Fluch zu durchbrechen.“

Jetzt kommt er auf mich zu und küsst mich. Ich erwidere den Kuss und anschließend ziehen wir uns aus. Johannes trägt mich zum Bett und legt mich sanft hinein. Dann lieben wir uns. Ich verstehe es nicht ganz, aber es ist einfach gut. Nach einiger Zeit schlafe ich ein, weil ich weiß, dass ich heute noch zur Arbeit muss.

Ich wache auf und Johannes ist nicht mehr da. Es liegt ein Zettel auf meine Kopfkissen.

Liebe Sophie!

Es war wunderschön mit dir. Aber ich muss los.. Wir hätten es nicht tun sollen, bis wir wissen, was es zu bedeuten hat. Ich muss Iva fragen, warum wir plötzlich wieder wir selbst sind. Als ich heute Morgen im Spiegel sah, war ich nicht mehr Johannes, sondern Jakob. Ich wollte dir den Anblick ersparen. Du sollst nicht denken, ich habe es ausgenutzt. Ich liebe dich wirklich. Ich weiß nicht, wer ich bin? Warum kann ich zwischen den Körper hin- und herspringen? Dieses Rätsel muss ich lösen. Bleibe bitte heute zuhause.! Ich werde Paulus in Kenntnis setzen, dass du heute von zuhause arbeitest. Sagen wir Home Office für heute. Ich werde ihn erklären. Wenn ich dich heute ständig sehe, dann werden die Bilder vor meinen Augen lebendig. Ich würde dich immer wieder küssen wollen. Aber ich weiß nicht, welche Auswirkungen es für den weiteren Verlauf ist. Meine Befürchtung ist, dass ich dann immer in Jakob Körper fest sitze. Wie soll ich Jakobs Frau erklären, warum ich nicht der bin, den sie meint. Es ist total verwirrend-

Dein Johannes.

Das ist echt super. Hätte er es mir nicht persönlich sagen können. Ich sehe auf die Uhr. Es ist gleich acht Uhr. Mein Telefon klingelt. Ich gehe dran. Paulus ist am anderen Ende. Er sagt, dass es heute erst mal besser ist, wenn ich von zuhause arbeitet bis Johannes mehr weiß. Ich kann nur antworten, dass es für mich okay ist. Sarah bringt mir meinen Laptop, damit ich arbeiten kann. Sie würde in einer halben Stunde bei mir erscheinen. Dann legt er auf. Es wird immer eigenartiger und verrückter. Wo soll das nur hinführen? Eine halbe Stunde später klingelt es an der Tür. In der Zwischenzeit habe ich geduscht und angezogen. Sarah steht davor. Ich öffne.

„Hier ein Kaffee für dich.“

„Danke.“

Meine Kollegin setzt sich auf mein Sofa. Dann fängt sie an zu sprechen.

„Sag mal, warum schickt dich Paulus ins Home Office?“

Wieso Paulus? War es nicht Jakob bzw. Jakob?, schießt es mir durch den Kopf. Also kommt meine Antwort prompt.

„Johannes wollte, dass ich zuhause bleiben. Er möchte mir heute nicht über den Weg laufen?“

„Häh? Habt ihr Stress?“

„Nein, es ist nur was passiert. Wir wissen nicht, was das zu bedeuten hat.“

„Was ist denn geschehen?“

„Sarah, ich kann es dir nicht sagen. Es ist einfach kompliziert. Ich verstehe es ja auch nicht.“

„Okay, also ich gehe jetzt wieder. Viel Spaß beim Home Office.“

„Werde ich haben.“

Dann geht sie und ich setzte mich an meinen Laptop. Ich sehe meine Mails an. Eine Mail ist von Paulus. In Betreff steht Home Office Aufgaben.

Hallo Florentine!

Du machst heute nichts. Ich habe Sarah nur unter einen Vorwand zu dir geschickt. Bevor er zu seinen Eltern gefahren ist, hat er mir erklärt, was passiert ist. Nicht alles, nur dass er plötzlich in deiner Nähe Johannes war.

Ich hoffe es ist für ich in Ordnung. Sarah wollen wir noch nichts von den neuen Entwicklungen verraten. Ich musste es Jakob (Johannes) versprechen, dass ich schweige. Das Johannes in Jakobs Körper steckt ist immer noch für mich verwirrend. Aber wenn du etwas tun möchtest, könntest du die Mail beantworten. Vielleicht längt dich etwas ab. Ich habe dir die passenden Ordner auf deinen Rechner geschoben, damit du sie bearbeiten kannst. Aber wie kann Johannes zwischen den Körpern springen. Langsam wird es mir unheimlich. Dir bestimmt auch. Ich melde mich, wenn Johannes sich meldet. Wir hören uns.

Paulus

P.S. Ich glaube es ist für dich genauso verwirrend, wie für mich und Johannes. Du wirst bestimmt keinen Kopf für die Arbeit haben. Sarah würde versuchen herauszubekommen, was mit dir los ist. Aber Johannes hat gesagt, es sollen so wenig wissen, wie möglich.

Adventskalender – Tag 19

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Tag 19

Was für ein Tag war das gestern. Ein total irrer Tag, würde ich sagen. Mein Vater rief mich an und ich fuhr hin. Der Johannes, der auf der Couch im Wintergarten lag, war plötzlich gesprächig geworden. Jackolus sagte immer, Jakob müsste kommen. Ich traf ein und ging gleich zu ihn.

„Was ist los Jackolus?“

Iva trat ein. Wieso ist sie hier? Mein Vater steht hinter mir und starrt auf Iva.

Sie bricht das Schweigen zwischen uns.

„Johannes und Jackolus müssen die Körper tauschen. Es ist wichtig.“

„Es geht doch?“, frage ich verwirrt.

„Nur heute geht es, Johannes!“

„Wieso nur heute“, will ich von Iva wissen.

„Weil es eine Konstellation in der Gleiche gibt, die es möglich macht.“

„Ich verstehe dich nicht Iva. Jackolus, was sagst du?“

„Sorry Alter. Ich bin nicht Jackolus sondern Jakob. Wir müssen jetzt unbedingt tauschen.“

„Jakob? Etwa der wo ich drin stecke?“, frage ich irritiert.

„Ja, du hast es richtig erkannt.“

„Warum gerade jetzt?“

„Sophie ist in Gefahr!“, teilt mir Iva mit.

„Ich lass euch allein. Ganz ehrlich, ich halte mich jetzt raus und gehe jetzt. In zwei Stunden muss ich bei meinen alten Schulfreund sein. Wir hatten uns durch Zufall getroffen und wie es der Zufall will, ist er Anwalt. Ich will eine Meinung von ihn. Sein Schwiegersohn würde mich vertreten, der heute anwesend ist. Warum er mich nicht vertritt, kann ich nicht genau sagen. Es wäre eine private Angelegenheit, die er regeln muss. Er meinte nur, seine Tochter müsste es ihn direkt beichten. Frage mich nicht, was da los ist. Ich ziehe mich um und unterhalte mich kurz mit Granny.“

Anschließend lässt mich Vater mit den anderen allein.

„Who is fuck is Sophie? Sorry, ich muss eigentlich heißt es ja Alice. Wer ist jetzt Sophie?“

Jakob gibt mir Unterlagen und sagt: „Wir  müssen tauschen, sonst kann ich meine Ehe nicht mehr retten. Verstehst du? Es gibt eine Regel, die besagt, wir können für einen Tag wieder wir selbst sein.“

„Warum heute?“

„Iva sagt, Sophie ist in Gefahr?“

„Wer ist zum Teufel ist Sophie?“, will ich erneut wissen.

Jetzt spricht Iva.

„Du kennst sie unter Florentine. Sie hat ihren zweiten Vornamen benutzt. Du weißt auch, wie sie richtig heißt. Ein Typ war am Tag deines Verschwindens bei Dir. Er wollte alles ans Licht bringen. Zum Beispiel die Geschichte mit Judith und auch Florentine wollte er schaden. Du wusstest auch, dass nie das eine Foto in der Zeitung erschien. Ein junger Anwalt hat es untersagt. Du bist auch hinter der ganzen Geschichte zu kommen. Es hängt so vieles daran. Moritz hat es bestätigt und du wolltest mit Paulus darüber reden. Viele Geheimisse hast du auf gedeckt und deshalb hattest du auch den Unfall. Alles sollte unter den Teppich gekehrt werden. Samuel wollte verhindern, dass du mit Florentine zusammen kamst. Damit herauskam, dass Sophie und du spontan was total Verrücktes gemacht habt. Er wollte sie, aber Sophie wollte ihn nicht. Verstehst Du jetzt? Sophie ist Florentine.“

„Warum hat sie das getan?“

„Lese bitte meine Unterlagen. Ich bin auch dahinter gekommen und wollte dich warnen. Kurz vorher war ich in dein Büro und Samuel meinte, du bist verschwunden. Und zu den Zeitpunkt warst du noch gar nicht verschwunden. Jedenfalls fuhr ich dir hinterher und kam an die Unfallstelle. Ich holte dich aus den Auto. Du murmelst immer, Sophie ist in Gefahr. Ich liebe sie. Am liebsten würde ich den Körper tauschen und ihr reinen Wein einschenken. Jedenfalls hat es die Hexe Irka gehört. Iva konnte es nicht verhindern. Irka hatte eine Rechnung mit Jackolus offen. Es war ihr Plan. Nur weil ich die Geschichte auch von Granny kam.“

„Wieso hast recherchiert?“

„Weil ich für mein Buch über deine Familie Informationen brauchte. Irgendwer erwähnte im Café, dass ihre Freundin lustigerweise Tinka heißt und unter den Namen Florentine bei euch arbeitet. Ihre Freundin wäre unglücklich verliebt. Das war wohl der letzte Zutat, die Irka brauchte, um alles zu verändern.“

„Ist das jetzt real?“

„Ja.“

„Wie tauschen wir jetzt?“

Iva spricht etwas aus und wie sind wieder in den Körper wo wir hingehören. Aber nur für heute.

Ich setze mich hin und lese die Unterlagen. Es sind auch Notizen von mir drin. Verdammt. Jetzt verstehe ich die Hintergründe. Michel ist so ein Arsch. Plötzlich bekam ich ein komisches Gefühl. Iva sieht mich an.

„Mein Bauchgefühl sagt, ich muss ins Büro.“

„Dann fahre jetzt.“

„Wo ist Jakob?“

„Seine Angelegenheit zu regeln.“

Nach dieser Information rase ich ins Büro. Wer ist der Typ, der Sophie festhält? Jetzt fällt mir wieder ein, warum ich zu Florentine, na gut, sie heißt Sophie wollte. Ihr sagen, es ist mir egal wäre, wer sie ist. Ich würde ihr beschützen, weil ich die Geschichte kenne. Michel ist ein Kumpel von einen alten Freund. Aber jetzt sehe ich sie. Durch die Wortfetzen kann es nur Michel sein. Ich stürze rein und geige ihn seine Meinung. Sophie und ich unterhalten uns kurz. Gerade will ich ihr sagen, dass ich sie liebe, aber ich komme nicht zu. Mein Vater ist dran und fragt mich, ob ich ihn seinen Freund fahren kann. Er wird dran gehindert. Jemand hätte sein Fahrzeug als gestohlen gemeldet. Also verabschiede ich mich und fahre dorthin. Als ich da bin, kläre ich es auf. Mein Vater hatte mal wieder keine Papiere mit und mir predigt er es jedes Mal. Ich fahre wieder ins Büro. Sophie ist weg. Mein Plan war, dass ich weiß, dass sie Sophie Florentine heißt und nicht Florentine ihr Rufname ist, macht die Angelegenheit verwirrend. Ich beschließe zu meiner Mutter zu fahren. Kurze Zeit später trifft mein Vater bei uns ein. Er berichtet uns, was er heraus gefunden hat. Dann bin ich in mein altes Zimmer gegangen. Heute Morgen wache ich wieder in meiner Wohnung auf. Es war ein verrückter Traum. Ich fahre zur Arbeit. Im Büro sitzt Florentine und Sarah.

„Florentine, können wir kurz reden?“

„Ja, aber Sarah macht doch deinen Kram.“

„Ist etwas persönliches.“

Sarah sieht mich irritiert an. Florentine folgt mir und schließt hinter mir die Tür.

„Was ist Jakob?“

„Sophie, wir müssen reden.“

Sie sieht mich geschockt an und fragt mich dann: „Sein wann weiß du es?“

„Länger wie du denkst.“

„Ja?“

Ich nicke.

„Warum verrätst du mich nicht?“

„Weil Johannes dich liebt und ich es nicht zulassen werde, dass dir jemand weh tut.“

„Mit wen rede ich jetzt? Mit Jakob oder Johannes?“

„Dreimal darfst du raten.“

„Dann sag mir, warum bist du gestern plötzlich in deinen Körper aufgetaucht?“

„Lass es mich bitte erklären.“

Sophie nickt. Ich muss mir den Namen einprägen. Normalerweise rede ich sie mit Florentine an. Dann fahre ich fort und erzähle ihr alles. Sie hört mir genau zu. Anschließend sieht Sophie verwirrt an. Also war es doch kein Traum. Ich beuge mich zu ihr und frage: „Es war gestern kein Traum, oder?“

„Nein, scheint nicht so. Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie man Körper tauschen kann.“

„Du spielst doch auch eine andere Rolle. Wenn ich mich recht erinnere, hast du dein Jura Studium als beste abgeschlossen.“

„Ja, ich weiß. Aber du? Du bist im anderen Körper. Irgendwas sträubt sich in mir, dass zu glauben.“

„Ich finde es auch verrückt, aber ich kann es nicht ändern. Wie du siehst haben wir jetzt jedenfalls was gemeinsam.“

„Was?“

„Wir sind nicht die, die wir sind!“

„Ja, du hast recht.“

„Was wollte mir denn gestern die Person Johannes sagen? Warum wollte er zu mir?“

Nach dieser Frage muss ich es tun und beuge mich zu ihr. Dann hauche ich ihr ins Ohr: „Kannst du dir das nicht denken?“

Ich gehe wieder auf meine Ausgangposition und halte mit ihr Blickkontakt. Sie wird rot. Das habe ich vermisst.

„Mich küssen?“

„Auch, aber nicht nur.“

Plötzlich wird die Tür aufgerissen und Paulus steht da. Er sieht zwischen mir und Sophie.

„Florentine?“

„Ja?“

„Bist du nicht für mich zuständig?“

Sophie will sich erheben.

„Paulus, wir mussten was persönliches regeln. Du hast bestimmt Verständnis dafür, das ich es nicht vor Sarah regle, oder?“

„Meinetwegen, wenn es sein muss?“

„Was ist dir denn über die Leber gelaufen?“

„Florentine lässt du uns mal alleine?“

Sie nickt und geht.

„Was ist los, Paulus?“

„Wir sind alle Lügner?“

„Wieso?“

„Du hast es richtig gehört. Und tue nicht so, als wüsstest du es nicht.“

„Was meinst du?“

Paulus erzählt mir etwas, wo mir Ohren schlackern. Als er seine Geschichte beendet hat, nehme ich die Unterlagen, die ich meiner Tasche habe.

„Lese das und entscheide du. Ich wollte es dir schon vor einen Jahr geben. Aber wenn du Samuel mehr glaubst als mir, ist es dein Problem.“

Zum Glück hatte ich es kopiert. Ich wollte es Paulus erst heute Abend geben, aber es muss jetzt sein.

„Du entschuldigst mich bitte.“

„Wo willst du hin, Jakob?“

„Da wo mein Körper ist. Ich muss ihn was fragen. Viele Fragen und keine Antworten.“

„Ich hoffe, du findest die Antworten.“

„Das ist mein Plan. Und du?“

„Ja?“

„Du liest das und wir reden später.“

Dann geht Paulus und Sarah kommt rein.

„Sag mal, tickt er jetzt ganz aus? Mich behandelt Paulus seit gestern wie Luft.“

„Es wird sich wieder ändern. Vertraue mir.“

Sophie tritt ein.

„Florentine, bist du nicht Paulus Assistentin.“

„Ja, er hat mich nach Hause geschickt.“

„Wieso?“

„Keine Ahnung. Ich wollte von Jakob eine Erklärung haben.“

„Wisst ihr was? Machen wir Feierabend. Ihr beide kauft euch was Schickes für Heiligabend. Alle Welt soll wissen was wer wir sind.“

„Du wirst auch etwas eigenartig“, kommentiert Sarah.

Anschließend gehe ich an den beiden vorbei. Ich höre noch Sarah sagen: „Wir haben merkwürdige Chefs. Heiligabend bin ich meinen Eltern. Was Sophie antwortet, höre ich nicht mehr. Schnell fahre ich zu Granny. Meine Eltern sind heute nicht da. Sie öffnet mir die Tür. Jackolus steht in der Tür. Heute nicht mehr auf den Sofa?

„Hey Jackolus oder bist du Jakob?“, frage ich.

„Ich bin Jackolus. Das Iva diese Regel gefunden hat, ist grandios gewesen, findest du nicht auch?“

„Warum hilft uns Iva?“

„Ich bin so blöd?“, teilt er uns mit.

„Johannes! Ich gehe schon in mein Bereich. Du kannst ja nachkommen.“

„Ja, Granny.“

Als meine Oma verschwunden ist, frage ich ihn: „Warum bist du so blöd?“

„Ich habe die Erkenntnis gewonnen, dass Iva es nur tut, weil sie mich lieb. Sie will dass ich zurückkomme. Iva will eine Mischung zwischen Jakob, Dir und mir. Ich weiß jetzt, dass sie recht hat. Böse zu sein, ist nicht wahre Jakob. Sorry, Jakob, wenn du mich hörst. Aber der Spruch geht so. Ich hoffe auch, dass Jakob seine Angelegenheiten geregelt hat.“

„Wenn nicht?“

„Tja, dann können wir am 24. Dezember nicht zurück. Unsere Frauen können uns nicht erlösen. Wir sind die Lösung. Wenn wir alles wieder in die richtige Richtung leiten, dann kann das Böse nicht siegen. Ich weiß auch, dass du und Piet Freunde geworden sind. Eins muss ich dir jetzt gestehen. Irka ist es ein Dorn ein Auge, weil Piet und ich damals öfters miteinander geredet haben. Es ist ein Fluch auf mir. Ich muss der Böse sein, aber der will ich nicht sein. Dieses alles hat mir gezeigt, dass es auch ein anderes Leben gibt. Wir sind im Buch gefangen und müssen herausgeschrieben werden. Jakob hat nur die alte Legende von deiner Granny aufgeschnappt. Für ihn war es eine Spinnerei. Er hat so viel geforscht. Deshalb gab es die Berichte.“

„Wie lange seit ihr im Buch?“

„Seit Iva und ich uns gestritten haben. Ich weiß gar nicht, wer wir wirklich sind. Es kommen nur Bruchstücke aus meinen Leben immer wieder in meinen Träumen. Ich erzählte es Piet. Er ist auch schon lange in diesen Buch und kann sich auch nicht erinnern. Wir wollen verhindern, dass Euch das auch passiert. Heiligabend geben Mittag wird sich das Schicksal entscheiden. Werde ich dann immer in deinen Körper sein und du in Jakobs? Wir wollen es beide nicht. Ich kann auch Sophie nicht küssen, deswegen nehme ich meine ganze Kraft zusammen und tausche mit dir. Du willst sie immer küssen, aber so funktioniert es nicht. Wir müssen einen Plan haben.“

Jemand räuspert sich. Wir drehen uns um. Meine Granny steht da.

„Also, ich hätte eine Idee. Aber ich brauche eure Hilfe. Folgt mir.“

„Wolltest du nicht auf mich warten?“, frage ich sie.

„Ja, aber dann dauerte es mir zu lange. Folgt mir.“

Dann setzen wir uns in Bewegung. Sie geht in die Küche und kocht einen Kaffee. Wir setzen uns um den Tisch. Iva kommt rein und hilft meiner Oma. Als der Kaffee durch gelaufen war, setzten sie sich hin. Iva sieht zu Jackolus rüber und sagt: „Ich hoffe, es wird bald eine Ende haben.“

„Was?“, will ich wissen.

„Das wir wieder wir sind. Eine Weissagung hat es vorhergesagt. Wenn jemand ein Jahr im Buch gefangen ist und merkt, er will das nicht, ist es eine Chance etwas zu verändern. Du hast dir gezweifelt. Ich bin zu jemand gegangen, der mir gesagt hat, wie ich dich wieder nach Hause schicken kann. Das du wieder der sein kannst, der du bist. Das Problem am ganzen ist, dass Sophie sich auch für jemand ausgibt, der sie nicht ist. Ihr müsst zu Euch stehen. Verstehst du? Ich muss jetzt herausfinden, wer wir beide sind.“

Meine Großmutter räuspert sich. Wir sehen alle zu ihr hin. Sie erzählt uns eine Geschichte. Sie hört sich fast wie unsere an und nimmt an, dass es sich immer wiederholt, wenn jemand das Buch liest. Vor Jakob gab es schon mal so einen Fall. Es war vor über zehn Jahren. Ein junges Paar verschwand und keiner weiß was mit denen passiert ist. Ihr Freund ist auf die Suche gegangen und kam auch nicht wieder zurück. Sie nimmt an, dass Iva, Jackolus und Piet das gleiche Schicksal ereilt ist, wie ihr. Auch ich teile dieses Geheimnis. Dann erklärt sie ihren Plan, so dass alle wieder dahin zurückkehren, wo sie her kamen. Meine Oma konnte nicht sagen, wie das Paar und ihr Freund heißen. Ich werde es herausfinden.

Adventskalender – Tag 18

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Tag 18

Den ganzen Tag war es merkwürdig im Büro. Jakob hat mich ignoriert. Sarah hat auch nicht mit mir gesprochen, weil sie ständig in Zimmer von Jakob war. Paulus war unterwegs. Ja und ich? Ich habe dort gesessen, mir die Projekte angesehen. Jetzt ist wieder so ein Moment, wo ich nachdenke, ob es doch nicht besser gewesen wäre, wenn ich in meinen studierten Beruf ausübe. Weshalb hatte ich damals es abgelehnt bei meinen Vater zu arbeiten? Ich wollte damals nicht ständig Michel über den Weg laufen. Ich hatte mich dann mit den Nachnamen meiner Freundin hier beworben und meinen Zweitname als mein Rufname auserkoren. Florentine war der Name einer meiner Großtanten. Sie haben ihn mit angehängt. Vor ein paar Jahren war es ein Vorteil, dass ich zwei Vornamen hatte. Eigentlich heißt ich Sophie Florentine. Mein Name Spitzname Tinka bekam ich von meinen Bruder verpasst. Zu Sarah habe ich gesagt, dass ich als Zweitnamen Sophia heißen würde. Dass mein richtiger Name Sophie war, behielt ich für mich. Dann habe ich nur eine weitere Lüge erzählt. Als wir Noah mal trafen, stellte ich ihn vor und verschwieg ihr, dass es mein Bruder war. Wie sollte ich ihr erklären, dass Noah einen anderen Nachnamen hatte. Es sind so viele Lügen. Sogar das ich behauptet hatte, dass er Hannibal Noah heißt und nicht Noah Hannibal. Hannibal war unser Großonkel. So viele Unwahrheiten, die ich gestreut hatte.  Mein Vater Stefan Taucher ist ein erfolgreicher Anwalt. Mein Bruder ist nach seinen Studium bei ihn eingestiegen. Michel ist ein Freund von ihn und wir waren zusammen. Wir alle hatten das Gleiche studiert, aber jeder eine andere Fachrichtung. Was Noah nicht weiß, was er getan hat. Erst hat er mich betrogen und als ich mich trennen wollte, hatte er mich geschlagen. Das war ein halbes Jahr vor unseren Abschluss. Mein Ex-Freund wollte mit einsteigen, aber das er trug ich nicht. Also kam meine Freundin auf die Idee, erstmal etwas anderes zu machen. Das sind jetzt dreieinhalb Jahre her. Ich glaube, ich muss meinen Eltern und meinen Bruder dieses mitteilen, sonst werden sie mir immer vorhalten, dass ich umsonst mein Studium gemacht hätte und das mit Auszeichnung. Ich bin selten bei meinen Eltern, aber warum war gestern mein Bruder Noah hier? Also mein Plan ist für heute: 1. Nach meinen Eltern zu fahren oder wie Noah immer sagt zum alten Herren. 2. Beichten, was mir auf der Seele liegt und 3. Johannes und Jakob vergessen. Ich bin so in meinen Gedanken vertieft, dass ich nicht merke, dass jemand den Raum betritt. Nach meinen Gedankengang schreibe ich noch kurz diesen Bericht fertig und gehe dann auch. Sarah ist schon seit einer Stunde weg. Jakob hat sich auch schon verabschiedet. Jemand räuspert sich und sehe hoch. Maurice! Oh scheiße, woher weiß er es?

„Hallo Sophie! So trifft man sich wieder.“

„Anscheinend! Was willst du hier und wer hat dir das gesagt, dass ich hier bin?“

„Ich habe deinen Bruder gesagt, dass ich dich heiraten will und alles versuchen würde, dich zurückgewinnen. Wenn ich schon Partner bei deinen alten Herrn werde, wäre es doch eine gute Idee unsere Beziehung wieder aufleben zu lassen. Findest du nicht auch?“

„Du Arsch! Du wagst es hier aufzutauchen. Lass mich in Ruhe und wir werden nie wieder zusammen kommen“, schreie ich ihn an.

„Das werden wir schon sehen“, teilt er mir mit und hält meinen Arm fest. Der Typ widert mich an.

„Lass mich los?“

„Nein, warum sollte ich meine Frau loslassen. Du kommst jetzt brav mit. Wie ich weiß hast du keinen Freund und wir haben ein Geheimnis zusammen?“

Ich will gerade fragen, was für ein Geheimnis, aber dazu komme ich nicht, weil ich eine Stimme höre.

„Lass meine Verlobte los, sonst rufe ich dir Polizei. Sophie hat dich gebeten sie loszulassen.“

„Wer bist du?“, fragt er ihn und lässt mich tatsächlich los.

„Johannes, mehr muss du nicht wissen. Also verschwinde von hier.“

„Du hast mir gar nicht zu sagen, wie heißt du noch mal Hannes?“

„Nein, Johannes! Und ob ich was zu sagen habe. Du befindest dich in meiner Firma.“

Wütend sieht Michel mich an und sagt: „Wir sprechen uns noch. Du wirst den Kerl da nicht heiraten. Dafür werde ich sorgen.“

Nach diesen Satz verschwindet mich. Johannes steht vor mir, nicht Jakob. Was soll das?

„Was machst du hier?“

„Dich beschützen Sophie. Was denn sonst?“

„Du weißt wie ich heiße?“

„Ja, ich weiß auch den Grund, warum ich vor einen Jahr spurlos verschwunden bin.“

„Der wäre?“

„Du bist der Grund?“

„Ich verstehe nicht. Und warum behauptest du, dass wir verlobt sind.“

„Weil ich es mir wünsche.“

„Dein Wunsch?“

„Eher mein Traum. Du weißt ja, Träume gehen nicht immer in Erfüllung.“

Jetzt wird es noch verrückter. Woher kennt er meinen Namen? Warum sagt er das?

„Kannst du mir erklären, wie du es rausgefunden hast?“

„Mir hat jemand vor einen Jahr eine Zeitung in die Hand gedrückt und gesagt, der Artikel wurde gelöscht. Ich verstand nicht, warum unser Kuss Foto nirgendwo erschienen ist. Ich recherchiere und fand heraus, dass unser Anwalt es veranlasst hatte. Im Internet war ein Foto von Euch als ihr noch sehr jung gewesen seid. Ältere Fotos gab es nicht. Als Noah dann vor mir stand, konnte ich ihn nicht einordnen. Erst als ich einen Bericht von der Kanzlei in den Händen hielt, wusste ich wer er ist. Ja, dann habe ich eins und eins zusammengezählt.“

„Du hast mich gestalkt?“

„Nein, eigentlich war mein Plan, bevor ich den Artikel erhielt, zu dir fahren. Dann kam so ein schmieriger Typ und verlangte Geld,  dass  er das Geheimnis nicht  preisgibt. Es wäre ein Skandal gewesen, wenn das rausgekommen wäre. Danach stieß ich mein Vorhaben um. Ich wollte erst rausfinden, warum du es getan hast. Ich telefonierte mit Moritz und der erwähnte, dass er dein Geheimnis kannte. Der nächste Schritt war Paulus in Kenntnis zu setzen und dich dann anschließend was zu fragen…“

„Was denn?“

Ein Telefon ging. Johannes ging dran und drehte sich um. Kurz telefonierte er und wendete sich wieder zu mir: „Wir müssen unser Gespräch später weiterführen. Ein dringender Notfall.“

Dann verschwindet er. Ich mache meine Datei zu, den Rechner runter und tue es ihn gleich. Raus hier. Ich muss erstmal Luft schnappen. Heute hatte ich mein Auto um die Ecke geparkt, weil ich heute Morgen schon einmal um den Block gelaufen bin. Was wollte mich Johannes vor einen Jahr fragen? Warum sagt er, ich bin seine Verlobte? Hält das Michel ab? Mittlerweile bin ich beim Auto angekommen, steige ein und fahre zu meinen Eltern. Nach zehn Minuten komme ich an und klingle an der Tür. Meine Mutter Martha macht auf.

„Schön, dass du es einrichten kannst. Ich freue mich so, dass dein Verlobter auch kommt und mit einsteigt. Warum hast du nicht gesagt, dass ihr wieder ein Paar seid. Michel und du seid ein Traumpaar“, sagte sie.

„Momentmal. Wer sagt das?“

„Was meinst du?“

„Das ich mir Michel verlobt bin.“

„Dein Verlobter. Papa freut sich so, dass er sein Schwiegersohn wird und hat ihn den Partnerschaft angeboten. Er ist ein feiner Kerl.“

Mein Vater Stefan kommt um die Ecke und umarmt mich. Noah steht mit seiner Frau Neele im Hintergrund. Anschließend umarmen wir uns. Ich muss das jetzt klären, bevor Papa was Falsches tut.

„Paps! Noah! Können wir reden.“

„Wollen wir nicht auf Michel warten?“

„Nein, wir müssen es vorher klären.“

„Wir gehen ins Arbeitszimmer. Schicke Michel dahin.“

„Nein, wir drei. Kein anderer.“

„Okay. Mama kannst du ihn beschäftigen?“, fragt Noah.

Sie nickt und wir drei gehen in sein Büro.

Ich bitte die beiden sich zu setzen, weil ich ihnen was erzählen müsste. Danach sprudelt es nur aus mir heraus. Als mein Blick auf Noah fällt, wird mir klar, es ist keine gute Idee. Ich beende meinen Vortrag und sehe meinen Vater an und er kommt auf mich zu. Dann umarmt mich Stefan und flüstert leise: „Warum hast du nichts gesagt?“

„Ich wollte nicht die Versagerin sein“, gebe ich leise zurück.

Mein Bruder springt plötzlich auf und fragt mich allen Ernstes: „Du denkst dir das doch nur auf, nur weil du eine Affäre mit Johannes hast.“

„Nein“, schreie ich zurück und krame in meiner Tasche. Dann finde ich den Brief mit den Bildern und gehe ihn es. Er liest ihn durch und wird blass.

„Hat er das getan oder Johannes?“

„Johannes kannte ich zu den Zeitpunkt nicht. Das war Michel.“

„Den Kerl bringe ich…“

„Stopp“, unterbreche ich ihn und ergänze den Satz mit den Worten, „ der Kerl ist es nicht wert. Ich will nur, dass er nicht Partner wird. Ich glaube, dass mein Chef vor einen Jahr verschwunden war, hatte es mit ihn zu tun. Lasst ihn zappeln. Ich finde es raus, was es damit auf sich hat.“

„Deshalb hast du den Job in der Firma angefangen.“

„Ja, ich wollte erstmal weg von allen. Sorry. Johannes weiß, dass ich Sophie heiße. Ich hoffe, ihr versteht mich.“

„Was ist dein Plan?“

Ich erzähle ihnen mein Vorhaben. Die beiden sind damit einverstanden. Wir tun so, als ob alles in Ordnung ist. Michel in den Glauben lassen, dass er Partner wird. Ich steige erst in die Kanzlei an, wenn ich sicher bin, dass Michel mir nicht mehr zu Nahe kommt. Es klingelt. Wir gehen ins Wohnzimmer. Neele sitzt auf den Sofa. Meine Mutter geht an die Tür. Michel kommt rein. Martha bittet uns zu Tisch.

„Also Michel, bevor du Partner werden kannst“, sagt mein Bruder etwas säuerlich. Ich weiß, er würde ihn am liebsten eine reinhauen. Aber dann berappelt er sich. Mein Vater spricht in seiner ruhigen Art weiter: „Muss du noch einen Fall von Noah übernehmen.“

„Okay und welchen?“

Mein Vater erläutert ihn den Fall.

„Aber das ist doch Noahs Fachgebiet“, sagt er.

„Ja, aber Noah muss in einer anderen Angelegenheit etwas tun.“

Jetzt klingelt es wieder. Mein Vater geht an die Tür. Kurze Zeit steht Stefan mit Jonathan in der Tür.

„Darf ich vorstellen? Es ist mein alter Schulfreund Jonathan. Wir sind uns die Tage über den Weg gelaufen. Noah wird seinen Fall bearbeiten.“

Johannes Vater sieht uns an und sein Blick bleibt bei mir stehen.

„Diese junge Frau kommt mir bekannt vor“, gibt er von sich und fragt mich dann: „Kennen wir uns nicht?“

„Nein“, gebe ich als Antwort.

„Ihr entschuldigt uns. Noah kommst du mit.“

Die drei verschwinden. Michel fühlt sich sicher. Meine Mutter und Neele wissen nicht, was wir vorhaben. Martha ist gut zu durchschauen. Eine halbe Stunde später erscheinen die Herren wieder. Jonathan gibt mir die Hand und blickt mir ins Gesicht. Er dreht sich so, dass Michel es nicht sieht. Zwinkernd sagt er  : „Ich habe sie verwechselt. Entschuldigen sie bitte.“

„Alles gut“, erwidere ich.

Dann geht er. Ich verabschiede mich auch kurz darauf. Michel will mich begleiten. Noah hält ihn davon und verwickelt ihn noch in ein Gespräch. Jetzt schnell weg von mir. Meine Mutter sieht mich irritiert an. An der Tür sage ich noch: „Ich erkläre es dir später oder Paps.“

Kopfschüttelnd lasse sie an der Tür zurück. Als ich am Auto bin, steige ich ein und fahre los. Ich hoffe, mein Ex-Freund weiß nicht wo ich wohne.

Adventskalender – Tag 17

24 Tage

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Tag 17

Mal wieder ein Tag vergangen, aber so richtig weitergekommen bin ich nicht. Warum war gestern Iva da? Hatte ich so viel verraten, dass sie auftauchte? Weshalb hat Jackolus durch Jakob gesprochen? Verwirrend. Plötzlich ein Knall und ich blicke auf. Iva steht da.

„Johannes, ich muss dich rügen“, sagt sie zu mir.“

„Wieso Iva?“

„Du hast zu viel verraten. Florentine hat Zweifel.“

„Wie meinst du das? Ist es eine Zerrissenheit ihrer Gefühle?“

„Nein, sie ist ungläubig. Sie glaubt nicht an Märchen.“

„Ich verstehe es nicht, was du damit meinst.“

„Sie muss an Weihnachtswunder glauben.“

Es klopft.

„Herein.“

Ein junger Mann, den ich vorher noch nie gesehen habe, betritt den Raum.

„Hallo, ich bin Noah Friedrichs. Ist Johannes nicht da? Oh, ich störe, wie ich sehe.“

„Nein, Nein. Die Dame möchte gerne. Kennen sie ihn?“

Iva funkelt mich böse an. Dann blickt sie zwischen mir und Noah hin und her.

„Jakob, es ist nicht das letzte Wort gesprochen“,  teilt sie mir wütend mit. Ich widme ich meinen Besuch.

„Kann ich Ihnen vielleicht weiterhelfen?“

„Nein, Johannes wäre besser.“

„Also jetzt Butter bei den Fischen? Was wollen sie von ihn.“

„Ihnen das hier zeigen.“

„Was ist das?“, frage ich.

„Ein Video. Es betrifft meine Schwester Sophia und Johannes?“

„Wer ist verdammt Sophia?“

Plötzlich stürmt Florentine rein. Sie sieht Noah abergläubisch an.

„Was machst du hier?“, poltert  sie los.

„Beruhigt dich. Johannes ist nicht da. Wer ist das überhaupt?“, sagt er und zeigt auf mich.

„Das ist Jakob oder ist es Johannes. Ich weiß es nicht“, gibt sie verwirrt als Antwort und rennt raus. Der junge Mann hinterher. Was war das denn? Leise schleiche ich zur Tür, die einen Spalt offen ist. Ich kann sie nicht sehen, aber hören.

„Sei froh das Sarah heute später kommt. Wenn sie dich sieht, verrät sie dich.“

„Also gut. Ich habe Paulus und Sarah zu einen Treffen mit den alten Herrn geschickt.“

„Warum?“

„Du weißt warum. Es ist Zeit aufzuwachen und nicht alles durch die rosarote Brille zu sehen.“

„Ach Noah, warum?“

„Du weißt, ich liebe dich. Ich kann auch nicht zulassen, dass du ins Unglück rennst. Johannes hat es nicht verdient, aber die Wahrheit zu kennen, wäre für ihn zum Vorteil.“

„Wie meinst du das?“

„Johannes war kurz vorher bei uns und bat mich etwas aufzubewahren. Sein Vater informierte uns darüber, dass er wieder da ist. Ein Jahr war er verschwunden und dann taucht…“, teilt er ihr mit.

„Hat Euch der Vater von Johannes nicht erzählt, was passiert war.“

„Schon, aber glaubst du am Märchen? Du glaubst doch nicht wirklich, dass in Jakobs Gestalt Johannes steckt. Ich habe Johannes nie kennengelernt, aber du wolltest diesen Job unbedingt. Warum hast du dich darauf eingelassen?“

„Nein, es ist Blödsinn. Total schräg! Aber mein Bauchgefühl sagt, da könnte was dran sein und mein Kopf sagt Nein.“

„Wach auf. Johannes tut dir nicht gut. Auch Jakob nicht. Du muss sehen, was wirklich zählt. Familie, Freunde und alle dir dich lieb haben.“

„Noah, hör bitte auf. Ich kenne meinen Weg.“

„Bist du dir sicher?“

Ich räuspere mich und betrete den Raum.

„Kann ich helfen?“

„Noah, du kannst Jakob vertrauen. Ja und ich mir sicher.“

„Okay, gehen wir wieder in ihr Büro?“

„Ja, nach Ihnen.“

Im Büro gibt er mir einen Umschlag und schreibt etwas auf einen Zettel. Den gibt er mir dann. Ich lese ihn. Johannes gab diesen Umschlag bei uns in die Verwahrung. Was drin ist, weiß ich nicht. Wir müssen jetzt ganz normal reden, aber den Umschlag nicht erwähnen. Damals hatte Johannes das Gefühl abgehört zu werden. Da Florentine die Hand für sie ins Feuer legt, ist es wohl laut Johannes okay, wenn sie den Umschlag an sich nehmen. Bitte geben sie den Umschlag weiter. Danke.

Ich schreibe zurück. Sie haben doch gesagt es ist ein Video.

Er schreibt eine Notiz darunter. Ja eine Fake Video, falls uns einer hört.

„So, so ein Video. Was soll darauf sein?“

„Starten sie doch das Video“, befiehlt er mir und gib mit eine CD in die Hand.

Noah und ich sehen uns das Video an. Er sagt dann ganz laut. „Hammer, deswegen hat er so einen Aufstand gemacht. Ist doch harmlos.“

Ich lache. Auf so eine Idee würde ich immer kommen.

„Tja, dann hatte ja Johannes viel Spaß auf den Segeltörn. Die ganzen Weiber um ihn herum, nicht ganz zu verachten, finden sie nicht auch Noah?“

Der junge Mann sieht mich skeptisch an und ich zwinkere ihn zu. Er versteht es.

„Da haben sie recht Jakob. Johannes ist ein Weiberheld, wie er im Buche steht.“

Am liebsten würde ich Noah fragen, was es mit Florentine und ihn auf sich hat.  Ist es ihr Freund? Lügt sie mich an?

„Ich werde Johannes das Video zeigen, aber vorher kopiere ich es auf mein Laptop.“

„Gute Idee“, erwidert er und gibt mir eine High-Five Luftschlag. Ich tue es ihn gleich.

Dann verabschiedet er sich und sagt : „Du bist in Ordnung, Jakob.“

Er öffnet die Tür und sagt zu Florentine: „Wir sehen uns morgen um acht beim alten Herrn.“

„Wenn es sein muss.“

„Ja, es muss sein.“

Anschließend ist Stille. Ich gehe zu Florentine rüber und will etwas zu ihr sagen. In dem Moment stürmen Paulus uns Sarah ins Zimmer. Mein Cousin bittet mich um ein Gespräch. Er teilt mir mit, wo er war. Der ältere Herr sagt, nur ich würde die Wahrheit kennen. Aber was für eine Wahrheit? Ich erkläre ihn kurz, dass ich noch was erledigen muss. Danach fege ich durch sein Zimmer, gehe an den Damen vorbei in mein Büro. Kopiere das Video auf die Festplatte. Nach getaner Arbeit bringe ich ihn zu Sarah zur Aufbewahrung. Dann verabschiede ich mich und weg bin ich. Für mich zählt nur eins. Ich muss wissen, was sich im Umschlag befindet. Jedenfalls muss es wichtig sein, wenn Noah Friedrichs so geheimnisvoll tut.

Adventskalender – Tag 16

24 Tage

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Tag 16

Gestern waren wir bei Paulus und Sarah. Ich wusste gar nicht, dass ihr Vater eine Jagdhütte im Wald hatte. Irgendwie war es unheimlich. Zum Glück war Jakob mit dabei. Ich wäre nie alleine dort hingefahren. Es standen so viele Tannenbäume um die Hütte. Ob Sarahs Vater die auch als Weihnachtsbäume verkauft? Ich wusste ja, dass ihr Vater ein Waldstück besitzt, aber das dort so viele Tannen standen, wusste ich nicht. Links neben der Hütte stand ein Hochsitz. Er hat wohl die besten Tage hinter sich. Geht einer eigentlich aus ihrer Familie zur Jagd? Sarah sagte, es wäre die Jagdhütte ihres Vater. Ich sitze hier jetzt im Büro und arbeite schon mal die Unterlagen durch, um die mich Paulus heute Morgen telefonisch gebeten hat. Sarah hat einen Tag Urlaub genommen. Paulus ist noch unterwegs und Jakob? Keine Ahnung, wo der steckt. Seit   Abend habe ich ihn nicht gesehen. Habe ich ihn gekränkt, weil ich alleine sein wollte? Es war für mich ein Schock, mich so zu sehen. Wann kann das gewesen sein? Silvester vor ungefähr zwei Jahren? An den Tag bin ich das erste Mal mit zu einer Silvesterparty von Sarah gegangen. Ich kannte die Leute nicht, aber es war witzig. Irgendwann hatte ich ein Blackout. Das Paulus und Sarah sich an den Abend näher gekommen sind, ist mir total neu. Sarah war wohl genauso verpeilt wie ich, oder? Sie war genauso erschrocken wie ich. Aber was hatten wir da an? Normalerweise habe ich so etwas gar nicht im Schrank. Oder es sind Fake-Fotos. Jakob kommt nachdenklich rein. Ohne Worte geht er in sein Büro. Was ist denn mit den los? Ich stehe auf und klopfe kurz an. Es kommt kein Herein von ihn. Also drücke ich auf die Klinke und öffne die Tür. Er starrt mich irritiert an und findet dann wohl seine Sprache wieder.

„Moin Florentine! Ist was besonders?“

„Nein, du bist nur an mir vorbei geschlichen und hast mich nicht beachtet. Hast du was von Johannes rausbekommen?“

„Er meinte, es bestimmt Fake-Fotos. Johannes kann ich nicht mehr an den Abend erinnern.“

„Geht mir genauso. Wo war das überhaupt? Vor zwei Jahren war ich mir Sarah auf einer großen Party, aber sonst war es mehr ein Sit in.“

„Ich denke, es war auf der Silvesterparty. Aber das Kleid sah rattenscharf an dir aus. Führst du es mir noch einmal vor?“

„Jakob?“

„Ja?“

„Ich habe so ein Kleid nicht im Kleiderschrank.“

„Nicht? Na gut, dann legt dir so ein Kleid zu. Wir gehen auf eine Party.“

„Wir beide?“

„Nein, wir vier!“

„Paulus und Sarah kommen auch mich?“, sage ich enttäuscht.

„Ja, sie haben das gleiche Problem wie wir. Sorry, wie Johannes und du, wollte ich sagen.“

„Wenn es die Fotos keine Fakes sind, heißt es dann….“

„Das weiß ich nicht. Sag du es mir? Ich bin da nicht drauf“, erwidert er und hebt die Hände.

Da hat Jakob recht. Ihn geht das hier nichts an.

„Darf ich dich mal was fragen?“

„Ja!“

„Hat sich Johannes dazu geäußert?“

„Er meinte nur, wenn so ist, dann ist es so.“

„Was heißt das?“

„Dann bist du seine Frau, aber ihn wäre es lieber gewesen, er hätte es mitbekommen.“

„Du hast recht. Es wäre ihn höchstwahrscheinlich unangenehm und dann das noch mit mir. Johannes hätte sich dagegen entschieden. So eine wie ich. Wir wären dann nicht….. .“

Jakob unterbricht mich.

„Florentine, du siehst das falsch?“

„Ich sehe das falsch. Das Foto wäre eindeutig.“

„Johannes wollte damit ausdrücken. Es wäre ihn eine Ehre gewesen, wenn er es wirklich mit erlebt hätte. Und du? Was hältst du davon, wenn es so gewesen wäre?“

Oh Shit! Jetzt muss ich meine Meinung sagen.

„Ganz ehrlich?“

„Ja!“

„Da hätte ich gesagt, Wow! Mein Traum wird Realität. Aber es ist ja nicht so?“

„Nein, aber wenn es so wäre? Hättest du es getan?“

Ich bin einer Zwickmühle. Hätte ich es getan? Zu den Zeitpunkt schon, aber heute eher nicht.

„Du grübelst. Ich nehme an, jetzt wäre es ein Nein.“

„Das würde ich nicht sagen. Seit gestern Abend mache ich mir Gedanken über diese Situation. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass Paulus und Sarah das ….“

„Ja, ich weiß. Aber eins weiß ich.“

„Und was?“

„Das Johannes aus Scherz das getan hat, aber er weiß bloß nicht mit wen.“

„Was meinst du?“

„Paulus und ich waren auf einer Party. Sorry, Paulus, ich und Johannes waren auf einer Silvesterparty. Wir hatten sehr viel getrunken. Irgendwann meinte mein Freund, wir sollten eine Wette abschließen.“

„Okay und welche?“

„Das er die nächste beste Frau fragt, die ihn über den Weg läuft, ob sie ihn… . Du weißt schon.“

„Okay, ich verstehe. Du brauchst nicht weiter erzählen. Ich kann es mir schon denken. Was hat das jetzt mit uns zu tun?“, unterbreche ich ihn.

„Paulus wollte es aus Scherz gleich tun. Was Johannes tut, macht er auch. Gleichberechtigung, meinte er noch dazu.“

„Ja und dann?“

„Sie haben es getan und die Frauen waren sehr hübsch. Dann wurden die Frauen mitgenommen und wurden richtig hübsch gemacht. So wie das rote Kleid, was du auf den Foto getragen hast.“

„Du verarscht mich, oder?“

„Nein, ich glaube. Das seid ihr alle vier.“

„Ich muss mit Johannes sprechen.“

„Okay, dann fahren wir jetzt hin. Und frage ihn selber.“

„Ja, komm.“

Dann gehen wir gemeinsam zum Auto und fahren zu Johannes. Jakob grinst. Ich glaube, er will mich wirklich verarschen. Wenn beide im Raum sind, warum fühle ich einmal was, wenn ich bei Johannes bin und dann wieder bei Jakob. Zurzeit habe ich wieder Gefühle für Jakob. Aber was ist, wenn wir bei Johannes sind. Fühle ich dann noch etwas für Jakob? Jakob hält an und er öffnet mir die Tür. Anschließend klingeln wir. Granny öffnet und lässt uns rein. Johannes sitzt mal wieder auf den Sofa im Wintergarten und schaut raus. Ich betrete den Raum und Johannes dreht sich zu mir um. Jakob verschwindet im Nebenraum. Ich bin allein mit ihm. Er sieht mich immer noch an und fragt : „Schatz, willst du nicht näher kommen.“

Okay, seit wann sag er Schatz zu mir?

„Doch, ich komme zu dir?“

Ich gehe hin und bleibe vor ihn stehen. Jakob ist nicht zu sehen. Jetzt fühle ich mich wieder zu Johannes hingezogen.

„Willst du stehen bleiben oder pflanzt du dich neben mich?“

Dann setzte ich mich.

„Darf ich dich mal was fragen?“

„Ja, immer.“

„Kennst du die Fotos?“

„Welche Fotos? Meinst du das Foto?“

Johannes kramt ein Bild aus einen Buch und zeigt es mir. Jetzt bin ich endgültig geschockt.

„Heißt das…?“, will ich fragen und Johannes fährt mir ins Wort.

„Ja, glaube schon. Ganz ehrlich das hätte ich lieber nüchtern getan, weil…“

Jetzt unterbreche ich ihn.

„Weil du mich nicht liebst.“

„Wer sagt das denn?“

„Du?“

„Ich?“

„Nein, ich wollte nur sagen, so etwas tut man nur nüchtern und nicht im betrunkenen Zustand. Man will ja die Nacht auch miterleben, findest du nicht auch?“

„Du liebst mich?“

Er hebt die Schultern.

„Heißt das…“

„Ich weiß es nicht“, fällt er mir wieder ins Wort.„Ist der Liebesbrief von dir?“

„Ist der Liebesbrief von dir?“

Johannes nickt.

„Aber da steht, dass du mich liebst?“

„Ja, aber es ist nicht nur Liebe. Freundschaft, Vertrauen und alles was dazu gehört. Man kann es nicht in Worte fassen. Es ist viel mehr als nur Liebe. Für mich bist du mein Leben. Ich habe es sehr spät begriffen. An diesen Abend war ich so angeheitert und dann sah ich dich mit Samuel. Mir sind die Sicherungen durch gebrannt und sagte, die nächste Frau, die vorbei kommt, frage ich, ob sie mich heiratet.“

„Ja, und dann?“

„Wie es der Zufall will, warst du es.“

„Und?“

„Moritz hat gesagt, tue es.“

„Ich denke, du kannst dich nicht erinnern.“

„Kann ich auch nicht, wenn Moritz es nicht aufgenommen hätte.“

„Wer ist Moritz?“

„Der Freund von Paulus. Er meint, ich hätte sehr entschlossen gewirkt als ich dich fragte. Erst vor kurzen hat er mir das Video gezeigt. Wir haben den ganzen Abend darüber gelacht, wie die Leute es für bare Münze hielten. Jedenfalls hat Moritz dich und Sarah angezogen.“

„Woher hat der die Kleidung?“, unterbreche ich ihn.

„Er ist Designer und dann haben wir ein Fotoshooting gemacht, da sind dann diese Fotos entstanden. Samuel kochte wohl vor Wut, dass du meinen angeblichen Antrag angenommen hattest.“

„Hatte ich?“

„Ja, aber ich bin nicht sicher, ob du es ernst gemeint hast. Für mich war es ernst. Du hast nur gelacht und meintest, jetzt wärst du den Schnösel Samuel los.“

„Das hört sich so an, als ob ich dich nicht ernst genommen hast.“

„Hast du nicht, sagt Moritz. Aber es wäre schön, wenn du es auch ernst gemeint hättest.“

„Du meinst das Ernst, oder?“

„Ja, sehr sogar.“

Plötzlich kommt jemand rein und geht auf Johannes zu. Die Frau ist hübsch.

„So Johannes, die Zeit ist um. Länger kann ich die Verbindung nicht aufrecht erhalten. Gehe bitte wieder dahin, wo du momentan bist. Du darfst ihr nicht alles verraten.“

„Hallo?“

„JA?“

„Ich bin noch hier.“

„Das weiß ich. Eine Frage, wen liebst du Jakob oder Johannes?“

„Ich habe manchmal das Gefühl, dass Johannes und Jakob eine Person sind. Aber das ist Irrsinn. Jakob hat auch so eine komische Geschichte erzählt.“

Tadelnd sie Johannes an.

„Iva, verstehe doch. Ich liebe diese Frau“, erwidert er ihren Blick.

„Ja, aber warum bist du jetzt gerade woanders?“

„Fuck, dass weiß ich doch nicht.“

Es klopft. Jakob komm rein. Johannes sagt: „Ja, ich weiß. Ich wollte dir nur helfen, okay. Iva reißt mir gerade den Kopf ab.“

Jakob antwortet und die Stimme ist kalt. Ich kenne ihn so nicht.

„Ja, aber uns ist allen nicht geholfen, wenn du zu viel verrätst. Das Video gibt es, aber warum kann sie sich nicht daran erinnern. Hast du dich das mal gefragt? Bei dir kommt es sprunghaft mit den Erinnerungen. Du bist auf den richtigen Weg.“

„Jackolus“, ermahnt jetzt Iva. Wer verdammt ist Jackolus? Ich glaube ich spinne. Sind vielleicht Jackolus und Jakob Körper vertauscht worden. Und was ist mit Johannes? Steckt er auch in so einer Sache drin. Oh, Mann.  Iva sieht mich an.

„Du ahnst was?“

„Ja, glaube schon. Nochmal die Frage, wen liebst du?“

Ich sehe erst zu Jakob und dann zu Johannes.

„Ganz ehrlich, wenn Johannes wie Jakob aussehen würde, dann ist es okay. Lieber wäre es mir, wenn ich den alten Johannes wieder in die Arme schließen könnte. Zurzeit bin ich verwirrt und begreife nicht alles. Ich brauche Zeit.“

Nach diesen Satz nehme ich sprichwörtlich meine Beine in die Hand, renne an Granny vorbei und murmele immer vor mir her. „Ich liebe Johannes und nicht Jakob. Aber wie kann ich jemanden lieben, der nicht da ist.“

Jakob kommt hinter mir her und erreicht mich.

„Verstehst du jetzt mein Dilemma? Ich liebe dich, aber ich darf dich nicht so lieben, wie ich gerne möchte. Wir müssen es richtig biegen.“

Ich sehe ihn an und blicke in lange in seine Augen. Es sind die Augen von Johannes, aber das Gesamtpaket passt nicht. Irgendwas zieht mich magisch an und ich küsse ihn. Erst zaghaft und dann leidenschaftlicher. Ich sehe jetzt Johannes vor mir. Es war nie wirklich Jakob, den ich liebte. Sondern Johannes. Er löst sich von mir.

„Ja, ich verstehe. Aber wie kann ich dir helfen?“

Glaube an mich. Glaube an Weihnachtswunder. Nur das zählt. Vielleicht sollten wir uns eine Weile nicht mehr treffen bis wir eine Lösung gefunden haben. Wir werden uns nur beruflich auseinander setzen. Lass uns gemeinsam herausfinden, was wirklich zählt.“

„Jakob oder lieber Johannes? Du stehst als Jakob hier. Also werde ich dich so ansprechen. Es ist doch egal, wie man aussieht. Hauptsache ist doch, dass man sich liebt. Vielleicht war ja auch das Problem, dass Johannes sich von mir abgewendet hat. Er mich unbewusst schikaniert hat. Oder es hat etwas mit dir, Paulus, Moritz, Samuel, Johannes und Jackolus zu tun. Ich weiß immer noch nicht, wo ich den Namen Jackolus mal gelesen habe. Ach egal. Denke darüber mal nach. Wir lassen uns Zeit.“

„Vielleicht hast du recht.“

Dann verschwinde ich. Die Erkenntnis, dass die alle etwas miteinander zu tun hat, macht mich irre. Es wie in den Fantasyromanen, die ich lese. Aber gibt es das im wirklichen Leben auch? Verdammt, dass Leben ist kein Ponyhof oder war es Pferdehof. Oder bin ich etwas hineingeraten, wo ich überhaupt nicht hingehöre? Mein Telefon klingelt. Ich gehe ran. Sarah meldet sich am anderen Ende.

„Können wir reden?“, fragt sie mich.

„Ja, können wir.“

„Lass uns Lambada gehen. In einer Stunde?“

„Ja, könnte ich schaffen.“

Dann lege ich auf und rufe ein Taxi. Kurze Zeit später ist es da. Ich steige ein. Bloß weg von diesen Irrsinn.

Sarah und ich verbringen einen schönen Abend zusammen.

Adventskalender – Tag 15

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Tag 15

Was war das für ein Tag gestern. Erst wird mein Wohnzimmer durchsucht, dann wird von Paulus unterstellt, dass Florentine etwas damit zu tun hat. Na gut, vielleicht ist das ja das naheliegende, weil sie bei mir war. Es kann echt nicht sein. Florentine doch nicht, oder? Gestern Abend wollte ich kurz nochmal mit ihr reden. Plötzlich kam Samuel aus den Büro geschossen. Hatte Paulus doch recht? Ich kann es mir nicht vorstellen, aber es sind sehr viele Zufälle, die das annehmen lassen. Irgendwie passte hier gar nichts zusammen. Wollte jemand das wir das glauben? Aber wer? Ich bin mir ganz sicher, dass es nicht Florentine war auf den Video, sondern würde auf Momo tippen. Warum heißt sie eigentlich Momo? Ich weißt nur, dass Paulus gesagt hat, es wäre ein Spitzname. Aber wofür? Den Stick hatte ich schon bevor ich verschwunden war. Hatte ich deswegen den Unfall? Was wollte vertuscht werden? Die Fragen häufen sich. Ich parke und gehe ins Büro. Paulus wollte heute mit Sarah eine Tour unternehmen. Also bin ich mit Florentine allein. Wo zum Teufel ist sie? Ich sehe sie nicht. Plötzlich tippt mir jemand auf die Schulter und ich drehe mich um.

„Sorry, ich bin spät. Ist Paulus schon da?“

„Nein, er und Sarah kommen nicht. Du musst heute mal für mich arbeiten. Ist das okay für DICH?“

Sie grummelt etwas, was ich nicht verstehe. Dann blickt Florentine mich an: „Ja, es geht klar. Liegt was Besonderes an? Soll ich dir eine Kaffee bringen?“

„Nein und Kaffee kann ich mir selber holen.“

„Wie Johannes?“, gibt sie leise als Antwort. So als ob sie mit sich selbst spricht und ich gar nicht anwesend wäre.

„Was hast du gesagt?“, frage ich.

„Nichts oder habe ich laut gedacht?“

„Du hast leise etwas gesagt.“

„Oh! Sorry, der Gedanke ging mir eben durch den Kopf. Dann gehe ich an die Arbeit. Wenn du etwas brauchst, melde dich.“

„Ja, mache ich.“

Dann gehe ich weiter in mein Büro. Ich mache ich Laptop an und stecke den Stick darin. Wir haben gestern zwei Kopien gemacht. Das Original ist sicher verwahrt. Also, sehe ich mir das Video an. Was soll mir diese Botschaft sagen? Eine Datei konnten wir gestern nicht öffnen. Für das fehlte uns eine Passwort. Verdammt. Es ist eine verschlüsselte Datei. Vielleicht sollte ich Florentine testen. Also rufe ich sie in mein Büro. Sie kommt rein.

„Möchtest doch einen Kaffee?“

Verdutzt sehe ich sie und stelle fest, dass ich mir noch gar kein Kaffee geholt habe.

„Nein, könntest du dir etwas ansehen?“

„Ja, sicher.“

Florentine setzt sich neben mich. Ich kann ihren Atem spüren. Die Frau bringt mich noch um den Verstand. Also sehe ich sie an. Unsere Blicke treffen sich und Florentine wendet sich schnell ab. Dann spricht sie mich an.

„Also, was soll ich mir ansehen?“

Ich starte das Video und sie erstarrt.

„Was ist, Florentine?“

„Der Typ da“, sagt sie und zeigt mir den Typ.

„Was ist damit?“

„Ich kenne ihn von Samuel. Ein unangenehmer Zeitgenosse. Der Typ musste mich ständig an grapschen. Fand ich nicht gerade amüsant. Samuel dagegen schon. Er hatte Momo. Sie heißt anders, aber mir fällt der Name nicht ein. Die Frau hat mich auf diesen Video ganz schön nachgeahmt.“

„Du bist das nicht?“

„Nein, ich sagte doch, dass es Momo ist.“

„Woher kennst du Momo?“

„Von Samuel.“

„Okay. Was verschweigt du mir noch?“

„Wieso verschweigen? Wir waren und werden nie ein Paar. Darum brauche ich dir auch keine Rechenschaft ablegen müssen.“

„Ja, du hast recht. Aber in den Fall muss ich es wissen. Was hast du mit der Sache zu tun? Wegen diesen Video wurde mein Wohnzimmer verwüstet.“

Florentine hält sich ihre Hand vor den Mund.

„Würdest du mir jetzt eine Antwort darauf geben?“

„Kurz bevor Johannes verschwunden ist, da…“

„Was?“

„Samuel hat mich auf eine Party eingeladen. Er erzählte mir, dass Johannes auch da wäre. Also bin ich hingegangen, um ihn zu sehen und nicht wegen Samuel. Jedenfalls war er nicht da, sondern Samuel stellte mich Momo und Josh vor. Ich weiß nicht, ob es ihre richtigen Namen waren. Josh hat mich immer begrapscht. Alles habe ich mich über mich ergehen lassen, aber Johannes und Paulus kamen nicht. Ich fühlte mich fehl am Platz und war traurig, dass sie nicht kamen.“

„Moment, du hast auf Johannes gewartet? Habe ich es richtig gehört?“

„Ja.“

„Warum?“

„Ich wollte ihn fragen, warum er mich immer so triezt. Also, ob ich ihn was getan hätte? Du weißt es ja nicht, ein Jahr davor hat Johannes mich geküsst und danach tat er so, als ob ein großer Fehler wäre.“

„Das war kein Fehler!“

„Du warst doch gar nicht dabei.“

„Nein, Johannes hat es mir erzählt“, lüge ich.

„Und was hat das Video jetzt mir zu tun?“

„Keine Ahnung, ich dachte du könntest mir weiterhelfen.“

„Wenn ich mir das so ansehe, könnte es an den Abend gewesen sein, wo meine Chefs nicht aufgetaucht sind.“

„Okay, ich habe noch keine Datei, die ich nicht öffnen kann. Eine Lösung für das Problem.“

„Nö, aber wenn sie von Samuel verschlüsselt ist, kannst du es leicht herausfinden?“

„Warum?“

„Er hatte mir verraten, wie er seine Dateien verschlüsselt.“

„Namen und Datum, die das Projekt beschreiben. So eine komische Datenkombination, wie Fleur111 oder Jo5112. Mich hatte er mal unter Fleur112 gesichert, daher weiß ich das?“

„Warum Fleur111?“

„Weil wir uns am ersten November vor zwei Jahren hier in Büro kennengelernt haben. Ich weiß auch, dass er sauer war, dass ich mit Johannes hin ging. Der hat vielleicht geflucht, weil Johannes Anwesenheit vor seiner vorzog.“

„Tust du das?“

„Damals schon.“

„Was heißt damals?“

„Weil es Vergangenheit ist. Ich ziehe jemand anderes vor.“

„Und wer ist es, wenn ich fragen darf.“

„Dreimal darfst du raten.“

Ja, ich kann es mir denken. Aber es darf nicht. Sie soll sich in mein anderes ich wieder verlieben. Verdammt, was für ein Kommentar gebe ich jetzt bloß ab.

„Samuel“, gebe ich zwinkernd bekannt.

„Du bist ein… .“

„Ich weiß“, unterbreche ich Florentine und ergänze meinen Satz: „Danke für deine Hilfe. Wenn ich dich wieder brauche, melde ich mich.“

„Jawohl“, gibt sie als Antwort und berührt mich. Ich zucke zusammen. Florentine auch. Verdammt, warum muss die Anziehungskraft so groß zu ihr sein. Dann geht sie raus. Ich beschäftige mich mit der Datei. Der Tipp von ihr war gut. Nach einigen Versuchen konnte ich sie öffnen. Was ich da lese verschlägt mir die Sprache und ich muss neu umdenken. Ich hätte nie gedacht, dass sie damit drinstecken. Jetzt weiß ich auch wer Josh ist. Warum er? Weshalb macht Samuel mit ihn gemeinsame Sache? Ich schließe die Datei und stecke den Stick ein. Anschließend mache ich den Laptop aus und gehe zu Florentine.

„Kommst du mit?“

„Wohin?“

„Komm einfach mit.

Dann schaltet sie ihren Laptop aus und folgt mir. Kurze Zeit später sitzen wir im Auto.

„Verrätst du es mir jetzt, wo du mit mir hin willst!“

„Versuche mal Sarah anzurufen.“

„Wieso?“

„Wirst du dann erfahren. Frag bitte auch im welchen Planquadrat die beiden sich befinden. Es ist wichtig.“

„Okay.“

Anschließend ruft sie Sarah an. Anscheinend ist ihre Freundin etwas genervt.

„Sarah fragt, was du möchtest.“

„Sag ihr, es geht um den Stick. Paulus muss das unbedingt sehen. Auch ihr beide.“

„Verstehe ich nicht.“

Daraufhin teilt sie Sarah mit, warum ich die beiden sehen will. Dann nickt sie und notiert etwas. Florentine beendet das Telefonat und wendet sich zu mir.

„Hast du ein Navi?“

„Ja, im Handschuhfach.“

Sie holt das Navi aus den Fach und tippt etwas ein, was sie auf den Zettel geschrieben hat. Dann berechnet er die Route. Das Navigationsgerät sagt mir, wo es lang geht. Nach zwei Stunden sind wir am Ziel. Mitten im Wald.

„Sag mal, hat dich Sarah verarscht?“

„Sie hat mir die Adresse gegeben.“

Plötzlich klopft es am Fenster. Paulus steht da. Ich kurble das Fenster runter.

„Was ist los, Jakob?“

„Das müsst ihr euch unbedingt ansehen.“

„Hätte das nicht bis morgen warten können?“

„Nein.“

„Okay, folgt mir. Florentine hat die ganze Zeit nichts gesagt. Wir steigen aus und folgen Paulus zu einer Hütte. Ringsherum sind nur Bäume. Die meisten sind Tannen. Sarah steht schlecht gelaunt am Türrahmen.

„Sarah, ich hätte Euch nicht gestört. Aber das müsst ihr sehen.“

Etwas grummelt sagt sie: „Okay, kommt rein und setzt Euch.“

Wir setzten uns und Paulus holt seinen Laptop aus einen anderen Zimmer.

„Wo sind wir hier eigentlich?“

„In einer Jagdhütte meines Vaters“, erwidert Sarah mir.

Der Bildschirm des Laptop ist jetzt Start bereit. Ich stecke den Stick rein und zeige es erst Paulus. Er wird kreidebleich.

„Du hast den Code geknackt? Wie bist du darauf gekommen?“

„Florentine hat mir einen Hinweis gegeben und habe einige Kombination durch laufen lassen.“

Alle sehen jetzt zu ihr hin.

„Ich habe nur gesagt, wenn es Samuel wäre, würde er es so machen.“

Dann zeigt Paulus den beiden Frauen die Datei. Jetzt werden sie ganz schön blass,

„Wer tut so etwas?“, fragt Sarah.

„Ich weiß es nicht“, erwidere ich und ergänze den Satz,             „Einen Grund wird es wohl dafür geben, findet ihr nicht auch? Eine Frage an euch? Sind das Doppelgänger oder seid ihr das wirklich? Johannes sieht das sehr glücklich auf den Foto aus.“

„Hat Johannes vielleicht etwas herausgefunden?“, will Sarah wissen.

„Ich kann dir die Frage momentan nicht beantworten. Da muss ich nochmal oben in den Schubladen kramen“, gebe ich als Antwort. Also, liebes Gehirn, in welcher Schublade hast du die Information abgespeichert. Florentine und ich unterhalten uns noch mit den beiden. Nach einer Stunde fahren wir wieder. Auf den Rückweg sitzt sie schweigend neben mir. Ich lasse sie vor ihrer Wohnung raus. Florentine sagt, dass sie gerne alleine sein will. Verstehe ich vollkommen. Anschließend fahre ich zu meinen Eltern und zeige ihnen diese Information.