Adventskalender – Tag 15

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Tag 15

Was war das für ein Tag gestern. Erst wird mein Wohnzimmer durchsucht, dann wird von Paulus unterstellt, dass Florentine etwas damit zu tun hat. Na gut, vielleicht ist das ja das naheliegende, weil sie bei mir war. Es kann echt nicht sein. Florentine doch nicht, oder? Gestern Abend wollte ich kurz nochmal mit ihr reden. Plötzlich kam Samuel aus den Büro geschossen. Hatte Paulus doch recht? Ich kann es mir nicht vorstellen, aber es sind sehr viele Zufälle, die das annehmen lassen. Irgendwie passte hier gar nichts zusammen. Wollte jemand das wir das glauben? Aber wer? Ich bin mir ganz sicher, dass es nicht Florentine war auf den Video, sondern würde auf Momo tippen. Warum heißt sie eigentlich Momo? Ich weißt nur, dass Paulus gesagt hat, es wäre ein Spitzname. Aber wofür? Den Stick hatte ich schon bevor ich verschwunden war. Hatte ich deswegen den Unfall? Was wollte vertuscht werden? Die Fragen häufen sich. Ich parke und gehe ins Büro. Paulus wollte heute mit Sarah eine Tour unternehmen. Also bin ich mit Florentine allein. Wo zum Teufel ist sie? Ich sehe sie nicht. Plötzlich tippt mir jemand auf die Schulter und ich drehe mich um.

„Sorry, ich bin spät. Ist Paulus schon da?“

„Nein, er und Sarah kommen nicht. Du musst heute mal für mich arbeiten. Ist das okay für DICH?“

Sie grummelt etwas, was ich nicht verstehe. Dann blickt Florentine mich an: „Ja, es geht klar. Liegt was Besonderes an? Soll ich dir eine Kaffee bringen?“

„Nein und Kaffee kann ich mir selber holen.“

„Wie Johannes?“, gibt sie leise als Antwort. So als ob sie mit sich selbst spricht und ich gar nicht anwesend wäre.

„Was hast du gesagt?“, frage ich.

„Nichts oder habe ich laut gedacht?“

„Du hast leise etwas gesagt.“

„Oh! Sorry, der Gedanke ging mir eben durch den Kopf. Dann gehe ich an die Arbeit. Wenn du etwas brauchst, melde dich.“

„Ja, mache ich.“

Dann gehe ich weiter in mein Büro. Ich mache ich Laptop an und stecke den Stick darin. Wir haben gestern zwei Kopien gemacht. Das Original ist sicher verwahrt. Also, sehe ich mir das Video an. Was soll mir diese Botschaft sagen? Eine Datei konnten wir gestern nicht öffnen. Für das fehlte uns eine Passwort. Verdammt. Es ist eine verschlüsselte Datei. Vielleicht sollte ich Florentine testen. Also rufe ich sie in mein Büro. Sie kommt rein.

„Möchtest doch einen Kaffee?“

Verdutzt sehe ich sie und stelle fest, dass ich mir noch gar kein Kaffee geholt habe.

„Nein, könntest du dir etwas ansehen?“

„Ja, sicher.“

Florentine setzt sich neben mich. Ich kann ihren Atem spüren. Die Frau bringt mich noch um den Verstand. Also sehe ich sie an. Unsere Blicke treffen sich und Florentine wendet sich schnell ab. Dann spricht sie mich an.

„Also, was soll ich mir ansehen?“

Ich starte das Video und sie erstarrt.

„Was ist, Florentine?“

„Der Typ da“, sagt sie und zeigt mir den Typ.

„Was ist damit?“

„Ich kenne ihn von Samuel. Ein unangenehmer Zeitgenosse. Der Typ musste mich ständig an grapschen. Fand ich nicht gerade amüsant. Samuel dagegen schon. Er hatte Momo. Sie heißt anders, aber mir fällt der Name nicht ein. Die Frau hat mich auf diesen Video ganz schön nachgeahmt.“

„Du bist das nicht?“

„Nein, ich sagte doch, dass es Momo ist.“

„Woher kennst du Momo?“

„Von Samuel.“

„Okay. Was verschweigt du mir noch?“

„Wieso verschweigen? Wir waren und werden nie ein Paar. Darum brauche ich dir auch keine Rechenschaft ablegen müssen.“

„Ja, du hast recht. Aber in den Fall muss ich es wissen. Was hast du mit der Sache zu tun? Wegen diesen Video wurde mein Wohnzimmer verwüstet.“

Florentine hält sich ihre Hand vor den Mund.

„Würdest du mir jetzt eine Antwort darauf geben?“

„Kurz bevor Johannes verschwunden ist, da…“

„Was?“

„Samuel hat mich auf eine Party eingeladen. Er erzählte mir, dass Johannes auch da wäre. Also bin ich hingegangen, um ihn zu sehen und nicht wegen Samuel. Jedenfalls war er nicht da, sondern Samuel stellte mich Momo und Josh vor. Ich weiß nicht, ob es ihre richtigen Namen waren. Josh hat mich immer begrapscht. Alles habe ich mich über mich ergehen lassen, aber Johannes und Paulus kamen nicht. Ich fühlte mich fehl am Platz und war traurig, dass sie nicht kamen.“

„Moment, du hast auf Johannes gewartet? Habe ich es richtig gehört?“

„Ja.“

„Warum?“

„Ich wollte ihn fragen, warum er mich immer so triezt. Also, ob ich ihn was getan hätte? Du weißt es ja nicht, ein Jahr davor hat Johannes mich geküsst und danach tat er so, als ob ein großer Fehler wäre.“

„Das war kein Fehler!“

„Du warst doch gar nicht dabei.“

„Nein, Johannes hat es mir erzählt“, lüge ich.

„Und was hat das Video jetzt mir zu tun?“

„Keine Ahnung, ich dachte du könntest mir weiterhelfen.“

„Wenn ich mir das so ansehe, könnte es an den Abend gewesen sein, wo meine Chefs nicht aufgetaucht sind.“

„Okay, ich habe noch keine Datei, die ich nicht öffnen kann. Eine Lösung für das Problem.“

„Nö, aber wenn sie von Samuel verschlüsselt ist, kannst du es leicht herausfinden?“

„Warum?“

„Er hatte mir verraten, wie er seine Dateien verschlüsselt.“

„Namen und Datum, die das Projekt beschreiben. So eine komische Datenkombination, wie Fleur111 oder Jo5112. Mich hatte er mal unter Fleur112 gesichert, daher weiß ich das?“

„Warum Fleur111?“

„Weil wir uns am ersten November vor zwei Jahren hier in Büro kennengelernt haben. Ich weiß auch, dass er sauer war, dass ich mit Johannes hin ging. Der hat vielleicht geflucht, weil Johannes Anwesenheit vor seiner vorzog.“

„Tust du das?“

„Damals schon.“

„Was heißt damals?“

„Weil es Vergangenheit ist. Ich ziehe jemand anderes vor.“

„Und wer ist es, wenn ich fragen darf.“

„Dreimal darfst du raten.“

Ja, ich kann es mir denken. Aber es darf nicht. Sie soll sich in mein anderes ich wieder verlieben. Verdammt, was für ein Kommentar gebe ich jetzt bloß ab.

„Samuel“, gebe ich zwinkernd bekannt.

„Du bist ein… .“

„Ich weiß“, unterbreche ich Florentine und ergänze meinen Satz: „Danke für deine Hilfe. Wenn ich dich wieder brauche, melde ich mich.“

„Jawohl“, gibt sie als Antwort und berührt mich. Ich zucke zusammen. Florentine auch. Verdammt, warum muss die Anziehungskraft so groß zu ihr sein. Dann geht sie raus. Ich beschäftige mich mit der Datei. Der Tipp von ihr war gut. Nach einigen Versuchen konnte ich sie öffnen. Was ich da lese verschlägt mir die Sprache und ich muss neu umdenken. Ich hätte nie gedacht, dass sie damit drinstecken. Jetzt weiß ich auch wer Josh ist. Warum er? Weshalb macht Samuel mit ihn gemeinsame Sache? Ich schließe die Datei und stecke den Stick ein. Anschließend mache ich den Laptop aus und gehe zu Florentine.

„Kommst du mit?“

„Wohin?“

„Komm einfach mit.

Dann schaltet sie ihren Laptop aus und folgt mir. Kurze Zeit später sitzen wir im Auto.

„Verrätst du es mir jetzt, wo du mit mir hin willst!“

„Versuche mal Sarah anzurufen.“

„Wieso?“

„Wirst du dann erfahren. Frag bitte auch im welchen Planquadrat die beiden sich befinden. Es ist wichtig.“

„Okay.“

Anschließend ruft sie Sarah an. Anscheinend ist ihre Freundin etwas genervt.

„Sarah fragt, was du möchtest.“

„Sag ihr, es geht um den Stick. Paulus muss das unbedingt sehen. Auch ihr beide.“

„Verstehe ich nicht.“

Daraufhin teilt sie Sarah mit, warum ich die beiden sehen will. Dann nickt sie und notiert etwas. Florentine beendet das Telefonat und wendet sich zu mir.

„Hast du ein Navi?“

„Ja, im Handschuhfach.“

Sie holt das Navi aus den Fach und tippt etwas ein, was sie auf den Zettel geschrieben hat. Dann berechnet er die Route. Das Navigationsgerät sagt mir, wo es lang geht. Nach zwei Stunden sind wir am Ziel. Mitten im Wald.

„Sag mal, hat dich Sarah verarscht?“

„Sie hat mir die Adresse gegeben.“

Plötzlich klopft es am Fenster. Paulus steht da. Ich kurble das Fenster runter.

„Was ist los, Jakob?“

„Das müsst ihr euch unbedingt ansehen.“

„Hätte das nicht bis morgen warten können?“

„Nein.“

„Okay, folgt mir. Florentine hat die ganze Zeit nichts gesagt. Wir steigen aus und folgen Paulus zu einer Hütte. Ringsherum sind nur Bäume. Die meisten sind Tannen. Sarah steht schlecht gelaunt am Türrahmen.

„Sarah, ich hätte Euch nicht gestört. Aber das müsst ihr sehen.“

Etwas grummelt sagt sie: „Okay, kommt rein und setzt Euch.“

Wir setzten uns und Paulus holt seinen Laptop aus einen anderen Zimmer.

„Wo sind wir hier eigentlich?“

„In einer Jagdhütte meines Vaters“, erwidert Sarah mir.

Der Bildschirm des Laptop ist jetzt Start bereit. Ich stecke den Stick rein und zeige es erst Paulus. Er wird kreidebleich.

„Du hast den Code geknackt? Wie bist du darauf gekommen?“

„Florentine hat mir einen Hinweis gegeben und habe einige Kombination durch laufen lassen.“

Alle sehen jetzt zu ihr hin.

„Ich habe nur gesagt, wenn es Samuel wäre, würde er es so machen.“

Dann zeigt Paulus den beiden Frauen die Datei. Jetzt werden sie ganz schön blass,

„Wer tut so etwas?“, fragt Sarah.

„Ich weiß es nicht“, erwidere ich und ergänze den Satz,             „Einen Grund wird es wohl dafür geben, findet ihr nicht auch? Eine Frage an euch? Sind das Doppelgänger oder seid ihr das wirklich? Johannes sieht das sehr glücklich auf den Foto aus.“

„Hat Johannes vielleicht etwas herausgefunden?“, will Sarah wissen.

„Ich kann dir die Frage momentan nicht beantworten. Da muss ich nochmal oben in den Schubladen kramen“, gebe ich als Antwort. Also, liebes Gehirn, in welcher Schublade hast du die Information abgespeichert. Florentine und ich unterhalten uns noch mit den beiden. Nach einer Stunde fahren wir wieder. Auf den Rückweg sitzt sie schweigend neben mir. Ich lasse sie vor ihrer Wohnung raus. Florentine sagt, dass sie gerne alleine sein will. Verstehe ich vollkommen. Anschließend fahre ich zu meinen Eltern und zeige ihnen diese Information.

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