Adventskalender – Tag 22

24 Tage

bis

zur Entscheidung

 

Tag 22

Der heutige Tag kann eindeutig weg. Ich hatte von Paulus erfahren, dass sein Cousin sich vorgestern und gestern mit einer Tina getroffen hatte. Wer zum Teufel ist Tina? Hat Johannes mich jetzt verarscht und hat eine neue Freundin? Oder ist es die Frau von Jakob. Johannes war den ganzen Tag nicht im Büro. Ich mache heute etwas länger, damit ich morgen frei habe. Die Tür geht auf und Johannes kommt rein. Ihn folgt einer junge Dame. Sie sind so vertieft in ihrer Unterhaltung, dass sie mich nicht bemerken. Ich räuspere mich und Johannes wendet sich zu mir. Er erstarrt und erblasst. Sie sieht zwischen ihn und mir.

„Johannes?“, fragt die junge Frau.

„Ja“, erwidert er und langsam bekommt Johannes ein bisschen Farbe ins Gesicht.

„Ist sie das?“, will sie wissen.

Er nickt und stammelt etwas zu ihr, was ich nicht verstehe. Abergläubisch sieht sie mich an.

„Wer sind sie?“, frage ich die junge Dame.

„Ich bin Tina. Mich nenne sie Tinka. Du bist dann Sophie!? Ist das richtig?“

„Ja, aber allen nennen mich hier Florentine.“

„Okay?“, erwidert sie und Johannes hört unseren Wortgefecht zu.

„Johannes und sie sind….“

Tina unterbricht mich: „Nicht wie sie denken? Können wir uns duzen? Es wäre mir lieber.“

Dann tauchen Jonathan und ein älterer Herr hinter den Beiden auf.

„Moin, Florentine. Paulus noch da?“, fragt Jonathan unverblümt.

„Nein, er ist nicht da. Paulus wollte auch nicht wieder kommen“, setze ich ihn in Kenntnis.

„Okay. Warum bist du dann noch hier?“, fragt Jonathan.

„Ich wollte diesen Vorgang noch beenden, weil ich morgen frei habe.“

„Fleißig ist das Mädchen“, kommentiert der ältere Herr.

„Folgt mir! Wir haben noch einiges bis morgen zu berechnen“, misch sich jetzt Johannes ein.

„Ihr wisst, ich will meine Verlobung bekanntgeben“, sagt er und zwinkert mir zu.

Es wird mir hier eindeutig zu bunt. Schnell stehe ich auf und schmeiße meinen Stuhl dabei um. Dann renne ich in die Toilette. Kurze Zeit später öffnet sich die Tür.

„Sophie, darf ich mit dir reden?“

„Was willst du? Du krallst dir…“ teile ich mit und sie unterbricht mich.

„Kannst du bitte raus kommen?“

„Nein, warum sollte ich?“

„Ich könnte es dir erklären?“

„Deine Erklärungen kannst du sonst wo hinstecken. Johannes und du? Dein Ernst?“

Irgendwie muss ich ihr das direkt sagen und trete aus der Toilette.

„Ich fasse es nicht. Mir gaukelt der Typ vor, dass er mich seit Jahren liebt und jetzt taucht er mit dir hier auf.“

„Es ist nicht so wie es ist.“

„Da kannst du mir einen von Pferd erzählen“, schleudere ich ihr an den Kopf.

Die junge Dame geht. Ich warte noch einen Augenblick und gehe wieder ins Büro. Zum Glück sind sie weg. Schnell tippe ich es zu Ende. Plötzlich teilt mir der PC mit, dass eine Mail eingegangen ist. Super von Johannes. Soll ich sie öffnen? Nein, das tue ich mir nicht an. Doch die Neugierde sieht und ich mache sie auf. Jetzt rudere ich wieder zurück und will sie gleich wieder schließen. Fuck, ich bekomme das Bild von den Beiden nicht aus den Kopf. Johannes soll es mir einfach erklären. Also lese ich sein E-Mail.

Liebe Sophie!

Bitte vertraue mir. Ich liebe dich. Es ist alles nicht so, wie es erscheint. Tina ist mir nur behilflich. Morgen sprechen wir uns. Jonathan und Frederik sind bei unseren Gespräch vorbei. Schmeiß das nicht weg, was wirklich zählt.

Dein Johannes.

Immer wieder lese ich die Zeilen und kann mir keinen Reim raus machen. Wie er sie angesehen hat und wie Johannes erstarrte als er feststellen musste, dass ich noch da war. Ich rufe Sarah an. Sie geht gleich dran.

„Hey Florentine! Was bewegt dich? Hast du ein Problem mit einen Projekt? Soll ich dir helfen?“

„Nein, nur wegen Johannes.“

„Was ist mit den?“

„Können wir uns treffen?“

„Warte mal, ich frage Paulus?“

„Ohne Paulus, bitte.“

„Das ist klar. Ich wollte nur fragen, ob er mich für zwei Stunden oder mehr entbehren kann.“

„Okay.“

Ich höre hin, aber Stimmen vernehme ich nicht. Kurze Zeit später höre ich wieder ihren Klang am Telefon.

„Geht in Ordnung. Kommst du zu mir? Paulus fährt zu einen Freund.“

„Super, ich mache den Rechner aus und komme dann.“

Ich fahre den Rechner runter und höre auf einmal Lachen aus Johannes Büro. Schnell weg, denke ich und mache mich auf den Weg.

Eine halbe Stunde später stehe ich bei meiner Freundin und Kollegin vor der Haustür. Ich klingele und sie lässt mich rein. Als ich mich auf ihr Sofa pflanze laufen mir die Tränen übers Gesicht. Sarah kommt mit einer Tasse heißer Schokolade zu mir.

„Das hilft immer“, gibt sie bekannt.

„Danke.“

„Dafür nicht. Was ist passiert?“

Es sprudelt nur aus mir heraus. Unsere gemeinsame Nacht erwähne ich nicht. Was wir dort gemacht haben, geht keinen was an. Sarah hört mir geduldig zu und unterbricht mich nicht. Im Anschluss nimmt sie mich in den Arm und tröstet mich.

„Ich glaube Florentine, du interpretierst da zu viel rein. Paulus sagt immer, ihr beide seid das Traumpaar schlecht hin. Johannes liebt dich. Vertraue ihn.“

„Du auch noch?“

„Wie ich auch noch?“

„Wenn ich recht verstehe, verteidigst du ihn. Was würdest du denn sagen, wenn ich du das durch machst.“

„Erstens: Es ist meistens nie wie es scheint. Zweitens: Ich weiß, dass du Sophie heißt.“

„Moment! Du weißt wie ich heiße?“

„Ja, du heißt nicht Florentine Sophia, sondern Sophie Florentine.“

„Wie lange weißt du es?“

„Eine Weile“, murmelt sie und sieht mich nicht an.

„Was?“

„Samuel hat es mir verraten?“

„Samuel?“

„Ja und Paulus hat es bestätigt?“

„Was hast du mit Samuel zu tun?“, schreie ich aufgebracht.

„Sam, Moritz und ich kennen uns von damals. Wir waren in einer Clique. Ich wusste damals nicht, dass Paulus mit Moritz auch befreundet waren. Paulus war nie da. Sie sagten, er wäre ein viel beschäftigter Mann genauso wie Johannes.“

„Okay, weiter…“

„Ich fing kurz vor dir in der Firma an. Samuel hatte mir den Job besorgt. Eigentlich sollte ich Johannes um den Finger wickeln.“

„Was heißt das jetzt?“

„Also, Samuel wollte mich für seine Zwecke einspannen. Leider hat er nicht mit mir gerechnet. Ich dachte echt, der Scheißtyp hätte mir den Job besorgt und ich müsste den Deal eingehen. Kurze Zeit später sagte meine Freundin Irene, sie hätte für mich eine Bewerbung geschrieben. Wie sich heraus stellte für diesen Posten. Ich war wie vor den Kopf gestoßen und fragte Paulus, ob Samuel für mich ein gutes Wort eingelegt hätte. Paulus verneinte. Meine Leistung hätte überzeugt. Mein Deal mit Samuel war hinfällig. Ich erzählte Paulus davon und er hörte zu. Ich dachte, er würde Nägel mit Köpfen machen und kurzen Prozess machen. In der Sache irrte ich mich. Die Erleichterung darüber war für mich das beste was mir passieren konnte. Paulus wollte wissen, ob ich es wirklich getan hätte. Da war ich ganz ehrlich zu ihn. Samuel wollte ich falsche Informationen zu schieben, damit er nicht merkte, dass ich mich nicht ausnutze. Daraufhin hat Paulus gesagt, wir verfolgen meinen Plan. Johannes war einverstanden. Glaube mir. Ich wollte nie für Samuel auskundschaften. Deshalb kann ich den Typ nicht leiden. Die Aussprache mit Paulus und Johannes brachte mir die Erkenntnis. Nicht alle Männer sind Schweine und nutzen einen aus.“

„Darf dich unterbrechen?“

„Ja klar.“

„Seit wann wusstest du, dass Paulus dich mehr mag, wie erlaubt war.“

„Als du auf der Bildfläche erschienen bist. Johannes sah dich so an. Da erst bemerkte ich, dass Paulus mich genauso ansah. Die beiden haben geschwiegen. Paulus war mit Linette zusammen und Johannes mit Judith. Die passten einfach nicht zusammen. Linette und Paulus mochten sich. Erst waren sie verliebt, aber dann waren sie nur aus Bequemlichkeit zusammen.“

„Sorry, wenn ich dich nochmal unterbreche.  Was war mit Johannes und Judith? Sie waren laut Zeitungen das absolute Traumpaar.“

„Nach außen schon. Sie haben sich nie wirklich geliebt. Es war eine Zweckverbindung, weil Johannes den Vater von Judith etwas versprochen hatte. Tja, als er dann sie mit Samuel im Bett erwischt hatte, war ihn klar. Durch diese Verbindung würde er nur unglücklich werden. Und dann warst dann noch du da. Er hat dich von ersten Tag vergöttert. Jonathan und Frederik hatten dann die Idee einen Riegel davor zu schieben. Sie wollten, dass die beiden zu den Wort standen, was sie gaben. Diese ganze Sache hat ihn belastet. Auch das du einen Freund hattest.“

„Du redest Wirrwarr.“

„Nein, Johannes hat dich vom ersten Moment geliebt.“

„Und Tina?“

„Das ist was ganz anderes. Ich darf es dir nicht verraten. Paulus hat mich zum Schweigen verdonnert. Du sollst dich frei entscheiden. Lass dich nicht von Gefühlen beeinflussen. Verstehst du? Wenn dir Johannes morgen eine Nachricht zukommen lässt, entscheide klug.“

„Du sprichst in Rätseln.“

„Vielleicht ist das so. Nur ein kleiner Tipp. Folge deinen Herzen.“

Anschließend köpfen wir noch zwei Sektflaschen. Ich lege mich auf Sofa und penne ein. Dann träume ich ein reines Wirrwarr. Tina und Johannes heiraten. Ich sehe zu und bin total traurig. Ich höre Sarah sagen, folge deinen Herzen. Am Altar blickt Johannes zu mir und rennt zu mir. Leise sagt er zu mir: „Ich liebe sie nicht, aber dich. Lass uns durchbrennen.“

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