Teil 15

Juliane

Ich sitze im Zug, weil ich Sachen aus meiner anderen Wohnung holen muss. Damals habe ich immer gedacht, dass man in der Stadt besser leben kann. Marlene und ich haben uns eine Wohnung in der Stadt gemietet. Mir wurde schnell klar, dass es nicht mein Ding ist. Es war einfach ein Irrtum. Ich bin kein Stadtkind. Absolut nicht. Eher ein Dorfkind. Daraufhin habe ich meine Eltern gefragt, ob ich in der Einliegerwohnung in ihrem Haus wohnen darf. Meine Eltern waren begeistert. Ein Kind was in der Nähe ist. Momentan pendele ich immer wieder mal zwischen der Einliegerwohnung und der Wohnung in Hannover. Mein Zimmer in unserer WG habe ich für alle Fälle behalten. So musste ich in der Firma nicht meine Personaldaten ändern. Jedenfalls kommt es immer darauf an, was anliegt. Wenn Marlene und ich was in Hannover unternehmen, bleibe ich einfach da. Oder wenn es spät in der Firma wird. Besonders wenn die Züge mal wieder streiken, ist das praktisch. Dann brauche ich mir kein Hotelzimmer nehmen. Meine Eltern haben mir damals gesagt, ich sollte mein Zimmer in der Wohnung in Hannover behalten. Sie haben mir die Gründe aufgezählt. Meine Eltern haben vollkommend Recht. Jedenfalls haben mich die Gründe überzeugt. Mein Bruder wohnt ja auch in Hannover. Jedenfalls haben wir dann Familienrat gehalten und einige Sachen bezüglich der Wohnung besprochen. Ole bleibt auch ab und zu bei meinen Eltern. Besonders wenn Erntefest ansteht und er voll mit den Erntefestaktivitäten eingespannt ist. Manchmal bin ich richtig froh nicht in der Stadt zu sein. Hier kann ich mal im Garten sitzen ohne vom irgendein Nachbarn angegafft zu werden. Im Sommer ist das richtig herrlich. Grillen kann man ohne den Nachbarn groß zu fragen. Plötzlich schießt mir ein Gedanke durch den Kopf. Ob mich meine Mutter vom Zug abholt? Hoffentlich. Angeschrieben habe ich sie ja. Ich sehe aus dem Fenster. Langsam komme ich der Heimat näher. Als ich den Bahnsteig sehe, sehe ich schon meine Mutter. Dann steige ich aus und gehe auf sie zu. „Hallo Mum.“ „Hallo Kleine. Erzähle mal. Was ist das für ein Seminar?“ „Keine Ahnung.“ „Bestimmt so was neumodisches. Zusammenhalt in der Firma fördern.“ „Kann sein. Wo steht dein Auto.“ „Dort drüben.“ Wir gehen hin und unterhalten uns. Paps ist noch in der Firma. Als wir zuhause angekommen sind, macht meine Mutter uns eine Tasse Kaffee. Ich gehe kurz nach oben und suche mir die Kleidung, die ich mitnehmen möchte, raus. Anschließend packe ich meine Sache in meinen Seesack und gehe wieder zu meiner Mutter. „Mensch Juliane. Hast Du alles?“ Meine Mutter fängt wieder an mich zu bemuttern. Ich sage genervt: „Ja. Mama. Alles im Koffer.“ „Setz Dich. Erzähle. Was gibt es Neues?“ Meiner Mutter erzähle ich was so in letzter Zeit passiert ist. Seit ich aus Sylt zurück bin, habe ich sie noch nicht wieder gesehen. Meine Eltern waren im Urlaub. Sie besuchten Papas Cousin in den USA. Dann sieht mich meine Mutter an. „Sag mal Juliane.“ „Was?“ „Hast Du Dich auf Sylt verliebt?“ „Nein. Wie kommst Du darauf.“ „Du schwärmst ja von dem Typen.“ „Er war nur richtig nett.“ „Ich würde mich ja für Dich freuen.“ „Mama. Wie war es in den USA?“ „Lenkt von Thema nicht ab.“ Mist, hat nicht geklappt. Ich hätte ihr das nicht erzählen sollen. Zum Glück habe ich ihr nicht gesagt, dass er jetzt mein Chef ist. Phil ist einfach tabu für mich. „Du willst nicht über das Thema sprechen. Wie geht es denn Marie und Ole?“ „Nein. Woher kennst Du Marie?“ „Ole war mit Marie letztes Wochenende hier. Er hat sie als seine Freundin vorgestellt.“ Mein Bruder hat noch nie ein Mädel meinen Eltern vorgestellt. Was ist mit Finn Ole bloß los? Mein Telefon klingelt und ich gehe ran. „Hallo Marlene.“, sage ich ins Telefon. „Hallo Juli. Kommst Du heute noch zurück oder sehen wir uns morgen erst?“ „Wieso? Störe ich irgend wobei.“ „Nein. Ich will es nur wissen. Marie will vorbeikommen und hat gefragt, ob Du auch nachher da bist.“ „Ja.“ Ich schaue auf die Uhr. „So ungefähr in zwei Stunden.“ „Okay bis dann.“ Dann lege ich auf. „Du musst schon wieder weg?“ „Ja, die Seminarleiterin will uns noch Informationen geben. Schlimm?“ „Nein, es ist okay.“ Eigentlich weiss ich ja nicht, ob sie die Seminarleiterin ist. Jedenfalls kann sie mir die Frage beantworten, warum sie alles regeln. Eine Stunde später sitze ich wieder im Zug nach Hannover.

Kategorien Mal etwas anders

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