Eingeschränkt

Eben hatte ich etwas gelesen und da fiel mir etwas ein.

Vor vielen Jahren, genau genommen Mitte der Achtziger Jahren habe ich mir über etwas Gedanken gemacht. Ich glaube jeder von Euch hatte das Thema in der Schule.

Die Teilung von Deutschland.

Ich bin in Niedersachsen geboren und lebe auch immer noch dort. Also habe ich den Blickwinkel aus Westdeutschland. Damals konnte ich mir gar nicht vorstellen, das es noch ein Teil Deutschland gibt, die eingesperrt war. Klar kannte ich die Erzählungen von den Erwachsenen. Man schickte z.B. keine zwei Paar Schuhe hin. Oder man musste ein Visum haben. Ich hatte irgendwann im Unterricht gesagt, das die Grenze bald aufgeht. Die Lehrer sagten zu mir, es ist ein Hirngespinnt von mir. Das würde nie passieren. Ich sagte doch und schleuderte ein Datum den Lehrer um die Ohren. Wie ich auf das Datum kam, weiss ich nicht mehr. Der Lehrer schüttelte den Kopf und erzählte meinen Eltern davon. Ich vergass die Sache. Aber ich fand es irrsinnig, das ein Volk so auseinander gerissen wurde. Für mich unverständlich nicht so reisen wie man möchte.

Jedenfalls ein paar Jahre später. Ich kann mich noch genau erinnern. Es war ein Donnerstag und ich musste bis acht Uhr arbeiten. Der Einzelhandel hatte den langen Donnerstag und Samstag eingeführt. Es war nicht mein Traumberuf, aber ich wollte meinen Eltern halt nicht auf der Tasche liegen. Wenn es nach meinen Lehrern gegangen wäre, hätte ich mein Abi machen sollen. Aber war die Zeit nicht. Wollte Bankerin werden. Zum Glück hat mich mein Weg woanders hingeführt. Jedenfalls übe ich meinen ersten erlenten Beruf nicht aus und habe anschliessend eine Bürolehre gemacht, weil ich feststellte Einzelkaufmann ist nichts für mich. Fühlte mich nicht wohl. Aber es war in vorn herein eine Zwischenstation. Wenn man eine Lehre hat, kann man auf eigenen Füssen stehen. Also zog ich die Lehre durch. Der Beruf war eindeutig nichts für mich.

Was man hat, hat man, pflegte mein Vater immer zu sagen.

Ich dachte bis dahin, mein Opa hätte in der Bank gelernt. Aber das war nicht richtig.

Kommen wir wieder auf den Donnerstag zurück. Es ist ja nicht das Thema, welchen Beruf ich gelernt habe sondern was an diesen Donnerstag passierte und mit einschränken.

Meinen Eltern waren auf den Heiratsmarkt, der sehr bekannt ist. Ich wollte sie abholen. Im Radio hörte ich kurz nach acht, das die Grenzen geöffnet waren. Ich dachte es ist ein Scherz. Als ich bei meiner Oma war, waren meinen Eltern noch nicht da. Meine Oma und ich sahen wie die Leute durchs Brandenburger Tor strömten. Ich habe meine Oma nie gefragt, was sie bei den Bildern gedacht hat. Sie hat den ersten und zweiten Weltkrieg mit erlebt. Dann die Währung in der Weimarer Republik, Nachkriegszeit, Trümmerfauren, Hamsterkäufe, Teilung Deutschland, Mauerbau und Mauerfall.

Plötzlich standen meine Eltern da. Ich sagte die Grenze ist auf. Meine Mutter sagte nur, Du hast doch damals gesagt, das heute die Grenze aufgeht. Ich sah sie verdutzt an. Dann erklärte meine Mutter mir, das ich damals das Datum den Lehrer gesagt habe. Genau dieses Datum. Ich sagte, es war doch nur ein Datum was mit da eingefallen war. Meine Mutter hatte es sich notiert und wollte wissen, was an den Tag passiert. Ich denke mir, das viele denken so etwas gibt es nicht. Ich glaube, es war einfach nur Zufall, das es das gleiche Datum war. Ich wollte nicht wahr haben das Menschen eingeschränkt sind. In ihren Grundrechten eingeschränkt.

Haben wir nicht jetzt so eine ähnliche Situation? In der DDR konnte man ja noch innerhalb dem Land reisen. Aber das geht ja jetzt gar nicht. Wie muss der Teil Deutschland darüber denken, die das schon mal erlebt haben. In Grundrechten eingeschränkt. Ich glaube, die Regierung hätte es nicht getan, wenn die Lage anders gewesen. Sie wissen ja, die Menschen, die zum Zeitpunkt des zweiten Weltkrieges lebten und die Menschen aus der ehemaligen DDR hatten Einschränkungen. Bis jetzt war es für uns schwer nachvollziehen. Vielleicht ist es wichtig, mal darüber nach zu denken. Wir leben ein eingeschränktes Leben. Rücksicht zu nehmen ist wichtig. Im allgemeinen haben unsere Vorfahren auch so etwas ähnliches erlebt. Jede Zeit muss mit etwas anderen fertig werden.

In Endeffekt lieben wir unsere Freiheit und ich hoffe, dax bald der Alltag wieder an Normalität gewinnt und es würde schneller gehen, wenn wir uns alle an die Regeln und Vorschriften halten. Aber es tanzen immer welche aus der Reihe. Die Krise gab es so nicht. Auch nicht so extreme Einschränkungen. Ich hätte auch nie gedacht, wie in China, Masken zu tragen.

Eines wird mir klar, die Krise hat bei mir etwas zum Umdenken gebracht. Vieles nicht als selbstverständlich zu sehen und mit anderen Augen betrachten.

Ich mache eine Liste, was ich ändern will und was so bleibt. Vieles bleibt, nur einige kleine Dinge werde ich wohl ändern. Welches Ziel möchte ich noch erreichen? Wohin führt mich die Krise? Welche Wertstellung hat was in meinen Leben?

Überdenkt ihr auch euer Leben?

Was lernen wir? Wir müssen bestimmt noch einige Zeit mit den Einschränkungen leben? Die Firmen müssen weg von Grossraumbüros. Mache machen es wie in Amerika. Grosse Räume mit verschiebbaren Stellwänden? Da müssen wir weg. Denn wenn das so bleibt, können sie gleich Homeoffice einführen. Es wird gesagt, das wird jetzt immer wiederkehren. Um in einen grossen Raum mit Stellwänden verbreitet sich so eine Krankheit besser. Die Firmen sollte sich das zu Herzen nehmen. Es bringt nicht, das die ganze Belegschaft krank ist. Aber darüber werden sie nicht nachdenken.

Man muss Bilanz aus der Krise sehen und nicht weitermachen wie bisher.

Damit wir nicht nach der Krise wieder irgendwann mit so vielen Einschränkungen leben.

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